Vergessene Kunstperlen aus dem Keller der Hochschule Luzern

Am 10. Oktober öffnet der Campus Horw die Tore für Kunstliebhaber. Es werden Werke präsentiert, die lange im Verborgenen gelagert waren – dabei kam überraschend Wertvolles zutage. Auch Neuerwerbungen des Kantons schmücken die Räume.

Simon Mathis
Drucken
Teilen
Künstler und Dozent Hansjürg Buchmeier vor den Werken, die er im Keller des Capus Horw entdeckt hat. (Bild: Pius Amrein, 5. Oktober 2018)

Künstler und Dozent Hansjürg Buchmeier vor den Werken, die er im Keller des Capus Horw entdeckt hat. (Bild: Pius Amrein, 5. Oktober 2018)

Der Kanton Luzern hat eine stolze Kunstsammlung: Über 3000 Werke von rund 700 Künstlerinnen und Künstlern sind in seinem Besitz. Kantonsangestellte können aus diesem Fundus schöpfen – und ihr Büro mit Kunst ausstatten. «Es erstaunt mich, wie wenige Angestellte von diesem Angebot wissen», sagt Hansjürg Buchmeier, Künstler und Dozent an der Hochschule Luzern (HSLU).

Vor acht Jahren wurde der 62-jährige Emmer mit der Aufgabe betraut, die Räume des Campus Horw mit Kunst aus der kantonalen Sammlung zu bespielen. Am 10. Oktober führt Buchmeier interessierte Besucher durch den Campus Horw, den er mit Kunst gefüllt hat (siehe Hinweis).

Künstler von nationalem Format im Keller vergessen

Hansjürg Buchmeiers Mandat begann mit einem kleinen Schock: Als er in den Keller unterhalb der Mensa stieg, fand er dort 80 Werke. Unter ihnen solche von international beachteten Künstlern wie Franz Fedier. Zur Eröffnung des Campus Horw 1973 malte Fedier mehrere grossformatige Gemälde, die in der Mensa zu hängen kamen.

«Ich weiss nicht, wie diese Gemälde einfach so im Keller verschwinden und in Vergessenheit geraten konnten», sagt Buchmeier. Einer seiner ersten Amtshandlungen war es denn auch, die Fedier-Gemälde wieder hervorzuholen.

Doch das war nicht alles, was Buchmeier erstaunte: Ihm fiel ein extremes Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung auf. «Unter den 80 Gemälden stammt kein einziges von einer Frau», sagt Buchmeier. Ihm war es ein Anliegen, Künstlerinnen einen grösseren Platz am Campus einzuräumen. «Ich habe das damals selbst beobachtet», sagt der Künstler. «Ende der 70er-Jahre war es als Frau nicht einfach, sich im Kunstbetrieb zu behaupten. Und heute ist es für niemanden mehr einfach», fügt er mit einem Schmunzeln hinzu. Deshalb sei es umso wichtiger, dass der Kanton weiterhin Werke aus der Region ankaufe.

Das käme nicht nur den Angestellten zugute, sondern auch den Einwohnern. Denn: Viele Kunstwerke in Kantonsbesitz finden sich im öffentlichen Raum wieder. So etwa die Skulpturen des Winterthurers Max Bill und des Stansers Josef Maria Odermatt, die beide den Innenhof des Campus zieren.

O.T., Eisen, geschmiedet, 1977/78, Josef Maria Odermatt (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
10 Bilder
Petersburger Hängung im Treppenhaus Gebäude V, diverse Künstler (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
2 Ölbilder, 2013, Vera Rothamel (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
Blumen aus Lucies Garten, 1972, Josephine Troller (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
Fabkristall (Grüne, Blaue Rote, Gelbe Progression), Öl auf Leindwand, 1973, Max Bill (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
Öl auf Leinwand, 1977, August Buchmann (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
Socken, Bleistift auf Papier, 2014, Monika Feucht (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
Katagami Curtain, 2018, entstanden im Zusammenhang einer Forschungskooperationmit dem TExtilmuseum St. Gallen. Im Besitz der Hochschule Luzern. (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
Bevise, das Landregen, Enterung der Nachbarscholle, equus = equus, identifikation, Lithografie, 1971, André Thomkins (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)
Anton Egloff (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)

O.T., Eisen, geschmiedet, 1977/78, Josef Maria Odermatt (Bild: Lukas Galantay/Markus Käch, Hochschule Luzern T&A)

Heute kommt die Kunst in den HSLU-Räumen sehr divers daher: Da hängen junge Newcomer wie die Zürcherin Claudia Kübler neben Klassikern wie André Thomkins. Die kleinen Gemälde aus dem Keller hat Buchmeier allesamt im 12 Meter hohen Treppenhaus neben der Mensa in einer Petersburger Hängung platziert. Nebeneinander wirken sie lebendig und frisch.

Fröhliche Gemälde für ernste Sitzungen

Natürlich gibt es im Campus auch Werke, die nicht so leicht zugänglich sind. Etwa die, die im Büro des Direktors hängen, oder die grossformatigen Gemälde von Vera Rothamel in einem Sitzungszimmer. Sie sind bunt und leichtfüssig. «Das tut einer Sitzung gut», sagt Buchmeier. In solchen Räumen erfülle Kunst auch eine repräsentative Funktion. «Das zeigt den Besuchern, dass wir Stil, Kultur und Anspruch haben.»

Zumal Technik und Kunst näher beieinander lägen, als gemeinhin angenommen. «Auch Ingenieure sind oft sehr offen, was Bildende Kunst betrifft», berichtet Buchmeier. «Mitarbeitende wissen die sorgfältige Gestaltung und Anregung zu schätzen.»

Hinweis: Am 10. Oktober 2018 zwischen 17 und 18 Uhr findet auf dem Campus Horw eine Kunstführung durch die Räume der Hochschule Luzern statt. Der Treffpunkt ist das Eingangsfoyer des Gebäudes V. Eine Anmeldung ist erwünscht: sandra.jost@hslu.ch.