Urteil
Luzerner Kantonsgericht verurteilt Vater wegen Vergewaltigung – er bleibt in Sicherheitshaft

Den Vorwurf, seine damals 13-jährige Stieftochter und deren Freundin sexuell missbraucht zu haben, bestreitet der heute 50-Jährige nach wie vor. Nun soll er für sechs Jahre in Haft bleiben.

Sandra Monika Ziegler
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Das Kantonsgericht Luzern am Hirschengraben.

Das Kantonsgericht Luzern am Hirschengraben.

Nadia Schaerli (Luzern, 11. Mai 2021)

Der deutsche Lastwagenfahrer sitzt seit November 2017 in Sicherheitshaft. In den Jahren 2013 bis 2017 soll er seine Stieftochter und deren Freundin sexuell missbraucht haben. Die Mädchen waren 13 Jahre alt. Der Mann 42. Bereits das Luzerner Kriminalgericht verurteilte den Mann im November 2019 zu 62 Monaten Haft und begründete dies auf insgesamt 93 Seiten. Der Beschuldigte sah und sieht sich nicht in der Schuld. Der Fall landete bei der nächsten Instanz, dem Luzerner Kantonsgericht.

Mit dem Urteil vom 8. April, das nun vorliegt, wird der Mann vom Kantonsgericht Luzern der mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der einfachen Körperverletzung und der Pornografie für schuldig gesprochen und mit sechs Jahren Haft bestraft. Das Gericht liegt damit ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es kann noch vor Bundesgericht weitergezogen werden.

Über 100'000 Franken Verfahrenskosten

An der Verhandlung vom 3. März 2021 vor dem Kantonsgericht Luzern kam die Psychiaterin zu Wort. Im Mittelpunkt dieser Verhandlung stand ein Gutachten. Darin ist dem Mann eine sexuelle Störung mittelschweren Grades attestiert worden. Deshalb sei bei einer Verurteilung eine stationäre Therapie angezeigt. Denn eine ambulante Therapie sei, so die Psychiaterin, mangels Einsicht nicht erfolgversprechend (wir berichteten). Das Gutachten titulierte der Beschuldigte an der Verhandlung als «Schwachsinn».

Im jetzigen Urteil wird auf die Anordnung einer therapeutischen Massnahme verzichtet. Weiter steht, dass ein Landesverweis wegen des Tatzeitraums nicht zur Anwendung kommt. Zudem muss der Beklagte 70 Prozent der Verfahrenskosten von über 100'000 Franken zahlen und der ehemaligen Freundin der Stieftochter eine Genugtuung von 12'000 Franken plus Zins. Die Urteilsbegründung wird schriftlich zugestellt.