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VERKEHR: Abgelenkt – Fahrausweis weg

Im letzten Jahr mussten 3422 Luzernerinnen und Luzerner ihren Fahr­ausweis abgeben. Die meisten, weil sie zu viel Gas gaben. Andere wegen einer neueren Unsitte.
Christian Peter Meier
Telefonieren, Essen, Lesen: Das alles ist am Steuer verboten. Verstösse in diesem Bereich nehmen im Kanton Luzern überdurchschnittlich zu. (Bilder Keystone/Zuger Polizei)

Telefonieren, Essen, Lesen: Das alles ist am Steuer verboten. Verstösse in diesem Bereich nehmen im Kanton Luzern überdurchschnittlich zu. (Bilder Keystone/Zuger Polizei)

Christian Peter Meier

Gestern Morgen, 9 Uhr, vor dem Luzerner Bezirksgericht: Das Strafverfahren mit der Nummer 2Q1 16 7 kommt zur Hauptverhandlung. Dabei geht es zentral um «mangelnde Aufmerksamkeit» beim Autofahren. Sprich: Der oder die Beschuldigte hat am Steuer das Mobiltelefon genutzt – in welcher Form auch immer.

In «guter» Gesellschaft

Wie das Verfahren ausgeht, ist offen. Ihr «Billett» hat die fragliche Person im Rahmen des parallel laufenden Administrativverfahrens womöglich längst abgeben müssen. Sie befindet sich damit in «guter» Gesellschaft, wie die jüngsten, vorgestern publizierten Zahlen des Bundesamtes für Strassen (Astra) zeigen. Demnach ist die Summe aller Fahrausweisentzüge im letzten Jahr landesweit deutlich gestiegen: um 3,1 Prozent auf 80 176 (Ausgabe von gestern).

Zugenommen hat unter anderem auch die Zahl der Ausweisentzüge wegen Unaufmerksamkeit und Ablenkung, wozu eben die Benutzung des Mobiltelefons, aber auch des Navigationsgeräts während des Autofahrens gehört. Zur Erinnerung: Am Steuer verboten ist unter anderem das Telefonieren ohne Freisprechanlage, das Wählen von Telefonnummern, das Schreiben von SMS- oder WhatsApp-Meldungen, das Fotografieren, das Surfen im Internet wie auch das Bedienen des Navis. Auch Essen am Steuer ist grundsätzlich nicht erlaubt.

Die Luzernerinnen und Luzerner scheinen in diesem Bereich nicht sonderlich diszipliniert zu sein (siehe Tabelle): Denn nicht weniger als 483 Personen (Vorjahr: 383 Personen) mussten letztes Jahr wegen Unaufmerksamkeit und Ablenkung ihren Schein deponieren – doppelt so viele wie noch 2010. In 328 ähnlichen Fällen (Vorjahr: 214) kamen die Automobilisten mit einem blauen Auge davon, indem das Strassenverkehrsamt lediglich eine Verwarnung aussprach.

Alkoholvergehen rückläufig

Das Strassenverkehrsamt ist die Admi­nistrativbehörde, die über «Schein oder nicht Schein» entscheidet (siehe Box). Mit Abstand am häufigsten einschreiten muss sie wegen zu schnellen Fahrens. Wie Christof Zeller, Leiter Ad­ministrativ­massnahmen, auf Anfrage mitteilt, hatten im letzten Jahr 1345 Luzernerinnen und Luzerner wegen Tempoüberschreitungen ihren Ausweis abzugeben – 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Rückläufig sind dagegen Ent­züge wegen Alkohol am Steuer (minus 5,3 Prozent). In beiden Kategorien entsprechen die kantonalen Zahlen dem nationalen Trend.

Rund 60 Prozent der Entzüge wurden für die Dauer von einem bis drei Monaten angeordnet. Jeder Vierte allerdings musste laut Zeller den Ausweis auf unbestimmte Zeit abgeben.

Nicht mehr Kontrollen als früher

Warum aber hat die Zahl der Fahrausweisentzüge zugenommen? Am Ende, weil die Polizei mehr Kontrollen durchführte? Nein, sagt Polizeisprecher Kurt Graf: «Die Kontrolltätigkeit blieb in den vergangenen Jahren in etwa gleich.» Also sind die Automobilisten generell undisziplinierter? Das dürfte für das Mobiltelefon-Verhalten zutreffen. Ein Blick auf eine weitere Statistik gibt aber generell Entwarnung: Der Luzerner Fahrzeugbestand hat zwischen 2010 und 2015 um satte 21 Prozent zugenommen, die Anzahl der Fahrausweisentzüge im gleichen Zeitraum nur um 12 Prozent.

Zwei parallele (Straf-)Verfahren

Konsequenzencpm. Eine Verkehrsregelverletzung zieht grundsätzlich zwei Verfahren nach sich:

  • Im Strafverfahren entscheidet die Strafbehörde über die strafrechtliche Sanktion. Dabei wird in der Regel eine Busse sowie eine Geld- und/oder Freiheitsstrafe verhängt.
  • Demgegenüber steht das Strassenverkehrsamt als Administrativbehörde. Sie entscheidet über eine Administrativmassnahme. Das kann eine Verwarnung sein, ein Führerausweisentzug oder etwa eine Fahreignungsabklärung. Ist der Sachverhalt aufgrund des Polizeirapports klar, kann die Administrativmassnahme schon vor der strafrechtlichen Beurteilung definiert werden. In den anderen Fällen wird das Strafverfahren abgewartet, bevor über eine allfällige Administrativmassnahme entschieden wird.

Sowohl das Straf- als auch das Administrativverfahren sind kostenpflichtig.

Bild: Tabelle Neue LZ

Bild: Tabelle Neue LZ

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