Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VEREIN: Pensionierte setzen sich für Junge ein

Innovage nutzt die Erfahrung Pensionierter. Diese begleiten Projekte von einer Demenzstrategie bis hin zu Glücksmomenten.
Roseline Troxler
Tony Zwyssig im Gespräch mit Anna Balbi (links) und Ramona Schneider an der Innovage-Jahrestagung gestern im Neubad Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Tony Zwyssig im Gespräch mit Anna Balbi (links) und Ramona Schneider an der Innovage-Jahrestagung gestern im Neubad Luzern. (Bild Philipp Schmidli)

Roseline Troxler

«Geburtshelferdienste betreiben», nennt Innovage-Mitglied Dagmar Böhler (69) das, was der gleichnamige Verein tut. «Unsere Aufgabe ist es nicht, Projekte umzusetzen und daran zu arbeiten, ­sondern zu beraten und zu begleiten.» Innovage ist ein schweizweiter Verein von pensionierten oder kurz vor der Pensionierung stehenden Führungs- und Fachleuten aus der Wirtschaft, Verwaltung, Bildung, Beratung sowie der Medien (siehe Box). Seit der Gründung vor acht Jahren haben Mitglieder des Netzwerks Zentralschweiz viele Start-up, Vereine, Verbände oder die öffentliche Hand beraten – unentgeltlich. «Bei Innovage geht es aber nicht um die Vermittlung bestehender Angebote von Freiwilligenarbeit», erklärt die ehemalige Surseer Stadträtin Ruth Balmer (63), die das Netzwerk Zentralschweiz präsidiert.

Ziel: Mehr eigene Projekte initiieren

Die Bandbreite der Projekte, die Innovage begleitet, ist gross. So half der Verein bei der Finanzierung und Standortsuche für die Zirkusschule Tortellini in Luzern. Beim Projekt «GenerActions» geben Senioren Anregungen und Rückmeldungen zu Projektideen von Jungen, und bei BaBel-Strings setzte sich Innovage für den Aufbau einer Musikschule für multikulturelle Kinder des Quartiers Basel-/Bernstrasse in der Stadt Luzern ein. Innovage unterstützt auch die Behörden: So führen Beratende des Vereins in Ob- und Nidwalden eine Befragung für die Umsetzung der Demenz-Strategie durch.

Neben dem Begleiten von Projekten von Non-Profit-Organisationen initiiert Innovage auch eigene. So hat der Verein eine «Meldestelle für Glücksmomente» ins Leben gerufen. «Zu Beginn gab es hier viel Skepsis aus den eigenen Reihen», erinnert sich Dagmar Böhler, die früher als heilpädagogische Früherzieherin gearbeitet hat. Mit dem Projekt will der Verein einen Gegenpol zu den schlechten Nachrichten bieten. Bei einer Aktion in Luzern haben über 220 Passanten ihren Glücksmoment für die Homepage www.gluecksmomente-teilen.ch aufgeschrieben. Nun geht das Projekt weiter. Böhler sagt: «Schüler besuchen im Ethikunterricht ein Altersheim und versuchen den Bewohnern Glücksmomente zu schenken.» Künftig will Innovage mehr eigene Projekte initiieren. Ruth Balmer erklärt: «Zunächst wollen wir unsere eigenen Kompetenzen besser bündeln und dann bestimmen, auf welche Themen wir setzen.»

Um bei Innovage mitzumachen, braucht es laut Toni Zwyssig (69), der dreissig Jahre beim Schweizer Fernsehen gearbeitet hat, vor allem Neugier. «Wer sich lieber erholt und auf den See hinausschaut, ist bei uns nicht richtig.» Anders als andere Vereine kennt Innovage keine Nachwuchssorgen. Rund zwanzig Mitglieder zwischen 63 und 80 Jahren zählt der Verein, der 2014 den Anerkennungspreis der Albert Koechlin Stiftung erhalten hat, in der Zentralschweiz.

«Wir lernen viel von den Jüngeren»

Trotz Fachwissen und vielen Führungserfahrungen, welche die Mitglieder mitbringen, betont Zwyssig: «Wir Pensionierten haben die Weisheit nicht mit dem Löffel gegessen. Ich habe grosse Mühe mit der teils gönnerhaften Attitüde gegenüber der jungen Generation.» Laut Zwyssig lernen die Mitglieder von Innovage bei der Beratung ebenso viel wie die Jungen. «Durch diese Arbeit müssen auch wir unsere Hirnzellen aktivieren.» Zwyssig sagt aber auch: «Als der Verein entstanden ist, lief die Zusammenarbeit untereinander nicht immer reibungslos. Denn wir Mitglieder waren alles Alphatiere, die früher teils viele Mitarbeiter geführt haben.» Mittlerweile habe sich eine gute Streitkultur entwickelt.

Auf die Fahne geschrieben hat sich Innovage die generationenübergreifende Zusammenarbeit. «Das Bild, das viele von den Pensionären haben, ist total veraltet. Wir Pensionierten haben aber auch viele Vorurteile gegenüber den Jungen», betont Dagmar Böhler. «Als ich für ein Projekt mit Jungen zusammengearbeitet habe, war ich zunächst überrascht, wie wenig wir für einen Anlass vorbereitet haben. Die Leere hat mich verunsichert. Doch der Anlass wurde ein Riesenerfolg. Es sind zwei Welten, und das ist toll so.» Ruth Balmer fügt an: «Es ist wichtig, dass wir die Arbeitsweise der Jüngeren nicht werten. Sie ist nicht schlechter, einfach anders.»

Digitaler Graben wandelt Beziehung

Der Generationenvertrag zwischen Alt und Jung wird laut den Innovage-Mitgliedern immer wieder in Frage gestellt. «Die Beziehung zwischen den Generationen verändert sich, jüngst vor allem durch den digitalen Graben und die steigende Geschwindigkeit von Entwicklungen», sagt Toni Zwyssig.

Um die Generationenbeziehung hat sich auch die gestrige Jahrestagung des Vereins im Neubad in Luzern gedreht. Jürg Krummenacher, Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, zeigte auf, dass durch die Generationenbeziehung alle gewinnen: Jung und Alt, die Gemeinden und die Gesellschaft. Krummenacher sagte jedoch: «Generationenbeziehungen sind nicht konfliktfrei, sondern immer auch eine Gratwanderung.» Die Tagung im Neubad beabsichtigte, die Generation der Mitglieder von Innovage bei einem Podium mit Vertretern der jungen Generation aufzurütteln.

So entstand Verein

Innovage ist ein Wortspiel aus «Innovation» und «age» (Alter). Das Projekt stammt aus den Federn der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern (HSA) sowie Migros Kulturprozent. Es wurde 2006 gegründet. Mittlerweile gibt es in allen Sprachregionen Netzwerke. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, gut qualifizierte Leute im Ruhestand für die Freiwilligenarbeit zu gewinnen. Seit 2006 hat Innovage schweizweit einige hundert Projekte begleitet. Voraussetzung, um mitzumachen, ist ein Alter ab 55 Jahren.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.