VERÄNDERUNG: Emmer Fasnacht findet ohne Zunftmeister statt

Die Zunft zur Emme verzichtet ab sofort auf die jährliche Wahl eines Zunftmeisters. Damit will sie mehr Nachwuchs anlocken.

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(Karikatur Jals/Neue LZ)

(Karikatur Jals/Neue LZ)

So funktionierts normalerweise: Am Zunftbot wird jedes Jahr ein neuer Zunftmeister gewählt. Dieser ist der Herr über die nächste Fasnacht und bestimmt das Motto der närrischen Tage. So war es auch die letzten 25 Jahre in Emmen bei der Zunft zur Emme.

Nur 21 Mitglieder
Jörg Looser, der noch amtierende Zunftmeister, wird der letzte sein, berichtet die Wochenzeitung «Region». Denn die Zunft zur Emme schlägt einen neuen Weg ein: Ein Zunftmeister wird mangels Interessenten nicht mehr gewählt. Zunftpräsident Markus Lüchinger sagt zwar: «Vier Personen hätten wir noch in Reserve gehabt, doch danach wärs schwierig geworden.» 21 Mitglieder zählt die Zunft zur Emme derzeit, eingerechnet sind drei Neuaufnahmen, die dank dem neuen Konzept in die Zunft eingetreten sind.

Viele potenzielle Zünftler hätten sich vom Amt des Zunftmeisters abschrecken lassen, sagt Markus Lüchinger. Denn das Amt bringt nicht nur Würde, sondern auch Bürde. Besonders der finanzielle Aspekt ist ein Punkt, der viele vom Zunftmeisteramt abhält. 10'000 bis 20'000 Franken, so viel musste man als Zunftmeister der Zunft zur Emme aufwenden, für die Inthronisationsfeier, den Zunftbot und andere Anlässe, aber auch für die Bescherungen in Alters- und Kinderheimen. Die Geschenkfahrten soll es aber weiterhin geben, neu bezahlt aus der Zunftkasse.

Viele repräsentative Aufgaben, die der Zunftmeister bis anhin zu absolvieren hatte, übernimmt der Zunftpräsident oder er delegiert sie an die Mitglieder. «Die mangelnde Zeit ist sicher auch ein Faktor, dass man sich in der Zunft nicht engagieren will. Dass wir die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen, kommt gerade bei jüngeren Fasnächtlern gut an», hat Markus Lüchinger festgestellt. Er selbst war im Jahr 2003 Zunftmeister.

Kameradschaft, Wohltätigkeit
Die Zunft zur Emme sieht sich im Übrigen nicht als reine Fasnachtsgesellschaft. «Wir wollen die Kameradschaft und die Wohltätigkeit pflegen», heisst es bei der Zunft. Dazu gehören gemäss Lüchinger auch Ausflüge, ein Familienpicknick oder die Samichlausfeier.

Christian Bertschi/Neue LZ