Verhandlung: Ein bereits Verurteilter wird erneut angeklagt

Der Fall des Taxifahrers, der eine Australierin vergewaltigte, schlug hohe Wellen. Er wurde verurteilt, sitzt und muss nun erneut vor Gericht.

Sandra Monika Ziegler
Drucken
Teilen

Im Mai 2018 wurde der heute 47-jährige Pakistani vom Luzerner Kriminalgericht schuldig gesprochen, unter anderem der Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung, Entführung und versuchter schwerer Körperverletzung. Letztgenanntes, weil der Mann wissentlich HIV-positiv war und ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzog. Er steckte jedoch keine Frau an.

Er hatte im Zeitraum von 2010 bis 2016 sechs Frauen in seinem Taxi sexuell genötigt, belästigt oder gar vergewaltigt. Meist waren die Frauen angetrunken und wollten schnell mit dem Taxi nach Hause. Diese Situation nutzte der Fahrer schamlos aus. Für die Frauen wurde die Heimfahrt jeweils zum Albtraum.

DNA-Analysen überführten ihn

Der letzte Übergriff, der dem Mann nachgewiesen werden konnte, war im März 2016. Dort vergewaltigte er in Kriens eine damals 18-jährige australische Touristin. Zwei Monate später kam es dann zur Festnahme. Anhand von DNA-Analysen konnten ihm auch die Straftaten, die er an den anderen Frauen begangen hatte, nachgewiesen werden.

Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte den Mann im Mai 2018 zu sieben Jahren Freiheitsentzug, einem Berufsverbot von fünf Jahren und zur Zahlung der Verfahrenskosten in der Höhe von über 60'000 Franken. Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt.

Verurteilter will Straferlass

Im Juli 2019 fand dann die Berufungsverhandlung vor dem Luzerner Kantonsgericht statt. Dieses Gericht verkürzte die Strafe um ein Jahr. Es blieben sechs Jahre Haft und ein Berufsverbot von fünf Jahren sowie Übertragung der Verfahrenskosten.

Der Verurteilte sah sich als zu hart bestraft und zog das Urteil des Luzerner Kantonsgerichts an das Bundesgericht. Er wollte damit eine Strafreduktion von drei Jahren erwirken. Das Bundesgericht hat die Beschwerde jedoch mit dem Urteil 6B_1225/2019 vom 8. April 2020 abgewiesen.

Frau wurde durch Bericht auf Peiniger aufmerksam

Über den Fall des pakistanischen Taxifahrers wurde medial ausführlich berichtet. Das las auch eine junge Frau aus der Luzerner Agglomeration, sie erkannte im Verurteilten ihren Peiniger. Die damals 26-Jährige und ihre Freundin hielten im Frühjahr 2014 nach einer Party im Südpol nach einem Taxi Ausschau. Der jetzt erneut beschuldigte Pakistani habe angehalten und seine Dienste angeboten.

Die Freundin der Klägerin liess er am Pilatusplatz aussteigen, die Klägerin wollte bis zum Bahnhof Luzern weiterfahren. Als der Taxifahrer erfuhr, dass ihr Endziel Sempach sei, anerbot er ihr, sie ohne Extrakosten dorthin zu fahren, dies, weil er in Neuenkirch die nächste Kundschaft habe. Die junge Frau schöpfte keinen Verdacht und nahm das Angebot an.

Laut Anklageschrift nahm der Fahrer aber nicht den Weg über die Autobahn, sondern fuhr über den Seetalplatz, nach Rothenburg Richtung Sempach. Während der Fahrt begann er, sie zu betatschen, griff ihr in den Ausschnitt, an die Brüste und zwischen die Beine. Er wurde zunehmend aufdringlicher und unaufmerksamer im Strassenverkehr.

Frau hatte Panik

Das versetzte die junge Frau in Angst. Verbal forderte sie ihn auf, damit aufzuhören. Dreinschlagen oder sich sonst körperlich zur Wehr setzen wollte sie aus Angst vor einem Unfall nicht. Auch befürchtete sie, er würde sie auf einer dunklen Strasse aussetzen. Sie blieb passiv und liess die Berührungen über sich ergehen.

Als er jedoch auf einen Parkplatz fuhr, auf ihren Sitz rutschte und sich die Hosen öffnete, fing sie an zu schreien und versuchte, ihn wegzustossen. Er entriegelte das Fahrzeug und die junge Frau konnte fliehen. Der Beschuldigte streitet die Schilderungen der jungen Frau ab.

Die Geschichte wiederholt sich

Heute nun steht der Mann wieder vor dem Luzerner Kriminalgericht. Der Pakistani aus der Luzerner Agglomeration lebt seit über zwanzig Jahren in der Schweiz und hat bis zur Inhaftierung als Reiseleiter und selbstständiger Taxi-Unternehmer gearbeitet.

Er ist in dritter Ehe verheiratet und Vater von sieben Kindern. Laut der Anklageschrift des Luzerner Kriminalgerichtes hat er sich im aktuellen Fall der sexuellen Nötigung und der Entführung schuldig gemacht. Es wird eine Strafe von sieben Monaten beantragt.

Mehr zum Thema