Verein Lisa: Kämpferin für Prostituierte geht

Der Verein Lisa kümmert sich in der Stadt Luzern um bessere Arbeitsbedingungen von Prostituierten. Doch nun verliert er mit Yvonne Schärli-Gerig eine wichtige Fürsprecherin. Meinungsverschiedenheiten führten zur Trennung.

Sandra Monika Ziegler
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Yvonne Schärli im Hotspot Container, der beim Strassenstrich im Industriequartier Ibach steht. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 7. Februar 2017)

Yvonne Schärli im Hotspot Container, der beim Strassenstrich im Industriequartier Ibach steht. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 7. Februar 2017)

Der Verein Lisa setzt sich für die Interessen der Sexarbeiterinnen ein. Als erste Präsidentin amtete die SP-Kantonsrätin Ylfete Fanaj. Ab 2015 konnte die Alt-Regierungsrätin und ehemalige Luzerner Justizdirektorin Yvonne Schärli-Gerig (SP) für das Ehrenamt gewonnen werden.

Yvonne Schärli war dank Ihrem privaten wie politisch gut ausgebauten Netzwerk die ideale Besetzung, um dem Verein die nötigen finanziellen Mittel für die Finanzierung des Beratungscontainers einzubringen. Bereits im vergangenen August hat Yvonne Schärli das Präsidium aufgegeben.

Medien wurden nicht informiert

Dazu ist auf der Lisa-Vereinswebseite zu lesen: «Yvonne Schärli ist per sofort als Präsidentin des Vereins Lisa zurückgetreten. Grund dafür sind Meinungsverschiedenheiten im Vorstand. Sie betreffen vorwiegend das Führungsverständnis und die Zusammenarbeit.» 

Warum wurde der Rücktritt nicht publik gemacht? Vorstandsmitglied Christian Vogt sagt dazu: «Wir haben die Mitglieder und Partner wie etwa den Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung (ZiSG) darüber informiert. Und auf unserer Webseite die Meldung aufgeschaltet.» Die Medien über den Rücktritt zu informieren sei aus ihrer Sicht nicht nötig gewesen. Weiter ins Detail wollte Vogt aber nicht.

Sollte der Abgang unter den Tisch gekehrt werden? Denn als Yvonne Schärli-Gerig das Amt antrat wurde die Presse ausführlich informiert. Ohne Zweifel war das Polit-Profi Schärlis eine wertvolle Türöffnerin für den Verein. So setzte sie sich mit ihrem politischen Background und ihrer Professionalität äusserst erfolgreich für das Fundraising, die gesellschaftliche Enttabuisierung und die gesellschaftliche Anerkennung der Prostituierten ein.

Professionalisierung als Knackpunkt

Sie war es auch, die die Aufnahme in den Zweckverband ZiSG voran trieb und so auch die künftige finanzielle Unterstützung durch den Verband sicherte. Warum also der Schlussstrich? Schärli hat in einem Rücktrittsschreiben detailliert über ihren Entscheid informiert.

Daraus ist zu entnehmen, das für die Alt-Regierungsrätin nach den Jahren der Pionierphase, nun die Stärkung der Professionalität steht. «Wir – das heisst ich und die Allianz von Vorstand und Geschäftsleitung – waren uns uneins über die Ziele der Professionalisierung. Es blieb nur die Trennung», so Schärli. Als Mitglied bleibt sie dem Verein erhalten.

Für die Nachfolge haben sich Vereins-Vizepräsidentin Iris Heydrich und die ehemalige Grüne Grossstadträtin Katharina Hubacher zur Verfügung gestellt. Sie stellen sich an der Vereins-Versammlung vom 9. Mai für ein Co-Präsidium zur Wahl. Aktuell sind im Verein 77 Einzel- und 5 Kollektivmitglieder eingetragen.

«Dass es eine Frau beziehungsweise jetzt zwei Frauen in einem Co-Präsidium sein könnten, ist gewollt»,sagt Christian Vogt. Doch für den bereits länger angemeldeten Rücktritt von Vorstandsmitglied Anita Schmidlin, suche man mit Vorliebe und aus Gründen der Ausgeglichenheit einen männlichen Nachfolger, so Vogt.