VBL: Wenn Busse in die Irre fahren

Dass Busse den falschen Weg nehmen, kommt hin und wieder vor. Bei Zügen ist das unmöglich, doch auch hier gibt es kuriose Situationen.

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Fährt ein Chauffeur falsch, muss er dies bei der VBL-Leitstelle melden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Fährt ein Chauffeur falsch, muss er dies bei der VBL-Leitstelle melden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Stefan Dähler

Manchmal wird aus einer Busfahrt unverhofft eine Stadtbesichtigung. Nachdem unsere Zeitung über einen VBL-Bus berichtete, der falsch gefahren war (Ausgabe vom 31. Dezember), meldeten sich Leser bei der Redaktion, die Ähnliches erlebt hatten. «Ein 19er-Chauffeur glaubte, er fahre den 18er und bog gleich beim Bahnhof links ab», schreibt eine Leserin. Der Chauffeur bemerkte den Fehler, als er schon auf der Pilatusstrasse war, bog rechts in die Seidenhofstrasse ab und erreichte via Bahnhofstrasse doch noch die Seebrücke. Ein anderer Leser berichtet von einem 20er-Bus, der bei der Haltestelle Eichhof nicht nach Horw abbog. Auch hier reagierte der Chauffeur schnell. «Dieser als kleine Quartierrundfahrt wahrgenommene Umweg amüsierte die Busfahrenden», und der Chauffeur habe «gute Ortskenntnisse» bewiesen.

Chauffeure wechseln die Linien

Wie oft sich ein Bus verfährt, ist nicht bekannt. «Wir führen keine Statistik. Es kommt ab und zu vor. Solange die Sicherheit nicht gefährdet ist, machen wir keine grosse Sache daraus», sagt VBL-Sprecher Christian Bertschi. Die Chauffeure fahren am selben Tag jeweils auf verschiedenen Linien. Ein Fehler könne passieren, wenn jemand am Nachmittag auf einer Linie unterwegs ist, die ähnlich ist wie jene vom Vormittag. Bertschi nennt wie der Leser ein Beispiel von einem Chauffeur der Linie 20, der auf der Höhe Eichhof vergass, nach Horw abzubiegen. «Am Vormittag war der Chauffeur noch mit dem 1er unterwegs.» Dieser fährt dort geradeaus nach Kriens.

Verfährt sich ein VBL-Chauffeur, muss er dies bei der VBL-Leitstelle melden. «Unsere Verkehrsdisponenten können helfen, den richtigen Weg zu finden und den Chauffeur beruhigen, da solche Situationen unangenehm sein können.» Konsequenzen drohen den Chauffeuren in der Regel keine. Übrigens kann sich auch ein Trolleybus verfahren. «Wenn sich die Fahrleitungen verzweigen, müssen die Chauffeure per Knopfdruck zuvor die Weichen stellen.» Geschieht hier ein Fehler, biegt der Bus in die falsche Richtung ab. In solchen Fällen kann der Chauffeur den Hilfsmotor aktivieren, um zurück auf die richtige Strecke zu gelangen.

Zug fährt an Bahnhof vorbei

Kommen solche Zwischenfälle auch im Bahnverkehr vor? «Dass sich ein Zug verfährt, ist eigentlich unmöglich», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. «Der Schienenverkehr ist im Normalfall komplett computergesteuert und -überwacht. Falls eine Weiche falsch gestellt oder ein Gleis unplanmässig besetzt ist, schalten sämtliche Signale sofort auf Rot.» Bei grösseren Verspätungen komme es aber teilweise vor, dass man Züge sozusagen manuell leiten muss. Auch dann seien Fehler «extrem selten». In den letzten sieben Jahren ist Pallecchi ein einziger Fall mit Güterwaggons auf einem Rangierbahnhof bekannt.

Eher möglich sei, dass ein Zug an einem Bahnhof nicht hält. «Statistisch passiert das jedem Lokführer einmal in seinem Leben.» Ist die Strecke frei, stehen die Signale auf grün, auch vor dem Bahnhof. «Die Lokführer wissen selber, wo sie halten müssen.» Vor etwa einem Jahr sei ein Zug in Aarau vorbeigefahren. Auch hier wurde dem Lokführer die Gewohnheit zum Verhängnis. «Er war am Vormittag auf der Strecke Bern–Zürich mit einem Zug ohne Halt unterwegs. Am Nachmittag lenkte er einen Zug auf derselben Strecke, der jedoch in Aarau hätte halten müssen. Er hatte offenbar noch den Plan vom Vormittag im Kopf.» Nach einem ausserplanmässigen Halt in Lenzburg wurden die Passagiere von einem entgegenkommenden Zug nach Aarau zurückgebracht. «Für die Fahrgäste war das zwar ärgerlich, aber nicht gefährlich.» Nach solch einem Malheur suche man das Gespräch mit dem Lokführer, Strafen gebe es in der Regel aber auch bei den SBB nicht. «Der Fehler ist dem Lokführer jeweils unangenehm genug.»