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VERBOT: Beliebtes Nischenprodukt verschwindet aus Verkaufsregal

Tabakbeutel, die in den Mund gelegt werden, haben treue Anhänger. Jetzt verbannen Bund und Kanton «Snus» aus dem Regal – zum Ärger der Verkäufer.
Noah Knüsel
Edwin Suter in seinem Kiosk an der Luzerner Klosterstrasse: Er hat bisher regelmässig Snus verkauft. (Bild Pius Amrein)

Edwin Suter in seinem Kiosk an der Luzerner Klosterstrasse: Er hat bisher regelmässig Snus verkauft. (Bild Pius Amrein)

Es ist zwar ein Nischenprodukt, aber ein beliebtes: Der schwedische Mundtabak, genannt Snus. Dabei wird der Tabak in durchlässige Beutel abgefüllt und diese hinter die Oberlippe gelegt. Das Nikotin gelangt über das Zahnfleisch ins Blut. Es sind jedoch nicht alle von dem Trend begeistert, vor allem das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nicht. Am 23. August veröffentlichte das BAG eine Weisung, die den Verkauf von Snus in der Schweiz nun komplett verbietet. Ein entsprechendes Gesetz galt zwar schon seit 1995, aber durch eine Gesetzeslücke blieb der Verkauf des Tabakprodukts weiterhin möglich (siehe Kasten rechts).

«Ein kleiner Nebenverdienst»

Wir haben uns bei einigen Kiosken und Tabakgeschäften in der Stadt Luzern umgehört – die Reaktionen fielen äusserst unterschiedlich aus. Für Edwin Suter, der den Kiosk Edwin an der Klosterstrasse betreibt, ist das Verbot nicht in Ordnung. «Zwei Jahre liess man das vor sich hinplätschern, und jetzt ist Knall auf Fall fertig.» Seiner Meinung nach wird zu schnell zu viel verboten. Altersbeschränkungen seien okay, aber darüber hinaus sei doch jeder selbst für seinen Konsum verantwortlich. Finanziell stellt der Verkaufsstopp für ihn jedoch keine einschneidende Massnahme dar. Suter sagt: «Es war ein kleiner Nebenverdienst, eine gute Nische. Zwar kein Riesending, aber es kam schon etwas zusammen.»

Etwas verhaltener klingt Hanspeter Kehl, der an der Haldenstrasse Tabakwaren verkauft. Erst am vergangenen Dienstagmorgen sei der Vertreter der Firma, von der er den Snus jeweils beziehe, da gewesen. Im Moment sei alles noch ziemlich konfus, da die kantonalen Gesundheitsbehörden die Weisung des Bundes individuell durchsetzen müssten. Selbst der Importeur habe nicht hundertprozentig sagen können, wie es nun weitergehe.

Auch der Paulus-Kiosk und der Posito Shop an der Bundesstrasse zeigten sich auf Anfrage unserer Zeitung wenig beeindruckt. Das Verbot mache ihnen nicht viel aus, da sie sowieso nur kleine Mengen an Snus verkauften.

Alternative zu Zigaretten

Die Valora Holding AG, Inhaberin der K-Kioske in und um Luzern, gibt sich abwartend. Mediensprecher Mladen Tomic: «Die Überraschung über die Beschneidung eines etablierten Marktes und Kundenbedürfnisses ist da.» Vor allem junge Leute mit knappem Budget würden anstatt herkömmliche Zigaretten eher Tabak zum Selberdrehen oder eben Snus kaufen. Das Verbot gehe in Richtung Bevormundung des Konsumenten. Vorderhand würden die Produkte aber weiter verkauft, bis kantonale Weisungen vorlägen.

Im Kanton Luzern ist die Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz für den Vollzug des Gesetzes zuständig. Kantonschemiker Silvio Arpagaus sagt auf Anfrage, die Weisung sei «umgehend umzusetzen». Das heisst: Auch allfällige Lagerbestände dürfen nicht mehr verkauft werden. Man könne diese aber im Rahmen einer rechtmässigen Verwertung zum Beispiel reexportieren. Laut Arpagaus werde die Weisung im Rahmen der normalen Kontrolltätigkeit umgesetzt: «Das Verbot werden wir auf verwaltungsrechtlichem Weg durchsetzen und bei Bedarf Strafanzeige einreichen.»

Im Eishockey verbreitet

Salonfähig geworden ist Snus unter anderem durch das Eishockey. Unter den Spielern ist das Tabakprodukt durchaus verbreitet. EVZ-Sportchef Reto Kläy sagt dazu: «Obwohl es nicht dasselbe ist wie rauchen, enthält es dennoch Nikotin und steht auf der gleichen Stufe wie Zigaretten und Alkohol.» Man betreibe zusammen mit dem Verband Aufklärung für die jungen Spieler. Grundsätzlich gelte: keine Toleranz, weder für Snus noch für andere Suchtmittel. Natürlich könne man aber nicht alles kontrollieren. Kläy: «Das Verbot wird wahrscheinlich nicht viel ändern. Wer will, wird es trotzdem konsumieren.» Man müsse die Spieler aber damit konfrontieren, dass das im Prinzip nicht mit einer Sportlerkarriere vereinbar ist. Kläy: «Ich habe selber schon mal Snus konsumiert, würde aber jedem Spieler grundsätzlich davon abraten.»

Vor allem unter 35-Jährige

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie viele Menschen den Mundtabak konsumieren und ob tatsächlich vor allem junge Leute dabei sind. Die Fachstelle Sucht Schweiz kann konkrete Zahlen liefern. Demnach wird Snus hauptsächlich von unter 35-Jährigen konsumiert. Der Anteil bei 20- bis 24-Jährigen war im Jahr 2014 mit 2,1 Prozent am höchsten. Bei 15- bis 19-Jährigen und 25- bis 34-Jährigen liegt er bei ungefähr 1 Prozent. Zum Vergleich: Im selben Jahr lag bei den 20- bis 24-Jährigen der Anteil der Raucher bei 33 Prozent.

Gesetzeslücke geschlossen

Tabaknk. Seit 1995 ist der Verkauf von Tabak zum oralen Gebrauch in der Schweiz verboten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bezeichnet diesen als Snus, Snuff (amerikanische Bezeichnung) oder Mundtabak. Verboten sind laut Gesetzestext «Erzeugnisse in Form eines Pulvers oder eines feinkörnigen Granulats (...), insbesondere in Portionenbeuteln oder porösen Beuteln oder in anderer Form». Ausgenommen von dieser Bestimmung sind Tabakerzeugnisse zum Rauchen oder Kauen. Die Produzenten konnten dieser Vorschrift bisher ein Schnippchen schlagen: Snus wurde fein geschnitten und als Kautabak verkauft. Dem schiebt die neue Weisung nun einen Riegel. Es heisst als Ergänzung: «Mit Pulver oder feinkörnigem Granulat ist fein geschnittener oder gemahlener Tabak im unteren Millimeterbereich oder kleiner gemeint.» Als Grund nennt das BAG vor allem den Jugendschutz.

Noah Knüsel

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