URTEIL: Wegen versuchter Erpressung freigesprochen

Ein 43-jähriger Luzerner ist trotz früherem Geständnis wegen versuchter Erpressung und Fälschung von Ausweisen vom Luzerner Obergericht frei gesprochen worden. Nach Verfahrensfehlern musste das Gericht den Fall neu beurteilen und das Geständnis ausblenden.

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Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, er habe seine frühere Arbeitgeberin 2008 mit einem Brief, einer Videokassette und verschiedenen anonymen SMS zur Zahlung von 47'000 Franken erpresst. Andernfalls werde er ihr oder ihrer Familie ein Leid antun. Ausserdem soll der Mann ein Arbeitszeugnis gefälscht haben.

Das Kriminalgericht sprach den Mann wegen versuchten Erpressung und Fälschung von Ausweisen schuldig. Es verhängte eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten. Das damalige Obergericht bestätigte 2011 das Urteil. Die Gerichte stützten sich vor allem auf ein Geständnis des Beschuldigten gegenüber der Polizei.

Kein faires Verfahren

Der Mann hatte jedoch sein Geständnis später widerrufen und vor den Gerichten einen Freispruch verlangt. Er erhob Beschwerde beim Bundesgericht.

Die höchsten Richter des Landes kamen zum Schluss, dass der Mann kein faires Verfahren erhalten hatte. Der Beschuldigte hatte nicht bereits ab der ersten Einvernahme bei der Polizei Zugang zu einem Verteidiger.

Das Obergericht musste auf Geheiss des Bundesgerichts denn Fall neu beurteilen. Die Richter durften dabei jedoch das Geständnis des Beschuldigten nicht mehr beachten.

Entschädigung von 1600 Franken

Im zweite Anlauf sprach das Luzerner Obergericht den Mann mangels Beweisen frei, wie es im am Dienstag veröffentlichten Urteil heisst. Betreffend der versuchten Erpressung gebe es erhebliche Zweifel an der Täterschaft des Mannes. Was die mutmassliche Fälschung von Ausweisen angehe, so sei insbesondere die Fälschungsabsicht nicht nachgewiesen.

Der Mann erhält eine Entschädigung von 1600 Franken aus der kantonalen Gerichtskasse. Zudem muss die öffentliche Hand für die Kosten für den Verteidiger des Mannes in der Höhe von 17'500 Franken aufkommen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann mit Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden.

sda