Velobahnnetz mit mindestens 20 Kilometern gefordert – Pro Velo Luzern lanciert Initiative

Damit Velofahrer in der Stadt Luzern künftig sicherer, komfortabler und flüssiger vorwärtskommen, lanciert Pro Velo eine Volksinitiative. Das Velobahnnetz soll innert zehn Jahren realisiert werden.

Roman Hodel
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Das Freigleis zwischen dem Luzerner Neubad und Kriens-Mattenhof ist der wahr gewordene Traum jedes Velofahrers: Über zwei Kilometer radelt man hier fernab vom Autoverkehr sicher und komfortabel in die oder aus der Stadt:

Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. Mai 2017)

Seit Anfang Juli ist die gesamte Strecke geöffnet (wir berichteten). Davon hätte Pro Velo Luzern gerne mehr. Die Organisation lanciert deshalb nach den Sommerferien eine Volksinitiative. Darin fordert sie gemäss einer Medienmitteilung vom Mittwoch in der Stadt Luzern ein Netz aus Velobahnen, das zehn Jahre nach Annahme der Initiative mindestens 20 Kilometer lang sein soll.

Das sind laut Pro Velo die Eigenschaften von Velobahnen:

  • Sie sind komfortabel und sicher dank hoher Qualität hinsichtlich Breite, Belag, Kurvenradien und Sichtverhältnisse.
  • Sie ermöglichen problemlose Überhol- und Kreuzungsmanöver, auch mit Anhängern.
  • Sie weisen eine minimale Breite von zwei Metern in jeder Fahrtrichtung auf.
  • Sie sind vortrittsberechtigt, sodass sie mit wenigen Stopps befahren werden können.
  • Sie ermöglichen auch über grössere Entfernungen ein flüssiges und komfortables Vorwärtskommen.

Wie Korintha Bärtsch, Co-Präsidentin von Pro Velo Luzern und Grüne-Kantonsrätin, auf Anfrage ergänzt, sollen die Velobahnen sternförmig von den Aussenquartieren ins Stadtzentrum führen. Zusätzlich seien aber auch tangentiale Velobahnen nötig. «Der Stadtrat betont zwar bei jeder Gelegenheit, wie wichtig für ihn Veloförderung ist, doch leider sind Taten nur an wenigen Orten erkennbar», sagt sie und erwähnt als positives Beispiel die Verbindung vom Naturmuseum zum Xylophonweg Richtung Emmen, «die nach Jahren endlich umgesetzt wurde». Oder natürlich das Freigleis, «eine Supergelegenheit, die sich auf dem ehemaligen Trassee der Zentralbahn bot». Dabei habe das Velo als Fortbewegungsmittel «ein Riesenpotenzial», gerade in der E-Bike-Variante.

Der Zeitpunkt für die Initiative kommt nicht von ungefähr: Gerade während des Corona-Lockdowns erlebte das Velo einen Boom. Das zeigten die Messstationen an wichtigen Veloachsen oder auch die Verkaufszahlen bei den Velohändlern. Allerdings: Velofahrer ist nicht gleich Velofahrer. Die einen sind auf dem Weg zur Arbeit und haben es entsprechend eilig, andere hingegen fahren gemütlich. Pro-Velo-Geschäftsführerin Barbara Irniger wird in der Mitteilung zitiert:

«Wir hören immer wieder Klagen von Velofahrenden. Die Schnellen fühlen sich von Langsameren behindert, Langsame von Schnellen bedrängt.»

Deshalb brauche es künftig genügend breite und sichere Velobahnen. Nun gibt es in Luzern mit dem erwähnten Freigleis oder auch mit dem Xylophonweg entlang der Reuss bereits erste Veloachsen abseits des Autoverkehrs und erst vor wenigen Tagen hat der Bund grünes Licht gegeben für die Velostrasse auf der Taubenhaus- und Bruchstrasse (wir berichteten):

Bild: Dominik Wunderli (13. Juli 2020)

«Das sind zwar löbliche erste Schritte», sagt Korintha Bärtsch, «aber leider fehlt der Zusammenhang.» Wer etwa auf dem Freigleis stadteinwärts fahre, müsse sich ab Neubad durch den Stadtverkehr kämpfen, unter anderem über den für Velofahrende gefährlichen Bundesplatz.

Nur: Wohin mit den Velobahnen in der eng bebauten Stadt Luzern? «Es braucht einen kreativen Ansatz auf bestehenden Strassen», sagt Bärtsch. Als Beispiel nennt sie die Zürichstrasse. «Mir ist klar, dass diese nicht für den Autoverkehr gesperrt werden kann, doch man könnte die parallel dazu verlaufende Fluhmattstrasse zur Velobahn erklären», sagt sie und betont, dass die Autozufahrt für Anwohner möglich bliebe. Bärtsch:

«Wichtig ist in jedem Fall ein einfaches Einfädeln von solchen Velobahnen in die Hauptachsen, denn ohne Anschlüsse macht das Ganze keinen Sinn.»

Pro Velo wird die Initiative in wenigen Tagen beim Stadtrat zur Vorprüfung einreichen, danach geht die Unterschriftensammlung los.