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«Värsli-Brönzler» sorgen in Lozärner Beizen dank Witzen über FCL, Greta und Stadtrat für viel Gelächter

Ein neuer Anlass bringt die Fasnacht zurück in die Beizen. Im Zentrum der Darbietungen: Lokale und internationale Politiker – und natürlich «s'Affetheater uf der Allmänd».

Jonas von Flüe
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Drei Geistliche haben sich noch selten in den Wilden Westen verirrt, drei Päpste erst recht nicht. So gesehen dürfte der Auftritt von «Urbi@Orbi» im fasnächtlich dekorierten Restaurant Lapin eine Premiere gewesen sein. Das Restaurant war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auf der Bühne standen drei Luzerner Theologen, die nicht davor zurückschrecken, die katholische Kirche auf die Schippe zu nehmen. Beispiel gefällig? «Wieso schlat sech Rom s’Zölibat ned ändlech us em Grind? Mer si doch aagwese of jedes katholische Chind!»

Bild: Patrick Hürlimann

Im 15-minütigen Auftritt kam auch die lokale Politik nicht zu kurz. «Liebe Päuli, schänk der dini Theaterkritik; ond beschränk di uf d’Komödie i de Politik», wandten sie sich an den nicht anwesenden Regierungspräsidenten Paul Winiker.

«Urbi@Orbi» war eine von zehn Gruppen (siehe Bildstrecke), die am Freitagabend im Rahmen der ersten «Värsli-Brönzlete» durch acht Luzerner Beizen zogen und mit ihrer Performance für viel Gelächter und noch mehr Lacher sorgten. Das Interesse war gross: Alle 700 Plätze waren bereits im September innert wenigen Stunden ausverkauft.

«Zunftrat zu GordonBlööö»
7 Bilder
«Urbi@Orbi»
«Corretto Kleinformation»
 «Haued em Hond de Schwanz ab»
«Geyger Chlais vo hindefire»
«MLG-Theaterbuebe»
Wilde Gruppe: «Ohne Prinz»

«Zunftrat zu GordonBlööö»

Bild: Urs Flüeler/Keystone

Organisatoren wollen die Beizenfasnacht wiederbeleben

Das Publikum wurde nicht enttäuscht: Die Palette an Themen war breit. Bei «Haued em Hond de Schwanz ab» war der aktuelle Wahlkampf ein grosses Thema («D’SVP versuechts met emene CVP-Fossil; die Wahltaktik esch vermuetlech de eher debil.»), bei den Pfotteri-Motteris die Ladenöffnungszeiten («Stemmsch no ab – de besch jo bsoffe; d’Läde hend gliich länger offe.») und bei fast allen der FCL, auch bei der Zunft zu GordonBlööö («Dä Fisch dä stinkt am Chopf – de Alpstäg esch e Ratte; hed sini VR-Gspänli ganz heimlech lo beschatte.»).

Initiiert wurde die «Värsli-Brönzlete» von drei bekannten Fasnächtlern: Peti Federer (Zunft zu Gordon-Blööö), Kurt Sidler (Espresso und Corretto) und Herbert Gut (Urbi@Orbi), die am Freitagabend allesamt selber durch die Beizen zogen. «Wir wollen die Beizenfasnacht wiederbeleben», erklärte Federer. Das spontane Fasnachtstreiben in den Beizen mit dem Intrigieren sei mehr und mehr aus der Stadt verschwunden. Der Anlass zeigte aber: Die «Värsli-Brönzlete» ist nicht nur ein Andenken an die gute, alte Fasnachtszeit, sondern ein Anlass mit Zukunft.

Weitere Värsli

«Sportchef bem FCL sött mer si;
de goht alles döre und schadlos a eim verbi.
Ke Mönsch die Taktik und das Gebahre verstoht –
bis denn z‘letscht ke Lozärner me go luege goht.
Gar nümm so blau wyss ond nüm zum lache,
s‘Affetheater uf der Allmänd,
das macht euis z schaffe.
Statt witer Provinzsatire z’schriebe
gäbs ganz eifachi Sache,
s‘Stadion öberdache und drus s’neui Stadttheater mache.»
Haued em Hond de Schwanz ab (Fidelitas Lucernensis)


«Im Regierigsroot esch’s kei Debatte,
regiere chasch nor met Krawatte.
De Winiker quietscht wie es Säuli,
met hööcher Stimm – so wie es Fröili.
Die andere send ned vell besser
ond wetzed sech drom immer d’Messer.
S’Ämtli wächsle wott de Wyss,
Sand-Chaschte-Niveau hed das Gschiiss. »
Zunftrat der Zunft zu GordonBlööö


«Aa de Brochschtross hed’s e Beiz gha met em Name Kränzli,
met feine Cordon bleu do hed mer chönne fölle s’ Ränzli.
Doch leider hed mer plötzli s’Ränzli nömme chönne stopfe,
de Grond dä segg de Choch - dä düegi s’Fleisch haut vöu z’luut chlopfe.
Etz esch das Kränzlin z’Ämmebrogg, det döigs ou weniger stööre,
wöu be dem ewige Floglärm döigsch das Chlopfe gar nömm ghöre.» D'Pfotteri-Motteris


«Söischür tuet haut eifach megge,
nur z’Megge wönd das nid alli chegge.
Jetzt muess de Buur en nöie Stall boue
und hofft, är töigs nid wieder versoue.
Mer sett för dä Gschtank en Lösig finde,
en Filter för as Söifödle z’binde.
Ou d’Frou Merkel wott brune Gschtank ischränke,
und tuet so Filter de AfD um d’Schnörre ume hänke.»
Urbi@Orbi – die drei Päpste aus Luzern


«Es goht zum Franziskus vo Assis,
de Bundesrat Ignazio Cassis:
Francisco, säg, was sell i au magge,
dass d’Lüüt nid über mich tüend lagge?
De Franz, dä runzlet d’Stirne,
tued es Ziitli hirne
und seid: Es tuet mer leid,
gäb der gärn e bessere Bscheid.
Aber gang ufe zum Chef, mit diim Plunder,
dä isch zueständig für die ganz grosse Wunder.»
G'wunderchräie


«Da simmier de z’Nidwalde viu humaner,
etz diend eysi kantonale Planer,
eys im Amtsblatt informiere,
das Gfängnis z’Stans seyg z’renoviere.
Sicher seygid d’Insasse keini Ängu,
aber ai dr Knascht heig grossi Mängu!
S’chennt sey iehr glaibtid mier etz nicht,
s’heisst nämlich i dem Mängelbricht:
‹Was wir am meisten beanstanden:
Fluchtwege sind nicht vorhanden!›»
Geyger Chlais von hinde fire