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URI/LUZERN: Welle der Kritik nach Pfarrer-Absetzung

Pfarrer Wendelin Bucheli wird nach Lausanne versetzt. Doch der dortige Bischof hat noch gar nicht mit ihm geredet. Und es tun sich weitere Widersprüche auf.
Die Versetzung von Pfarrer Wendelin Bucheli rückt Bürglen in den Fokus der Medien. Gemeindepräsident Markus Frösch im Interview mit dem Schweizer Fernsehen. (Bild: Anian Heierli)

Die Versetzung von Pfarrer Wendelin Bucheli rückt Bürglen in den Fokus der Medien. Gemeindepräsident Markus Frösch im Interview mit dem Schweizer Fernsehen. (Bild: Anian Heierli)

Alexander von Däniken

Er segnete im Oktober ein lesbisches Paar, nun erhielt Wendelin Bucheli (61), katholischer Pfarrer von Bürglen UR, die Quittung: Der Churer Bischof Vitus Huonder schickt Bucheli in dessen Heimatbistum Lausanne-Genf-Freiburg zurück (Ausgabe von gestern). Bucheli wurde in der Westschweizer Diözese zum Priester geweiht. Allerdings hat Bischof Charles Morerod noch nicht persönlich mit Bucheli gesprochen, wie Laure-Christine Grandjean, Sprecherin der Diözese Lausanne-Genf-Freiburg, auf Anfrage mitteilt. «Wenn Bucheli zurückgerufen wird, dann auch, weil in der Westschweiz zu wenig Priester praktizieren.» Bucheli dürfte also weiterhin Pfarrer sein wenn er dies überhaupt anstrebt. Zur Frage, ob in der Diözese Lausanne-Genf-Freiburg homosexuelle Paare den Segen erhalten, meint sie: «Die Eheschliessung ist nicht innerhalb der einzelnen Bistümer geregelt, sondern in der Weltkirche.» Sicher sei, dass der Pfarrer nicht exkommuniziert wird.

Die Stellungnahme aus Lausanne klingt nicht gerade so, als ob Bischof Morerod Pfarrer Bucheli zurücknimmt. Giuseppe Gracia, Sprecher des Bistums Chur, erklärt auf Nachfrage: «Dass Bischof Morerod nun mit Wendelin Buche­li sprechen wird, ist ein logischer Vorgang. Dies wurde zwischen Bischof Morerod und Bischof Huonder so besprochen.» Bucheli selbst ist für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Kirche Luzern: «Ungeheuerlich»

Die Versetzung schlägt indessen hohe Wellen. Überraschend deutlich war die Reaktion der Katholischen Kirche im Kanton Luzern. Auf deren Facebook-Seite ist zu lesen: «Manche Kirchenoberen leben das Gebot der Nächstenliebe sehr restriktiv. Das macht betroffen. Traurig. Und ist überhaupt ungeheuerlich.» Mediensprecher Dominik Thali sagt auf Anfrage: «Der Eintrag stammt von mir als Verantwortlichem für unsere Facebook-Seite. Das ist meine persönliche Meinung.» Trotzdem: Thali hat im Namen der Landeskirche geschrieben. «Auf unserer Facebook-Seite darf auch die Haltung der Personen zum Ausdruck kommen, welche die Posts verfassen», sagt Thali jedoch und fügt an: «Ich habe zu diesem Thema eine andere Meinung als das Bistum Chur. Auch wenn dieses aus kirchenrechtlicher Sicht richtig gehandelt hat.»

Theres Bachofen, Vorstandsmitglied der Lesbenorganisation Schweiz, erklärt zur Versetzung des Bürgler Pfarrers: «Ich kann dieses Vorgehen nicht verstehen. Es ist bedauerlich, dass das Gebot der Nächstenliebe es nicht zuzulassen scheint, dass ein sich liebendes Paar von der Kirche eine Segnung erhält.»

Und die Allianz «Es reicht!» protestiert gemäss Mitteilung «gegen das Schweigen von kirchlichen Verantwortungsträgern, die so die beschämenden Entscheide mittragen».

Ist Basler Bischof toleranter?

Der Churer Bischof Vitus Huonder hat die Versetzung Buchelis unter anderem mit einem Dokument der Schweizer Bischofskonferenz begründet. Dieses besagt: «Die Bischöfe sind der Überzeugung, dass homosexuelle Menschen gesegnet werden können, aber nicht die Schliessung einer homosexuellen Verbindung.» Denn die Ehe zwischen Mann und Frau habe schon aus naturrechtlicher Sicht eine besondere Stellung. Trotzdem scheint dieses Bekenntnis nicht sakrosankt zu sein. Denn der Bischof von Basel unter anderem zuständig für die Kantone Luzern und Zug – duldet Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare; und zwar schon seit November 2003. Damals genehmigte die Pastoralkonferenz der Kantonalkirche Baselland eine «Segensfeier» für Homosexuelle mit grosser Mehrheit.

Allerdings wird diese Toleranz von bischöflicher Seite abgestritten. «Ein Priester kann die Beziehung eines gleichgeschlechtlichen Paares nicht segnen. Er kann die einzelne Person segnen und so auf ihrem persönlichen Weg stärken», erklärt Marco von Arx, Sekretär der Abteilung Kommunikation des Bistums Basel. Und: «Bischof Felix Gmür hält sich an die Vorgaben der Gesamtkirche.»

Bistum Basel: Noch nie versetzt

Entweder halten sich im Bistum Basel alle Pfarrer an diese Weisung oder das Bistum drückt doch einmal ein Auge zu. Denn auf die Frage, ob es auch schon vorgekommen ist, dass Pfarrer wegen Segnungen homosexueller Paare versetzt wurden, antwortet von Arx: «Eine solche Versetzung hat es im Bistum Basel nicht gegeben.»

Einen Hinweis dafür, dass es katholische Pfarrer gibt, die homosexuelle Paare segnen, liefert die Internetseite adamim.ch. Dahinter steht nach eigenen Angaben eine «aktive Gruppe von schwulen Männern im kirchlichen Dienst». Die Gruppe ruft einerseits Pfarrer dazu auf, sich zu melden, wenn sie homosexuelle Paare segnen wollen. Andererseits können interessierte Paare sich melden, wenn sie die Dienste von einem der «gut 20 katholischen Seelsorger» in Anspruch nehmen wollen.

Mitarbeit: Roger Rüegger

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