Kommentar

VBL giessen mit Retourkutsche zusätzlich Öl ins Feuer

Mit ihren sofortigen Rücktritten schaffen die VBL-Verwaltungsräte einen unsäglichen Zustand. Mit mehr Gelassenheit hätten die Verkehrsbetriebe Luzern viel gewinnen können. Dafür ist es nun aber zu spät, findet unser Journalist Simon Mathis.

Simon Mathis
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Simon Mathis.

Simon Mathis.

Jetzt ist das Geschirr zwischen den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL) und dem Luzerner Stadtrat endgültig zerschlagen. Im Streit um rund 16 Millionen Franken Subventionsgelder, welche die VBL unrechtmässig vom Verkehrsverbund Luzern bezogen haben sollen, ist eine konstruktive Lösung definitiv nicht mehr möglich. Grund: In der Nacht auf gestern Freitag entschieden drei der fünf VBL-Verwaltungsräte kurzerhand, den Bettel hinzuschmeissen und sofort zurückzutreten. Damit überrumpeln sie die Stadt Luzern als Alleinaktionärin. Der Stadtrat ging bis anhin davon aus, dass der bereits beschlossene Übergang in einen neuen VR geordnet erfolgt. Jetzt muss Finanz­direktorin Franziska Bitzi Staub jedoch kurzfristig in die Bresche springen und als Quasi-Verwaltungsrätin und Ansprechperson für VBL-Direktor Norbert Schmassmann fungieren, der vorerst im Amt bleibt.

Mit ihren sofortigen Rücktritten schaffen die VBL-Verwaltungsräte einen unsäglichen Zustand: Sie giessen noch mehr Öl in ein Feuer, das bereits seit längerem brannte. Das ÖV- Unternehmen fühlt sich von seiner Eignerin alleingelassen. Und nun also lässt die VBL die Stadt Luzern allein. Wenn VR-Präsidentin Yvonne Hunkeler sagt, jetzt müsse halt der Stadtrat die Verantwortung übernehmen, kommt das einer Retourkutsche gleich.

Vom Verwaltungsrat dürfte man erwarten, dass er bei seinem Abgang eine reibungslose «Transition of Power» ermöglicht und keine verbrannte Erde zurücklässt. Es ist unverständlich, weshalb der Verwaltungsrat diesen Übergangsprozess zum Wohle der VBL nicht mitmachen kann oder will.

Natürlich, noch immer sind nicht alle Fragen geklärt. Noch immer muss man sich vor voreiligen Schuldzuweisungen hüten. Der Stadtrat ist in seiner Haltung hart, aber in seinem Ton sachlich geblieben. Zudem ist der jetzt vorliegende Untersuchungsbericht, auf den sich die Exekutive beruft, gar nicht so vernichtend, wie man hätte annehmen können. Er sieht zwar die VBL in der Verantwortung, spricht aber auch Fehler der anderen Beteiligten klar an. Die VBL hätten viel gewinnen können, wenn sie von Anfang an gefasster auf die ganze Angelegenheit reagiert hätten. Dafür ist es nun zu spät. Leider.