Verhandlung am Kantonsgericht: Mann soll seinen Partner angezündet haben

Der Beschuldigte bestreitet dies. Während er von einem Unfall spricht, wurde auch die Möglichkeit eines Suizidversuchs erwähnt.

Sandra Monika Ziegler
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An der Berufungsverhandlung vom Donnerstag am Luzerner Kantonsgericht muss sich ein 50-jähriger Spanier wegen versuchter Tötung verantworten. Ihm wird vorgeworfen, in den frühen Morgenstunden des 19. Dezembers 2015 seinen Schweizer Lebenspartner nach einem Streit in der gemeinsamen Wohnung angezündet zu haben.

Vom Luzerner Kriminalgericht wurde er deswegen am 14. August 2019 zu vier Jahren Haft verurteilt. Zudem hatte er eine Pass- und Schriftensperre, damit er die Schweiz auf legalem Weg nicht verlassen kann. Der Beschuldigte bestreitet die Tat. Er habe seinen Partner nicht angezündet. Im Gegenteil, er habe mit seinen eigenen Händen versucht, ihn zu retten. Er ging in Berufung. Der Verteidiger verlangt einen vollumfänglichen Freispruch.

Drei Versionen zum Tathergang

An der Verhandlung werden drei Versionen des Tathergangs geschildert: Ein Unfall, ein versuchter Suizid und eine versuchte Tötung. Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass der Beschuldigte die Tat begangen hat. Dafür sprechen auch das Spurenbild, die Zeugenaussagen und dafür sei er zu bestrafen.

Zum Urteil der vorherigen Instanz sagt er: «Ich hätte mit den vier Jahren leben können, doch nun verlange ich eine höhere Strafe.» Dies, weil der Beschuldigte seiner Ansicht nach keine Einsicht habe, seine Aussagen widersprüchlich und ungenau seien und damit unglaubwürdiger als die Aussagen des Opfers. Er mahnt die Richter, hier stehe ein Beschuldigter und nicht etwa ein Opfer.

Nachbarin rief Ambulanz

Als Zeugin sagte eine Nachbarin aus. Während sie zum Opfer eine jahrzehntelange Beziehung pflegte, hatte sie mit dem Beschuldigten eine herzliche, aber, sprachlich bedingt, nicht sehr enge Beziehung. Sie schildert, wie morgens um zwei Uhr ihr Beantworter ansprang und darauf das Opfer zu hören war: Sie solle die Polizei rufen. Sie wollte zuerst zurückrufen, aber niemand nahm das Telefon ab. Sie habe sich den Bademantel umgeworfen und sei in die Nachbarswohnung gegangen.

Dort stand sie den beiden Männern gegenüber. «Was ist los, was muss ich tun?», fragte sie. «Ruf die Ambulanz», sagte das Opfer. Daraufhin sei sie in ihre Wohnung, habe angerufen und auf die Ambulanz gewartet. Zum Tathergang konnte sie nichts sagen, da sie den auch nicht gesehen hatte. Auf die Frage, was ihr Interesse am Ausgang des Prozesses sei, antwortet die Nachbarin:

«Darf ich es sagen? Er hatte es ja gut bei ihm. Eine Strafe hätte er schon verdient, man kann ja nicht einfach jemanden anzünden.»

Der Beschuldigte sagt vor Gericht: «Das ist jetzt fünf Jahre her. Ich erinnere mich nicht zu 100 Prozent. Ich verstehe bis heute nicht, was geschehen ist. Ich war schockiert.» Am besagten Abend hätte er mit seiner Zigarette einen Brandfleck auf dem Holztisch verursacht, da sei sein Partner ausgerastet.

Um den Streit zu glätten, wollte er den Fleck wegmachen. Er holte ein Mittel und sei gestolpert. Dabei wurde sein Partner mit dem Flascheninhalt bespritzt. Als er sich umdrehte, stand der Mann in Flammen. Der Beschuldigte vor Kantonsgericht:

«Ich löschte mit meinen Händen. Es ging alles so schnell, es war eine Katastrophe.»

Was den Brand ausgelöst hat, bleibt auch nach dieser Verhandlung unklar. Waren es Kerzen, war es der Partner mit einem Zündhölzli oder war es das Opfer selber? Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.