«Vergleichbar mit Zürich-West»: In der Viscosistadt soll ein Zentrum für die Kreativwirtschaft entstehen

In einer ehemaligen Fabrik in Emmenbrücke sollen zahlreiche kleine regionale Firmen künftig zusammenspannen. Die Initianten wollen diese mit einem speziellen Konzept anlocken.

Stefan Dähler
Drucken
Teilen
Im Gebäude links, der alten Nylonfabrik, ist das Projekt geplant.

Im Gebäude links, der alten Nylonfabrik, ist das Projekt geplant.

Bild: PD/Jessica Wirth

In der Viscosistadt in Emmenbrücke entsteht ein weiteres Projekt aus der Kreativwirtschaft. Auf den obersten drei Etagen der alten Nylonfabrik an der Spinnereistrasse 5 soll auf 2500 Quadratmetern ein Zentrum für kleine Unternehmen, vorwiegend aus der Kommunikationsbranche, und Projektteams von Zentralschweizer Grossunternehmen entstehen.

Die Initianten Albi Christen und Sacha Willemsen haben dafür die Spinnerei AG gegründet und zusammen 100'000 Franken in das Aktienkapital investiert. Das Ziel ist, die Räumlichkeiten bis Herbst 2022 umzubauen und zu eröffnen.

Die beiden Initianten Albi Christen (rechts) und Sacha Willemsen.

Die beiden Initianten Albi Christen (rechts) und Sacha Willemsen.

Bild: PD/Marcel Huwiler

«Die Viscosistadt ist ein zukunftsträchtiger Standort, es entsteht ein neues kreatives Zentrum, vergleichbar mit Zürich-West», sagt Albi Christen, der eine Agentur für Grafik und Werbung in Luzern führt. Sacha Willemsen ist selbstständiger Strategieberater im Bereich Marketing. Die beiden beschäftigen sich seit drei Jahren mit dem Projekt Spinnerei. «Die Hochschule für Design & Kunst befindet sich bereits vor Ort und weitere Projekte sind in Entstehung», sagt Christen. Ein Beispiel ist die Filmstadt, ein neues Zentrum für den Schweizer Film, das ebenfalls 2022 eröffnet werden soll. «Mit der Hochschule für Design & Kunst wie auch mit der Filmstadt sind wir bereits im Gespräch, es wären viele Synergien möglich.»

40 Firmen unter einem Dach

Ziel des Projekts Spinnerei ist, rund 40 Firmen aus den Bereichen Marketing und Kommunikation, Technologie, Beratung und Organisation sowie Design unter einem Dach zu vereinen. Diese werden je nach Grösse alle oder einen Teil ihrer Arbeitsplätze in die Viscosistadt verlegen. «Diversität im Netzwerk ist uns wichtig, wir wollen möglichst viele verschiedene Kompetenzen vor Ort, weshalb wir die Plätze pro Unternehmen begrenzen», sagt Christen. Total sind 120 Arbeitsplätze geplant. Es soll sich dabei nicht einfach um einen klassischen Coworking-Space handeln. Die beiden Initianten sprechen von einem «New Working Space». Christen:

«Die Leute sollen nicht nur am selben Ort, sondern auch wirklich zusammen arbeiten.»

Das Ziel sei ein «kuratiertes Businessökosystem, dessen verschiedene Persönlichkeiten von einem Kernteam aufeinander abgestimmt werden», heisst es in einer Medienmitteilung. Wissen und Ressourcen sollen geteilt werden, damit sich die beteiligten Firmen in diesem «Ökosystem» weiterentwickeln und entfalten können.

Vom interdisziplinären Verbund könnten auch grössere Firmen profitieren und gemeinsam mit dem Netzwerk an Projekten arbeiten. Zu diesem Zweck stehen in der Spinnerei auch einige Arbeitsplätze für diese sogenannten «Corporate Partner» zur Verfügung.

Finanzierung soll im Herbst stehen

Bis im Herbst wollen Christen und Willemsen nun die Finanzierung sichern. Zum Betrag, der noch nötig ist, machen sie keine Angaben. Mit der Grundeigentümerin, der Viscosistadt AG, sei bereits eine «Möglichmacherin» an Bord, die den Ausbau substanziell unterstütze, ergänzt Willemsen. Der Teilrückbau und Umbau der ehemaligen Fabrik habe bereits begonnen.

Blick in die Räumlichkeiten der ehemaligen Fabrik.

Blick in die Räumlichkeiten der ehemaligen Fabrik.

Bild: PD/Jessica Wirth

Um weitere Investoren und Corporate Partner für das Projekt zu gewinnen, gehen die Initianten nun aktiv auf Unternehmen zu. «Wir legen den Fokus auf die Zentralschweiz, weil wir das Potenzial der Region aufzeigen wollen», sagt Christen. Ein 15-köpfiges Kernteam habe sich bereits zum Projekt bekannt und wirke in der Organisation. Je nach Räumlichkeit und Belegung der Arbeitsinseln soll ein Arbeitsplatz zwischen 450 bis 700 Franken pro Monat kosten. Dienstleistungspartner – für das Office Management, das Daten- und Druckcenter, den IT-Support sowie Yoga-Angebote – stünden bereits viele fest.

Geplant sind auf den drei Etagen in der alten Spinnerei offene Arbeitszonen sowie abgetrennte Büros, Lounges, Sitzungs- und Workshopräumlichkeiten, ein Entspannungsraum, ein Druck- und Datencenter, Projektkojen, eine nach oben offene Grünzone mit Bäumen und ein sogenannter «Open Space» für den Austausch und mit einer Kaffeebar sowie einem Eventraum mit Platz für rund 200 Personen. Hier eine Visualisierung von einem der künftigen Räume:

Visualisierung: PD/Studio Soius

Für Anlässe mit mehr Personen stehe mit der «Eventlocation» im selben Gebäude durch den Kooperationspartner Auviso eine grössere Räumlichkeit zur Verfügung, so Christen.

Weitere Informationen finden Sie auf www.spinnerei.ch

Mehr zum Thema