Vereine suchen für ehrenamtliche Arbeiten nach externen Lösungen

Seit etwas mehr als einem Jahr können sich Vereine bei Organisationsproblemen an die professionelle Geschäftsstelle für Vereine wenden. Nun macht auch ein Wolhuser Chor davon Gebrauch.

Matthias Stadler
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Auch für die Organisation eines Turnfests wie hier in Emmen braucht es viel ehrenamtliche Tätigkeit. Archivbild: Pius Amrein

Auch für die Organisation eines Turnfests wie hier in Emmen braucht es viel ehrenamtliche Tätigkeit. Archivbild: Pius Amrein

Das Problem ist landein, landaus bekannt. Vereine haben Mühe, genügend Mitglieder zu finden, die ehrenamtlich arbeiten. Der heutige von Individualismus geprägte Zeitgeist hilft den Vereinen wenig.

Dafür gibt es in unserer Region seit etwas mehr als einem Jahr eine externe Lösung. Vanessa Kunz bietet mit ihrer professionellen Geschäftsstelle für Vereine (PGFV) Dienstleistungen für Vereine an. Wenn ein Verein zum Beispiel auf Sponsorensuche für einen Anlass geht, kann dies an die 29-jährige Eventplanerin aus Willisau ausgelagert werden.

Für diesen Weg hat sich vor einigen Tagen auch der Chor Santa Lucia Wolhusen entschieden. Vorstandsmitglied René Wigger erklärt, dass der Chor zwei Konzerte im November plane. Die Sponsorensuche gestalte sich schwierig, da viele Chormitglieder nicht aus Wolhusen stammen. «Dies ist aber bei der Sponsorensuche beim lokalen Gewerbe ausschlaggebend.» Zusätzlich seien auch andere Wolhuser Vereine auf Sponsorengelder angewiesen. Deswegen käme man nur schwer zu genügend Mitteln. «Wir sind an eine Grenze gekommen. Also haben wir uns gesagt, dass es einen Versuch wert ist, mit der professionellen Geschäftsstelle für Vereine zusammenzuarbeiten.» Konkret heisst das, dass Vanessa Kunz nun für den Chor auf Sponsorensuche geht. Dies nicht gratis, aber zu einem «fairen Tarif», wie beide Seiten sagen.

«Grosses Bedürfnis» der Vereine

Der Fall des Wolhuser Chors ist ein klassisches Beispiel für die Aufträge, die Vanessa Kunz bis dato erhalten hat. Ihr grösster Auftrag war das Eis-Musical Shadow, das im Dezember in Zug stattfand, und für das sie mit verschiedenen Dienstleistungen wie Marketing und Grafik aushalf.

Vanessa Kunz, die auch sonst als selbstständige Unternehmerin im Event- und Marketingumfeld arbeitet, ist zufrieden mit dem Geschäftsverlauf: «Ich wende 10 bis 15 Prozent meiner beruflichen Tätigkeit für die professionelle Geschäftsstelle auf. Die Buchungen nehmen zu, 2018 habe ich mit gut fünf Organisationen zusammengearbeitet. Heuer werden es wohl sieben bis acht sein.»

Hie und da war Kritik am Geschäftsmodell der Eventplanerin zu vernehmen. Sie fördere mit ihrem Angebot ja gerade, dass die Ehrenamtlichkeit noch unpopulärer werde. Diesen Vorwurf kennt Vanessa Kunz: «Die Schwierigkeiten sind überall ähnlich, und es fehlt oft an Personen, die gewillt sind, auszuhelfen. Ich bin aber nicht selber auf die Idee gekommen, eine solche Anlaufstelle anzubieten.» Sie sei früher von verschiedenen Vereinen und Personen angefragt worden, ob sie nicht irgendwie helfen könne. Es sei ein Bedürfnis da gewesen.

Sie verstehe, dass ihr Angebot auch kritisch betrachtet werden könne. «Das ist nun einmal die Kehrseite. Ob ich mit der Geschäftsstelle die Ehrenamtlichkeit tatsächlich zusätzlich gefährde, kann ich nur schwierig beurteilen.» Sie fügt an, dass es jedem Verein freigestellt sei, wie er Schwierigkeiten löse.

Probleme auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die Organisation Benevol Luzern setzt sich für freiwilliges Engagement ein. Vorstandspräsident Charly Freitag zeigt Verständnis für das Geschäftsmodell: «Wenn Vereine unterstützt werden, ist das prinzipiell gut.» Er stellt fest, dass gewisse Organisationen tatsächlich Mühe hätten, genügend Freiwillige zu finden. «Es gibt aber auch Vereine, die gut mobilisieren können.» Mühe hätten Vereine, die überaltert seien oder solche, die sich nicht aktiv um Nachwuchs bemühen. «Wenn etwa ein eingeschweisstes Team besteht, und dann plötzlich ein paar Mitglieder zurücktreten, gibt es oft Probleme, genügend Nachfolger zu finden.» Heute gelte es, die Leute besser zu vernetzen und zusammenzubringen. So sei ein Treff, ob in einem Café oder in den sozialen Medien, eine grosse Hilfe. Deshalb biete Benevol eine Vermittlungsplattform an, über welche Freiwillige angesprochen werden können.

Doch auch früher war punkto Ehrenamtlichkeit nicht alles Gold, was glänzt. Charly Freitag, der auch Gemeindepräsident von Beromünster ist, weiss von einer Anekdote anfangs des 20. Jahrhunderts. «Bei der Auffahrtsprozession in Beromünster gab es zu wenige Freiwillige, um den Flecken zu schmücken. Deshalb musste die Gemeinde einspringen.» Die Ehrenamtlichkeit, so scheint es, müssen sich die Vereine früher wie heute mit harter Arbeit erkämpfen.