VERFOLGTE AUTOREN: Luzern soll «Asyl-Stadt» werden

Schweizer Städte sollen Schriftsteller, die in ihrer Heimat bedroht werden, aufnehmen. Luzern will bei dieser Idee mitmachen – und hat schon eine passende Wohnung dafür.

Yasmin Kunz
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Ein Bewohner eines Asylzentrums in der Schweiz. (Symbolbild) (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Ein Bewohner eines Asylzentrums in der Schweiz. (Symbolbild) (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Zehn Jahre ist es her, seit der Luzerner Journalist und Schriftsteller Otto Marchi beim Tsunami in Thailand ums Leben kam. Sein kleines Wohn- und Arbeitsatelier in der Luzerner Altstadt wurde damals der Stadt übergeben und dient nun als Gastatelier für kulturelle Institutionen. 2015 läuft allerdings der Mietvertrag aus und wird auch nicht verlängert.

Luzern soll sich Städtenetzwerk anschliessen

Doch bereits gibt es Interessenten für das Atelier. Möglicherweise werden dort schon bald Schriftsteller wohnen, die in ihrem Heimatland verfolgt werden. Das ist zumindest die Idee des Deutschschweizer PEN Zentrum (DSPZ). Dessen Ziel ist es, dass sich Schweizer Städte dem internationalen Städtenetzwerk ICORN anschliessen. Dieses bietet verfolgten Schriftstellern temporäres Asyl in ihren Mitgliedstädten. Die Schweiz bietet bisher keine solche «Asyl-Stadt» an. Das soll sich aber bald ändern: «Wir wollen die Schweizer Städte dafür gewinnen», sagt Adi Blum, Koordinator von PEN. Von den angefragten Schweizer Städten haben Genf und Luzern positive Signale geäussert. «Wir sind im Gespräch», bestätigt Rosie Bitterli Mucha, Chefin von Kultur und Sport der Stadt Luzern. Im Zentrum stehe dabei insbesondere das erwähnte Atelier von Otto Marchi. «Es ist eine Idee, dieses Atelier an verfolgte Autoren zu vermieten», sagt Rosie Bitterli.