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Die Unermüdliche ist verstummt – eine Würdigung an die verstorbene alt Stadträtin Ursula Stämmer-Horst

Ursula Stämmer-Horst ist am 21. März 2020 im Alter von 61 Jahren an einer schweren Krebserkrankung verstorben. Sie amtete 16 Jahre als Stadträtin der SP in Luzern und war zuletzt Synodalratspräsidentin der evangelisch-reformierten Landeskirche.

Evelyne Fischer
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Sie war pointiert und pragmatisch, unverblümt und zuweilen unbequem: Ursula Stämmer-Horst hat Luzern geprägt – und dies noch Jahre nach ihrem Abschied von der politischen Bühne. Nun hat sie für immer Lebewohl gesagt: Am Samstag erlag die 61-jährige Stadtluzernerin im Kantonsspital einem schweren Krebsleiden.

Ursula Stämmer-Horst.
32 Bilder
Die junge Ursula Stämmer in einer undatierten Aufnahme.
Ursula Stämmer-Horst mit ihrem Ehemann Bruno am Lucerne Festival.
Ursula Stämmer Stadträtin mit der Statue «Der Arbeitslose» von Eugen Püntener.
Renata Asal-Steger, rechts, und Ursula Stämmer-Horst.
Ursula Stämmer-Horst tritt Ende August 2016 als Stadträtin ab.
Ursula Stämmer-Horst schenkt am Wochenmarkt Wein aus.
Ursula Stämmer-Horst an der Medienkonferenz zur Salle Modulable.
Ursula Stämmer-Horst präsentiert die Kandidatur für die Winteruniversiade 2021.
Übergabe der «Sauren Zitrone» des Kinderparlaments an Ursula Stämmer-Horst.
Gruppenfoto des Luzerner Stadtrates (von vorne nach hinten): Stefan Roth, Martin Merki, Manuela Jost, Adrian Borgula, Ursula Stämmer-Horst und Toni Göpfert.
Prinzessin Benedikte von Dänemark, links, und Ursula Stämmer-Horst  am Treffen der erfolgreichsten Pfadi Frauen der Welt im Verkehrshaus.
Stadträtin Ursula Stämmer-Horst hat ihr neues Büro im Luzerner Stadthaus bezogen.
Adrian Borgula, Ursula Stämmer-Horst, Manuela Jost, Stefan Roth, Marin Merki und Stadtschreiber Toni Göpfert.
Ursula Stämmer-Horst beim Penaltyschiessen beim Wahlpodium in der Swissporarena.
Ursula Stämmer-Horst kandidiert als Stadtpräsidentin in Luzern. Auf dem Bild ist sie an ihrem Lieblingsort «im Zöpfli» an der Reuss zu sehen.
Ursula Stämmer-Horst zeigt die Schwachstellen des Veloverkehrs in der Stadt Luzern.
Ursula Stämmer-Horst mit Edwin Rudolf, Vizepräsident Luzern Tourismus,
Ursula Stämmer-Horst und Regierungspräsident Max Pfister.
Ursula Stämmer-Horst und Ueli Unternährer, im Gehege der jungen Schweine auf dem Ueli Hof.
Ursula Stämmer-Horst im Gespräch mit Hans W. Kopp.
Ursula Stämmer-Horst, OK-Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerfest 2008 in Luzern.
Ursula Stämmer-Horst an der Delegiertenversammlung des Eidgenössischen Jodlerverbandes.
Ursula Stämmer-Horst wird bei einer Rettungsaktion im Gletschergarten von Stefan Sigrist aus einer Gletscherspalte befreit.
Ursula Stämmer-Horst mit Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey.
Ursula Stämmer-Horst, OK-Präsidentin des Eidg. Jodlerfestes, in der Pilatus-Zahnradbahn.
Ursula Stämmer-Horst, rechts, und Thüring Brähm, Mitte, mit chinesischen Botsschafter Bangzao Zhu.
Stadträtin Ursula Stämmer-Horst.
Ursula Stämmer-Horst nimmt Gratulationen zur Wahl als Stadträtin entgegen.
Ursula Stämmer-Horst kandidiert erneut für den Luzerner Stadtrat.
Ursula Stämmer-Horst im Interview nach dem Anschlag in Zug.
Ursula Stämmer Horst und Urs. W, Studer.

Ursula Stämmer-Horst.

Bild: PD

Was bleibt, sind Erinnerungen an eine unkonventionelle Frau, an eine einnehmende Sozialdemokratin und an eine reformierte Synodalratspräsidentin, die sich unermüdlich für die Stadt, die Politik und die Kirche engagiert hat.

Die nahbare Politikerin

Ursula Stämmer, ausgebildete Krankenschwester, zweifache Mutter, wurde 1991 in den damaligen Grossen Bürgerrat gewählt, gleichzeitig vertrat sie die sozialdemokratische Partei im Kantonsrat und war deren Sekretärin. 2000 gelang Stämmer der Sprung in den Luzerner Stadtrat. Bei ihrem Abschied aus der Exekutive im August 2016 sagte sie:

«Je länger ich Stadträtin war, desto weniger hatte ich das Gefühl, es allen recht machen zu müssen. Entscheidend ist, was für die Stadt insgesamt das Beste ist.»

Damit machte sie sich nicht nur Freunde. 2007 liess sie es als damalige Sicherheitsdirektorin zu, dass die Polizei 245 Demonstranten im Vögeligärtli festnahm – zum Entsetzen der eigenen Partei.

Stämmer war eine Politikerin ohne Scheuklappen. Um Luzern als Velostadt attraktiver zu machen, trat sie 2011 gleich selber in die Pedale und lud Medien auf eine stündige Rundfahrt ein. Wenn sie wie 2008 als OK-Präsidentin des Eidgenössischen Jodlerfests in Luzern in der Festtagstracht auftrat, kaufte man ihr die Volksverbundenheit ab. Sie war nahbar, und verschaffte sich damit Respekt.

Die leidenschaftliche Fasnächtlerin

Dass sie keine Berührungsängste kannte, bewies sie jeweils an der Fasnacht. Als unsere Zeitung letztes Jahr die «Lozärner Frauezomft» aus der Taufe hob, war die Zunftmeisterin schnell gefunden: Ursula Stämmer, alias Ursula Wämmer. «Wir wollen als Zünftlerinnen ebenso ernst genommen werden wie die Männer und verlangen darum eine Frauenquote an der Lozärner Fasnacht», sagte sie damals, mit Schalk in der Stimme und dem Zepter in der Hand. Selbst während der fünften Jahreszeit blieb sie sich und ihren Überzeugungen treu.

Angesichts ihrer Erkrankung sei sie froh, habe man die «Frauezomft» noch 2019 aufleben lassen, sagte sie im Dezember am Rande eines Gesprächs über das 50-Jahr-Jubiläum der reformierten und katholischen Landeskirchen. Am Termin hielt sie trotz Behandlung und Medikamenten eisern fest; das Interview sollte ihr letztes werden. Sie kämpfte bis zum Schluss gegen den Krebs – und musste sich nun geschlagen geben.

Die Reaktionen von politischen Weggefährten

«So engagiert sie als Politikerin war, so kämpferisch zeigte sie sich in den letzten Monaten», sagt Urs W. Studer, ein langjähriger politischer Weggefährte zum Hinschied von Ursula Stämmer-Horst. Der schnelle Verlauf der Krankheit habe ihn erschüttert, sagt Studer, der von 1996 bis 2012 als parteiloser Luzerner Stadtpräsident amtete. «Ursula Stämmer hat jeden gleich ernst genommen. Den grossen Steuerzahler ebenso wie den kleinen Mann.» Sie sei ein «Menschenfreund» gewesen. Die frühere SP-Politikerin habe sich auch ökologisch ins Zeug gelegt. «Dass sich Luzern als Energiestadt mit dem Gold-Label schmücken darf, haben wir ihr zu verdanken.»

Ursula Stämmer-Horst hatte sich während rund 30 Jahren für die Sozialdemokraten engagiert. Entsprechend betroffen zeigt sich die städtische SP in einer Mitteilung: «Ursula Stämmer war eine sehr volksnahe Stadträtin, hatte überhaupt keine Berührungsängste.» Als diese Persönlichkeit werde man sie in bester Erinnerung behalten – und so hat sie auch Beat Züsli erlebt. Der heutige Stadtpräsident hat im September 2016 die Bildungsdirektion von Ursula Stämmer übernommen. «Sie hat diesen Übergang sehr gut aufgegleist und mich bestens in diese Direktion eingeführt», sagt Züsli. «Ich habe die Zusammenarbeit mit Ursula Stämmer sehr geschätzt», sagt er, vor allem mit Blick auf seine Zeit als Fraktionschef der SP im grossen Stadtrat. «Sie hatte einen guten Zugang zu allen Bevölkerungsgruppen. Davon profitierte sie, wenn sie zuweilen auch unpopuläre Entscheide fällen musste.»

Die Betroffenheit der reformierten Landeskirche

Dass sie das «politische ABC» verinnerlicht hatte, zeigte sich ab November 2016 in Stämmers Arbeit als Synodalratspräsidentin der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Luzern. «Ich erlebte sie als ausgezeichnete Führungsperson mit ausgeprägtem politischem Gespür, die mit ihrer herzlichen Art und ihrem wertschätzenden Umgang die Gräben schliessen konnte», sagt Ruth Burgherr aus Horw, die seit dem Sommer die Synode, das Kirchenparlament, präsidiert. «Sie scheute Diskussionen nicht.» Auch anlässlich des bisher einmaligen Referendums gegen das Personalgesetz erinnerte Ursula Stämmer daran, dass solche Kontroversen zum demokratischen Prozess gehören. «Sie hatte die Gabe, Menschen zu einen», sagt Burgherr.

«Trotz ihrer Direktheit schaffte sie es, Wogen zu glätten, statt neue Wellen zu werfen.»

Gross ist die Betroffenheit auch auf der Geschäftsstelle der reformierten Landeskirche. «Wir haben Ursula nie aufgegeben», sagt die Kommunikationsverantwortliche Sandra Winterberg. «Sie war so kämpferisch. Wir alle trauten es ihr zu, dass sie die Krankheit besiegen könnte.» Sehr geschätzt habe man ihre Führungsqualitäten. «Sie liess uns viel Gestaltungsfreiraum und vertraute uns.»

Die Synode wird voraussichtlich in der Herbstsession über die Nachfolge von Ursula Stämmer-Horst befinden. Bis dahin wird Synodalrätin Lilian Bachmann, Departement Recht, das Präsidium ad interim übernehmen.

Mit «viel Herzblut» hat sich Ursula Stämmer überdies als Präsidentin der Zentralschweizer Sektion der Gesellschaft Schweiz-Israel eingesetzt, wie es in einer Mitteilung heisst. Dieses Amt hatte sie seit dem 21. April 2016 inne. Man sei ihr «ausserordentlich dankbar» und werde sie sehr vermissen.

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