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VBL: Busfahrer am Handy: Wenn die Verwarnung nichts nützt, gibts die Kündigung

In Zürich wurden drei Chauffeure gefeuert, weil sie während der Fahrt ihr Mobiltelefon bedienten. Auch bei den VBL wird das gefährliche Manöver bestraft.
Christian Peter Meier
Ein Bus im Schuss (Symbolbild) (Bild: Roger Grütter/LZ)

Ein Bus im Schuss (Symbolbild) (Bild: Roger Grütter/LZ)

Ein Blick aufs Handy: So mancher Automobilist wagt ihn während der Fahrt – und nimmt damit eine happige Busse in Kauf (siehe Box). Für drei Chauffeure der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) hatte das gefährliche Manöver kürzlich noch viel drastischere Konsequenzen: Sie kassierten alle die fristlose Kündigung. Wie «Radio Energy Zürich» publik machte, haben die VBZ diese Häufung zum Anlass genommen, allen rund 1500 Chauffeuren in einem Brief den Tarif durchzugeben: «Solche Risiken dürfen im öffentlichen Personenverkehr von Ihnen als Profi nicht eingegangen werden», steht im Schreiben, und weiter: «Bei Widerhandlungen wird eine fristlose Kündigung ausgesprochen.»

Das ist unmissverständlich – und lässt den VBZ kaum Spielraum für Ausnahmen. Was sagen Zentralschweizer Transportunternehmen dazu? «Das Handy am Steuer zu bedienen, ist kein Kavaliersdelikt», macht Christian Bertschi als Mediensprecher der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) vorab klar und ergänzt: «Chauffeure haben eine grosse Verantwortung.» Darum werde fehlbares Verhalten in diesem Bereich auch von den VBL sanktioniert. Ganz so kompromisslos wie die VBZ geht man in Luzern allerdings nicht vor. «Wir sprechen gegebenenfalls Verweise aus. Im Wiederholungsfall kann es zur Entlassung kommen», sagt Bertschi und verweist auf einen Fall, in dem das tatsächlich passiert sei. «Der Mitarbeiter war zuvor mehrfach ertappt und verwarnt worden.» Wie der Mediensprecher weiter ausführt, sieht der Gesamtarbeitsvertrag eine fristlose Kündigung unter anderem bei grobfahrlässiger oder absichtlicher Gefährdung von Personen vor.

Bei den Zugerland Verkehrsbetrieben kennt man vergleichbare Sanktionsmassnahmen wie in Luzern. «Zum Glück gab es bisher aber noch keinen entsprechenden Vorfall», sagt Marketingleiterin Sonya Hausherr. Die Chauffeure würden schon am Einführungstag auf das Thema sensibilisiert. Ausserdem seien die Verhaltensregeln im Schulungsordner abgespeichert.

Abrufbar ist dieser Ordner bezeichnenderweise auf einem persönlichen Tablet, das jedem Chauffeur als Arbeitsinstrument ausgehändigt wird – nicht nur in Zug, sondern bei ganz vielen Verkehrsbetrieben, so auch bei jenen in Luzern. «Auf den Tablets sind etwa Dienstpläne abrufbar. Chauffeure erhalten via Tablets aber auch spezielle Anweisungen und Informationen, zum Beispiel über Baustellen» erklärt Christian Bertschi. Doch es sei eben explizit nicht die Meinung, dass die Fahrer das Tablet unterwegs benutzen. Vielmehr sollten sie den Dienst informiert antreten. Überdies könnten sie bei den Endhaltestellen und während Pausen auf die Geräte zugreifen. «Wer während der Fahrt dringend eine Information braucht, kann sie sich per Funk beschaffen.»

Gegen diese Instruktion hat auch Martin Wyss als Geschäftsleiter der Gewerkschaft des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Luzern nichts Grundsätzliches einzuwenden. Er stellt allerdings fest, dass die Zeit an den Endhaltestellen immer knapper werde und dass es nicht angehe, wenn die Mitarbeiter sich in der Freizeit via Tablet informieren müssten. «Darum ist ihnen auch für diesen Teil der Arbeit genügend Zeit zur Verfügung zu stellen», fordert Wyss.

Kunden schauen Chauffeuren auf die Finger

Bei der Kontrolle der Fahrer kommen den Verkehrsbetrieben auch aufmerksame Fahrgäste zu Hilfe. Diese schauen den Chauffeuren zunehmend auf die Finger und greifen durchaus auch selber mal zum Handy, um ein tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten fotografisch zu dokumentieren. VBL-Sprecher Bertschi bestätigt diese Tendenz. «Doch auch unsere Teamleiter erstatten Meldung, wenn ihnen auf den oft unangemeldeten Fahrbegleitungen etwas Entsprechendes auffällt.»

Problematisch wird die Sache bei ungeklärter Faktenlage. Der ­«Tagesanzeiger» berichtet von einem Chauffeur, der bei den VBZ suspendiert wurde, weil er gemäss den Angaben eines anonymen Kunden das Handy während der Fahrt genutzt haben soll. Der Chauffeur bestreitet den Sachverhalt und hat Anzeige gegen unbekannt eingereicht – und seinem Arbeitgeber erlaubt, all seine Handydaten auszuwerten.

Christian Peter Meier

christian.meier@luzernerzeitung.ch

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