Regio-Express hält künftig in Rothenburg Station – zum Ärger der Gemeinde Emmen

Der Verbundrat des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) hat entschieden, dass die Haltestelle Rothenburg Station und nicht Dorf mit dem Fahrplan 2021 eine zusätzliche Verbindung erhält. 

Stefan Dähler
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Die Haltestelle Rothenburg Station erhält eine Direktverbindung nach Olten.

Die Haltestelle Rothenburg Station erhält eine Direktverbindung nach Olten. 

Bild: Boris Bürgisser (26. März 2020)

Der Widerstand aus Emmen war nicht erfolgreich: Der Verbundrat des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) hat entschieden, dass der Regio-Express zwischen Olten und Luzern per Fahrplan 2021 einen zusätzlichen Halt in Rothenburg Station einlegt. Eine Option war auch ein Halt am Bahnhof Rothenburg Dorf, der auf Emmer Boden liegt und von der Gemeinde Emmen favorisiert worden ist.

Das Gebiet in Rothenburg Station entwickle sich stark, zudem sei ein Neubau des Bahnhofs und des Bushubs geplant, teilt der VVL mit. Ein Halt an beiden Standorten wäre nicht möglich, weil die Einfahrtskapazität am Bahnhof Luzern ausgereizt sei und die Anschlüsse bei verschiedenen Verbindungen nicht mehr eingehalten werden könnten. Der eine zusätzliche Halt sei nur umsetzbar, weil der Zug künftig in Aarburg-Oftringen nicht mehr stoppt.

In Rothenburg Dorf steigen mehr Leute ein

Der Entscheid sei definitiv, sagt VVL-Mediensprecher Romeo Degiacomi. Eine Einsprachemöglichkeit bestehe nicht und die Mitwirkungsverfahren wurden bereits durchgeführt. Der Verbundrat habe es sich nicht leicht gemacht. «Es gibt für beide Standorte gute Argumente.» So treffe es zu, dass in Rothenburg Dorf mehr Leute einsteigen als in Station. Im Jahr 2018 waren es in Dorf rund 1600 pro Werktag, in Station 1400.

Das Wachstum sei in Station aber deutlich stärker, in den letzten zehn Jahren haben die Passagierzahlen um über 500 Prozent zugenommen, in Dorf war es ein Plus von 79 Prozent. «Ausschlaggebend war weiter, dass die Busverbindungen ab Rothenburg Dorf mit einem Viertelstundentakt in Richtung Luzern besser sind als ab Station, wo ein Halbstundentakt besteht», sagt Degiacomi.

Erfolg der Haltestelle wird überprüft

Ein Ziel sei auch, die Leute, die in den Firmen rund um Rothenburg Station arbeiten, zum Umsteigen auf den ÖV zu motivieren. Um das zu überprüfen, ist während drei bis vier Jahren ein Monitoring geplant, so Degiacomi. Sollte der erwünschte Effekt nicht erreicht werden, müsse man den Halt in Rothenburg Station neu beurteilen, schreibt der VVL.

Mehrere Vorstösse und eine Petition

Dem Entscheid gingen lange Diskussionen voraus. In der Vernehmlassung sprachen sich die Gemeinde Rothenburg und der Kanton Luzern für einen Halt in Station aus, die Gemeinde Emmen wie eingangs erwähnt für Dorf. Letzten Sommer gab der VVL bekannt, dass er den Halt in Station befürwortet. Danach kam es in Emmen zu mehreren politischen Vorstössen sowie einer Petition, auch der Gemeinderat wandte sich an den VVL. Die Argumente: Die bauliche Entwicklung in Rothenburg Station werde erst 2040 abgeschlossen sein. In Dorf ist das Passagieraufkommen höher. Zudem sei zu erwarten, dass die dorthin verkehrenden Busse aufgrund der Baustellen für die Projekte Bypass und Autobahnanschluss Emmen Nord im Stau stehen werden.

Dazu sagt Degiacomi: «Wir sind uns bewusst, dass es Einschränkungen geben wird. Wir erarbeiten darum derzeit gemeinsam mit dem Bund und dem Kanton Busbevorzugungs-Massnahmen, damit der ÖV trotzdem gut vorankommt.»

Ärger in Emmen

Der Emmer CVP-Einwohnerrat Christian Meister, der mit weiteren Personen die Petition für den Halt in Rothenburg Dorf initiiert hat, sagt:

«Wir sind vom Entscheid des VVL konsterniert. Es geht gar nicht um den besten Nutzen für die Fahrgäste, sondern offenbar darum, den neuen Bahnhof besser auszulasten.»

Dass die Zugverbindungen ab Dorf trotz grösserer Nachfrage nicht ausgebaut werden, stösst bei ihm auf Unverständnis. «Wir werden nun prüfen, ob es allenfalls noch eine Möglichkeit gibt, sich gegen den Entscheid zu wehren.»

Der Emmer Gemeinderat nimmt diesen «mit Enttäuschung zur Kenntnis», sagt Baudirektor Josef Schmidli (CVP) in einer ersten Stellungnahme. Man werde das nun analysieren und behalte sich allenfalls weitere Schritte vor.

Freude in Rothenburg

Bei der Gemeinde Rothenburg ist man dagegen erfreut. Geschäftsführer Philipp Rölli sagt: «Mit Blick auf die Entwicklung in Rothenburg Station ist das der richtige Entscheid.» Er betont, dass die Gemeinde nicht gegen einen Halt in Rothenburg Dorf ist. «Am liebsten wäre uns, wenn der Regio-Express an beiden Orten hält, das ist aber leider nicht möglich.» Der Kritik, dass die Entwicklung in Rothenburg Station erst 2040 abgeschlossen sein wird, entgegnet Rölli:

«Der Prozess läuft bereits. Seit der Eröffnung des Autobahnanschlusses 2011 hat sich das Gebiet schon enorm entwickelt.»

So seien etwa Firmen wie Ikea, Frey + Cie, Glas Reinhard oder Opacc dorthin gezogen, weiter plant der Kanton bis 2028 ein neues Sicherheitszentrum. «Auch aus überregionaler Sicht ist Rothenburg Station ein bedeutender Umsteigeknoten.» Etwa aus der Richtung Ruswil-Buttisholz (Rottal) oder Neuenkirch. «Zudem ist der Regio-Express-Halt auch ein entscheidendes Element beim aktuellen Grossprojekt ‹Umbau Bahnhof Rothenburg Station›, welches durch SBB, Kanton und Gemeinde vorangetrieben wird», so Rölli.

Rückzahlung der VBL-Subventionen wird aufgeteilt

(ml) Der Verbundrat des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) bekräftigt seine Forderungen im Zusammenhang mit den zu hohen Subventionszahlungen an die VBL, wie er mitteilt. So sollen die VBL rund 16 Millionen Franken an den VVL zurückzahlen. Das Geld soll je zur Hälfte an den Kanton und an die Luzerner Gemeinden weitergeleitet werden. Weiter verlangt der VVL von den VBL eine Änderung der Holdingstruktur sowie die Umstellung des Rechnungslegungsmodells auf Swiss GAP FER.

Die Höhe der zu viel bezahlten Subventionen werde aktuell zusammen mit dem Bundesamt für Verkehr bereinigt und die entsprechende Vereinbarung für die Rückzahlungsmodalitäten erarbeitet. Die Vereinbarung werde vorgängig auch der kantonalen Finanzkontrolle zur Prüfung vorgelegt. 

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