VELOFÖRDERUNG: Teure Velopumpen sind ein Flop

Vor kurzem hat die Stadt Luzern elf Pumpstationen aufgestellt. Kostenpunkt pro Stück: 1500 Franken. Jetzt zeigt sich: Sie sind praktisch unbrauchbar.

Robert Knobel
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Eine der Velo-Pumpstationen befindet sich beim Hallenbad Luzern auf der Luzerner Allmend. (Bild: pd)

Eine der Velo-Pumpstationen befindet sich beim Hallenbad Luzern auf der Luzerner Allmend. (Bild: pd)

Die Stadt Luzern will den Veloverkehr fördern. Für Bauprojekte, die das Velofahren in Luzern etwas weniger lebensgefährlich machen würden, fehlt allerdings das Geld. Um dennoch nicht untätig zu bleiben, hat die Stadt im vergangenen Sommer insgesamt elf fixe Velo-Pumpstationen eingerichtet. Wobei auch diese Massnahme nicht ganz gratis war: 1500 Franken pro Stück kosteten die Pumpen, was unter anderem von der städtischen FDP heftig kritisiert wurde.

Schläuche sind zu kurz

Jetzt zeigt sich, dass die Kritik nicht unberechtigt war. Denn die meisten Pumpen funktionieren schlecht oder gar nicht. Das Problem beginnt bereits bei der Länge des Schlauches: Die Schläuche sind jeweils in rund 1 Meter Höhe angebracht, reichen aber nicht bis zum Boden. Das hat zur Folge, dass das Velorad so gedreht werden muss, dass das Ventil nach unten zeigt. Die Schläuche verfügen zwar über eine Klemmvorrichtung und sollten selber am Ventil halten – was aber meist nur in der Theorie funktioniert.

«Ich habe die Pumpe beim Hallenbad ausprobiert. Doch die Klemme war zu schwach. Dann versuchte ich es an zwei anderen Standorten – und dort funktionierten die Pumpen gar nicht», sagt Marius Graber. Der Veloexperte und Velojournalist testet im Auftrag des Verbands Pro Velo Luzern sämtliche neu installierten Pumpstationen der Stadt. Der Test sei noch nicht abgeschlossen, sagt Marius Graber und fügt hinzu: «Noch suche ich nach einer Pumpe, die funktioniert.» Mehrere Benutzer berichten auch von einer rostigen Brühe, die bei Regenwetter anstelle von Luft aus dem Schlauch trieft.

Und selbst wenn eine Pumpe richtig funktioniert, ist zünftig Muskelkraft gefragt, um den Pumphebel zu betätigen. «Am einfachsten gehts, wenn man zu zweit ist», meint Nico van der Heiden, SP-Grossstadtrat und Co-Präsident von Pro Velo.

Wasser dringt von oben ein

Bei der Stadt hat man Kenntnis von den Problemen. «Offenbar kann Wasser von oben in die Pumpen eindringen», sagt Martin Urwyler vom Tiefbauamt. Man sei daran, Lösungen zu suchen, um die Pumpen besser abzudichten. War die Stadt bei der Anschaffung der Velopumpen womöglich etwas blauäugig? Martin Urwyler sagt, dass die Pumpen vom Tiefbauamt der Stadt Zürich entwickelt worden sind.

Auch in Zürich stehen seit vergangenem Sommer 22 Pumpstationen. Ein Teil davon sind Druckluftpumpen wie an den Tankstellen, mehrheitlich handelt es sich aber um denselben Typ Handpumpe wie in Luzern. Eine Umfrage des Zürcher «Tages-Anzeigers» zeigte im Sommer, dass die Velofahrer grundsätzlich damit zufrieden sind – allerdings wurden auch in Zürich die zu kurzen Schläuche kritisiert. Zudem passten die Pumpen nicht auf alle Ventile, und die Betätigung der Handpumpen war anstrengend und erforderte viel Kraft.

Vandalen beschädigten Pumpen

Was die kurzen Schläuche betrifft, wurden die Luzerner Pumpen ganz bewusst so ausgestattet, erklärt Martin Urwyler: «Die Schlauchlänge ist so gewählt, damit das Ventil nicht den Boden berührt und durch Verschmutzung oder Aufprall auf dem Boden zerstört wird.» Trotz einer «sehr robusten Materialwahl» seien nämlich auch schon Velopumpen durch Vandalismus beschädigt worden.