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Urteil wegen nicht ausgeführter Tötung: Luzerner Staatsanwalt verzichtet auf Berufung

Ein Mann plante, seine Sozialarbeiterin zu töten. Es blieb beim Plan – und er muss nicht ins Gefängnis, sondern in die Psychiatrie. Nun liegt das begründete Urteil vor, und es hat bei der Staatsanwaltschaft zu einem Umdenken geführt.
Sandra Monika Ziegler
Eingangsbereich beim Kriminalgericht Luzern am Alpenquai. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 12. Juli 2016)

Eingangsbereich beim Kriminalgericht Luzern am Alpenquai. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 12. Juli 2016)

Ein heute 34-jähriger Mann wurde Ende April vom Luzerner Kriminalgericht wegen strafbaren Vorbereitungshandlungen zu vorsätzlicher Tötung für schuldig gesprochen. Es wurde eine stationäre Massnahme angeordnet (wir berichteten). Der Staatsanwalt dagegen forderte unter anderem die Verurteilung wegen versuchten Mordes und damit eine Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren. Der Verteidiger wollte seinen Mandanten nicht wegen versuchten Mordes verurteilt haben und forderte einen Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft sah mit den Vorbereitungshandlungen eine Schwelle überschritten und meldete Berufung an. Das war aber, bevor das Urteil schriftlich begründet vorlag – was nun der Fall ist. Auf Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft Luzern sagt Mediensprecher Simon Kopp: «Die Begründung des Kriminalgerichts ist für uns nachvollziehbar, sodass sich ein Weiterzug nicht lohnt.» Die Staatsanwaltschaft zieht damit die angemeldete Berufung zurück. Das Urteil wird rechtskräftig, sobald eine Nichteintretensverfügung vom Luzerner Kantonsgericht rechtskräftig vorliegt.

Mann empfand Kürzungen als Schikane

Rückblende: Vor gut zwei Jahren plante ein seit Jahren vom Sozialamt abhängiger Mann, seine Sozialarbeiterin mit einem Messer töten. Dazu nahm er in seiner Hosentasche zum Termin auf dem Sozialamt ein in der Schweiz verbotenes Schmetterlingsmesser mit. Warum er sich eine solche Tat überhaupt ausdachte, erklärte der bis anhin nicht Straffällige an der Verhandlung vor dem Luzerner Kriminalgericht.

Das Gericht hält dazu in seiner schriftlich vorliegenden Urteilsbegründung fest, dass die Kooperation des Beklagten mit dem Sozialamt mangelhaft gewesen sei und es deshalb zu Kürzungen der Leistungen kam. Aus Sicht des Beschuldigten erfolgten diese Kürzungen jedoch willkürlich. Und diesem «Treiben» wollte er am Termin vom 17. Februar 2017 ein Ende setzen. Doch noch während des Gespräches kamen Zweifel in ihm auf. Deshalb liess der Beklagte sein Messer in der Hosentasche und setzte sein Vorhaben nicht in die Tat um.

Nach gut 10 Minuten war die Besprechung zu Ende, der Mann verliess den Raum. Die betreffende Sozialarbeiterin bemerkte während des Gespräches nichts Auffälliges. Sie gab zu Protokoll:

«Er hatte einen Rucksack dabei und einen starren Blick. Es ist zu keinen bedrohlichen Situationen gekommen.»

Von seiner Absicht, sie töten zu wollen, erfuhr die Frau erst später durch die Polizei. Sie sei erstaunt und geschockt gewesen.

Von sich aus bei der Polizei gemeldet Der Mann ging nach dem Termin zum benachbarten Polizeiposten. Dort wollte er eine Anzeige gegen das Sozialamt aufgeben und schilderte den Polizisten, was er tun wollte, aber nicht tat. Er wurde daraufhin festgenommen. Das Gericht hält dazu fest: Weil er aus freien Stücken zur Polizei ging, wurde ihm das in der Urteilsbegründung zugutegehalten. Und – so das Gericht weiter – weil es beim Vorhaben blieb, habe er «die Schwelle zum Versuch nicht überschritten. Ein konkret gefasster Tatentschluss des Beschuldigten, die Sozialarbeiterin zu töten, lag deshalb bis zuletzt nicht vor».

Verurteilt wegen illegalem Waffenbesitz

Wegen Besitz des verbotenen Messers muss sich der Mann wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz verantworten. Das Gericht verhängt eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 10 Franken. Er schuldet dem Gericht gut 7000 Franken für die Verfahrenskosten.

Der Mann befindet sich aktuell in stationärer Behandlung. Ihm wurde eine paranoide Persönlichkeitsstörung mit schizoiden Anteilen diagnostiziert. Zum Täter wurde einzig bekannt, dass er ledig und kinderlos ist und zu seiner eigenen Familie keinen Kontakt mehr hat.

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