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Nach 95 Jahren: Luzerner Verein für Heimweh-Urner steht vor dem Aus

Viele Urner fanden durch ihn in Luzern Gleichgesinnte aus dem Heimatkanton. Nun steht der Urner-Verein Luzern nach knapp 100-jährigem Bestehen kurz vor der Auflösung. Es finden sich keine Mitglieder mehr für den Vorstand – ein Problem, das auch andere Vereine kennen.
Hugo Bischof
Der Urner-Verein Luzern steht vor seiner Auflösung. Paul Furger, Präsident des Vereins, posiert mit der Urner Vereinsflagge. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28.Januar 2018))

Der Urner-Verein Luzern steht vor seiner Auflösung. Paul Furger, Präsident des Vereins, posiert mit der Urner Vereinsflagge. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 28.Januar 2018))

In seinen besten Zeiten von den 1960er bis Ende der 1970er Jahre hatte der Urner-Verein Luzern über 400 Mitglieder. Heute sind es nur noch gut 150. Und sie werden immer älter. «Die allermeisten sind weit über 70 Jahre alt», sagt Präsident Paul Furger-Roth.

Junge Mitglieder lassen sich kaum noch finden. In der Vereinsleitung ist das Durchschnittsalter noch viel höher. «Ich bin im Vorstand mittlerweile bei weitem der Jüngste», sagt der heute 72-jährige Furger. Er präsidiert den Urner-Verein Luzern seit 2011. «Unsere Kassierin macht ihren Job seit 32 Jahren», so Furger. «Das Problem ist, dass niemand nachrückt, der sich im Vorstand engagieren und die nötige Arbeit leisten will.»

Abstimmung an der nächsten GV

Das hat den Vorstand jetzt bewogen, die Auflösung des Urner-Vereins Luzern per 2020 zu beantragen. Darüber wird an der Generalversammlung Anfang nächsten Jahres abgestimmt werden. Bereits an der diesjährigen GV vom 19. Januar wurde das Anliegen diskutiert. «70 von 71 Anwesenden waren dafür, dass wir den Antrag zur Vereinsauflösung stellen», sagt Furger.

Gegründet wurde der Urner-Verein Luzern am 24. Februar 1924 im Hotel Pfistern in Luzern. 25 Personen waren anwesend. Gemäss Statuten ist der Verein politisch und konfessionell neutral. «Betreffs der Vereinstätigkeit wurde die Auffassung vertreten, dass im Gründungsjahr mindestens ein Ausflug und ein ‹belehrender Vortrag› durchzuführen seien», heisst es in einer Jubiläumsschrift. Der erste Ausflug am 1. Juni 1924 fand in Form einer Rütlifahrt statt und wurde an der historischen Stätte «zu einem erhebenden Weiheakt für den jungen Verein». Mitglieder waren Urner, die meist durch Heirat oder Berufswechsel in die Stadt Luzern und Umgebung zogen.

Heute hat es mehr Frauen als Männer

Der Urner-Verein Luzern hat in seiner bisherigen 95-jährigen Geschichte einige Wandel durchgemacht. «Am Anfang gehörten ihm ausschliesslich Männer an», erzählt Paul Furger. Das ist heute ganz anders: «Der Frauenanteil ist höher als jener der Männer.» Auch etwas anderes hat sich geändert. Noch bis vor kurzem konnten nur gebürtige Urner und Urnerinnen Vereinsmitglieder werden. Nach einer Statutenänderung im Jahr 2000 können nun auch Nicht-Urner dem Verein beitreten – Bedingung ist aber «eine starke Verbundenheit mit Land und Leuten im Kanton Uri».

Gemäss Furger war die Statutenänderung auch eine Reaktion auf die sinkenden Mitgliederzahlen. Wie viele Urner in der Stadt und Agglomeration Luzern wohnen und somit potenzielle Mitglieder des Urner-Vereins sein könnten, weiss Furger nicht.

Der Urner-Verein Luzern gibt seit 2001 sein Vereinsheft «Uristier» heraus und führt jedes Jahr Veranstaltungen durch. «Sehr beliebt sind Ausflüge ins Urnerland», sagt Furger. «Letztes Jahr gingen wir mit 52 Personen nach Spiringen.» An die Monatshöcks kommen 20 bis 35 Personen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs meinte es der Urner-Verein Luzern mit der Nytlä etwas gar zu gut und überschritt das erlaubte Mass.

Ein Höhepunkt mit rund 50 Teilnehmern ist der alljährliche Nytlä-Aabig im November. Der Brauch mit dem aus der Milchkanne heraus geschöpften geschwungenen Rahm hat Tradition. Furger hat dazu im Archiv eine Anekdote gefunden. Demnach meinte es der Urner-Verein Luzern zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, als in der Schweiz die Lebensmittel rationiert waren, mit der Nytlä (Nidle) etwas gar zu gut und überschritt das erlaubte Mass. «Die kantonale Preiskontrollstelle schränkte daraufhin die Ausgabe von Nytlä aufgrund einer Weisung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartments ein», sagt Furger und schmunzelt.

Was passiert nach der bevorstehenden Auflösung mit den Gegenständen, die dem Urner-Verein Luzern gehören? «Im Kanton Uri kann im Staatsarchiv ein sogenanntes ‹Privatarchiv› eingerichtet werden», so Furger. «Es muss aber ein echter Urner Bezug vorhanden sein, was hier der Fall ist.» In diesem Archiv sollen dereinst die Protokolle, Fotos, Kassenbücher eingelagert werden. «Somit können wir ein geistiges Denkmal errichten», sagt Furger. Ziel ist auch, das Vereinsbanner im Staatsarchiv Kanton Uri zu lagern.

Obwaldnerverein mit ähnlichen Problemen

Der 1960 gegründete Obwaldnerverein Luzern hat ähnliche Probleme. «Es wird immer schwieriger Personen für die Mitarbeit im Vorstand zu gewinnen», betont auch Claire Birrer. Sie ist seit 25 Jahren Aktuarin des Obwaldnervereins Luzern. Dieser Verein hat heute knapp 300 Mitglieder; in den besten Zeiten – das war in den 1960er Jahren – waren es über 600. Wie lange es den Obwaldnerverein Luzern geben wird, ist noch offen. «Das Vereinssterben ist heute leider eine Realität», sagt Claire Birrer.

Auch beim 1932 gegründeten Urner-Verein Zürich macht man sich Sorgen um die Zukunft. «Unser Problem ist vor allem der Mitgliederschwund», sagt dessen Präsidentin Rosmarie Schelling-Gisler. «Zudem sind viele Mitglieder in einem Alter, wo sie nicht mehr an den Aktivitäten teilnehmen können.» Junge Mitglieder finde man nicht mehr. «Das Interesse an einem solchen Verein ist nicht mehr vorhanden.» Der Urner-Verein Zürich hat heute noch 120 Mitglieder.

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