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Verflixte Ruferkennung

Einblicke - Kolumnist Werner Keiser über das verlorene Privileg, unerreichbar zu sein.
Werner Keiser, dipl. Übersetzer
Werner Keiser

Werner Keiser

Was waren das für Zeiten, als noch das schwarze Telefon mit Wählscheibe an der Wand prangte, Dauerleihgabe der damaligen PTT (Post Telegraf Telefon). Da klingelte schon mal unangemeldet eine Angestellte an der Haustür, mit dem Auftrag, den Hörer von Essensresten zu reinigen, PTT-Leute mit unkündbarem Beamtenstatus und gesicherter Rente. Für heutige «Swisscomerinnen» und «Swisscomer» kaum nachvollziehbar und ein Unternehmen mit solchen Privilegien gäbe es heute nicht mehr.

Die Ruferkennung auf dem Display, wie hat sie unser Leben entscheidend verändert. Kaum auf dem Markt, leistete ich mir schon von Beginn diesen technischen Schnickschnack. «Ich habe gestern versucht, Sie zu erreichen», tönte es gelegentlich vom andern Ende. «Lügen haben kurze Beine, Anrufer zeigt, wie lang sind deine», schoss es mir jeweils durch den Kopf. Wie heisst es schon wieder das Neunte Gebot? «Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.»

Es ist auch eine kleine Lüge, wenn ich sehe, wer mich erreichen will und so tue, als hätte ich die Nummer übersehen. Später partout nicht zurückrufen? Frust lass nach! Einseitige Mehrfachanrufe hingegen, werden rasch als aufdringlich wahrgenommen.

Vor der Einführung der Ruferkennung mit all ihren Vor-und Nachteilen, nahm man einfach den Hörer ab, nichtsahnend, wer oder was einem erwartete. Das konnte – Überraschung! – die Lottogesellschaft, das Jugend- oder Betreibungsamt sein. Logischerweise war ein Rückruf damals nicht möglich. Leute mit einem gewissen Sensorium erkannten aber am Klingeln, wer was von einem wollte, die Verliebte oder schon wieder die Schwiegermutter?

Irritierend sind die anonymen Anrufe. Unterdrückte Nummern, das weiss heute jeder, verheissen nie Gutes. Behörden glaubten für kurze Zeit, den Bürger so übertölpeln zu können. Mit von der Partie auch Versicherungen und Anwälte. Letztere haben natürlich nie was zu verstecken. Von solcher «Diskretion» ist man glücklicherweise wieder abgerückt, weil Angerufene sie schon längst nicht mehr beachten. Anrufe mit ausländischen Landeskennzeichen sind ebenfalls nicht mehr en vogue. Wer will sich schon von Nigeria aus lukrative Ölgeschäfte gegen happige Vorkasse oder von einem Hamburger Callcenter einen vorteilhaften Krankenkassenwechsel aufschwatzen lassen? Ruferkennung Fluch oder Segen? Bitte wählen Sie!

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