VBL-Chauffeure können sich neuerdings elektronisch bei Autofahrern bedanken

Bei Bushaltestellen hätten Busse eigentlich Vortritt. Doch viele Auto- und Velofahrer halten sich nicht an diese Regel. Das soll sich nun ändern: Wer den Bus ausfahren lässt, erhält einen «Dankesgruss» aus der Führerkabine.

Robert Knobel und Michelle Kägi
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Diese Anzeige am Heck des Busses blinkt jeweils für ein paar Sekunden auf. (Bild: VBL)

Diese Anzeige am Heck des Busses blinkt jeweils für ein paar Sekunden auf. (Bild: VBL)

Wer in der Fahrschule aufgepasst hat, weiss: Wenn ein Bus an einer Haltestelle den Blinker stellt, lässt man ihn heraus fahren. Doch die Realität sieht meist anders aus. Da Autofahrer höchst ungern hinter einem Bus her fahren, versuchen viele, im letzten Moment noch zu überholen. Auch viele Velofahrer haben diese Angewohnheit. Gleichzeitig haben die VBL-Chauffeure die  klare Anweisung, sich beim Ausfahren defensiv zu verhalten und den Vortritt keineswegs zu erzwingen.  «So können wir plötzliche Notstopps oder gar Kollisionen verhindern», sagt VBL-Sprecher Sämi Deubelbeiss. Doch die Kehrseite ist, dass die Buschauffeure oft lange warten müssen, bis sie aus der Haltestelle heraus fahren können.

Chauffeure sollen den Knopf grosszügig verwenden

Doch es gibt auch vorbildliche Verkehrsteilnehmer, die den Vortritt der Busse respektieren. Bei diesen können sich die Chauffeure neuerdings elektronisch bedanken: Seit Anfang Oktober ist in den meisten VBL-Bussen ein «Danke-Knopf» eingebaut. Wenn der Chauffeur diesen Knopf drückt, erscheint hinten am Bus für ein paar Sekunden ein «Danke» auf der Anzeige. Die Idee geht auf einen Vorschlag eines Mitarbeiters vor einigen Jahren zurück, sagt Sämi Deubelbeiss. Lange sei es aus technischen und finanziellen Gründen nicht möglich gewesen, die Idee umzusetzen. Doch inzwischen hat man einen einfachen und günstigen Weg gefunden, die Software in den Bussen entsprechend aufzurüsten. Auch in anderen Städten ist der «Danke-Knopf» bereits in Betrieb. Sämi Deubelbeiss betont, die Chauffeure würden angehalten, den Knopf grosszügig anzuwenden – nicht zuletzt, um die Verkehrsteilnehmer für das Problem zu sensibilisieren und um vorbildliches Verhalten zu fördern. «Damit wir unsere Fahrpläne einhalten können, sind wir auf die Hilfe aller angewiesen», sagt Deubelbeiss.

Am Wochenende sind die Autofahrer kulanter

Welche Erfahrungen haben die VBL-Chauffeure bisher mit dem Danke-Knopf gemacht?  Logischerweise können sie kein direktes Feedback von denjenigen Verkehrsteilnehmern erhalten, bei denen sie sich bedanken. «Es gibt aber jede Menge positive Rückmeldungen von Kollegen und vom Hörensagen», sagt ein Chauffeur auf der Linie 1, der seit 21 Jahren als Busfahrer tätig ist. Ein anderer Chauffeur beobachtet bereits erste Veränderungen: «Das Rausfahren funktioniert besser als vorher. Ein Danke wird von den Autofahrern geschätzt.» Übrigens: Der «Danke-Knopf» kommt am Wochenende jeweils besonders oft zum Einsatz, wie ein weiterer Fahrer feststellt. Der Grund: Die Leute sind dann entspannter unterwegs und lassen dem Bus häufiger den Vortritt als während der Rush hour unter der Woche.

Der Bus hat Vortritt

In der Schweizerischen Verkehrsregel-Verordnung Art. 17 ist folgendes festgehalten: Solange ein Bus an einer Haltestelle am Strassenrand steht, darf man ihn vorsichtig überholen. Sobald der Chauffeur aber den Richtungsblinker aktiviert, müssen die anderen Fahrzeuge hinter dem Bus warten, bis dieser auf die Fahrbahn eingeschwenkt ist. Allerdings darf der Chauffeur den Blinker nicht «prophylaktisch» betätigen, um beispielsweise für die spätere Wegfahrt freie Bahn zu haben. Der Blinker  darf erst aktiviert werden, wenn der Bus auch wirklich zur Weiterfahrt bereit ist.