Verhandlung

Luzerner Kantonsgericht: Brennender Mann beschäftigt Justiz erneut

Ein 50-Jähriger wird beschuldigt, seinen 70-jährigen Partner angezündet zu haben. Nun fand die Berufungsverhandlung statt.

Sandra Monika Ziegler
Drucken
Teilen
Haupteingang des Kantonsgericht Luzern

Haupteingang des Kantonsgericht Luzern

Urs Flueeler / KEYSTONE

Ein Kubaner und ein Schweizer sagten gestern erneut vor dem Luzerner Kantonsgericht aus. Dem Kubaner wurde vorgeworfen, dass er seinen Lebenspartner nach einem Streit angezündet hatte. Das Luzerner Kriminalgericht verurteilte den Beschuldigten im August 2019 zu vier Jahren Gefängnis und der Zahlung von 35 000 Franken Genugtuung. Es wurde Berufung eingelegt.

Der 50-jährige Kubaner bestreitet den Vorwurf der versuchten Tötung und spricht von einem Unfall, sein Verteidiger fordert einen Freispruch. Das 70-jährige Opfer wurde in einem Nebenraum befragt. Den letzten Kontakt mit dem Beschuldigten habe er im April 2016 gehabt, als dieser nach 123 Tagen U-Haft mit ihm telefonierte.

Eine anstrengende Beziehung endet dramatisch

Seinen damaligen Lebenspartner beschrieb er als einen, der sagt, etwas zu tun, und es dann doch nicht tut. Auch habe er kein Verantwortungsbewusstsein. Die Beziehung beschreibt er als anstrengend. Immer wieder hätten Geldforderungen der kubanischen Familie zum Streit geführt, deshalb seien sie nach Kuba gereist, um die Sache zu klären. Dazu sei es aber nicht gekommen, der Beschuldigte habe die Gelegenheit zur Klärung nicht genutzt und ihn «an der Nase herum geführt». Das Opfer sagte weiter:

«Es wurde mir klar, dass ich mit ihm den Alltag nicht leben kann, wir sprachen von Scheidung.»

Zur Tatnacht erzählte er: «Wir hatten Besuch. Als der gegangen war, hatten wir wieder Streit und wieder ging es ums Geld.» Das Opfer betonte, dass ihm seine Erinnerungen manchmal einen Streich spielten und er auch schon erst nach den Befragungen die richtige Reihenfolge der Ereignisse schildern konnte. Doch jetzt habe er fünf Jahre Zeit gehabt, und sehe klar.

Das Brandloch auf dem Salontisch

Er erzählte, dass an jenem Abend sein Partner aus Wut eine Vase auf den Boden knallte, da wusste er, dass es brenzlig wird, und rief die Nachbarin an. «Leider nahm sie das Telefon nicht ab.» Der Beschuldigte sei am Tatabend rauchend auf der Terrasse gestanden und habe telefoniert. Er kam mit der Zigarette rein und verursachte ein Brandloch auf dem Salontisch.

Das habe ihn «fuchsteufelswild» gemacht, so das Opfer: «Ich schrie ihn an, weil er mit Sachen, die für ihn nicht von Wert waren, unvorsichtig umging. Er wollte den Fleck mit Benzin wegmachen, holte dann aber Sprit vom Keller. Ich sagte noch, beides gehe nicht, das sei für Fettflecken.» Da habe er gerufen «hier hast du!» – und «ich war voll von Brennsprit wie ein begossener Pudel. Als ich die Zündholzschachtel sah, erkannte ich die Gefahr. Doch er hatte sie schon und mir ein brennendes Zündholz angeworfen. Ich stand in Flammen.» Er verspüre nicht wegen der Tat Wut gegen seinen Ex-Partner, sondern wegen dessen Verhalten. Er habe null Empathie.

Verteidiger fordert Glaubwürdigkeitsgutachten

Der Verteidiger glaubt den Aussagen des Opfers nicht und fordert ein Glaubwürdigkeitsgutachten. Das Gericht entscheidet darüber bei der Urteilsbegründung. Für den Staatsanwalt steht fest, dass die Aussagen glaubwürdig sind. Er lehnt den Antrag ab: «Das ist Verzögerungstaktik. Das Opfer trennt Gehörtes von Erlebtem. Es gibt keine unüberwindbare Zweifel somit auch keinen Freispruch nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten.»

Video: Tele 1