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VERKEHR: Auf einer Harley in die neu gewonnene Freiheit

Im Kanton Luzern steigt die Zahl der Motorradzulassungen jährlich. Vor allem Wiedereinsteiger über 40 kurbeln das Geschäft an.
Sarah Weissmann
Daniel Geiger (48) aus Rothenburg (hier in Wolfenschiessen) hat sich seinen Traum einer Harley-Davidson Sportster erfüllt, als er 35 war. (Bild Pius Amrein)

Daniel Geiger (48) aus Rothenburg (hier in Wolfenschiessen) hat sich seinen Traum einer Harley-Davidson Sportster erfüllt, als er 35 war. (Bild Pius Amrein)

Auf den Luzerner Strassen sind mehr als 35 000 Motorräder unterwegs, wie die jüngsten Zahlen des Luzerner Strassenverkehrsamts zeigen. Das sind 10 Prozent mehr, als noch 2010 und somit so viele wie nie zuvor. Von Jahr zu Jahr verzeichnet der Kanton einen Anstieg von rund 2 Prozent.

Einer unter den gut 35 000 Töfffahrern ist der 48-jährige Familienvater Daniel Geiger aus Rothenburg. Der leidenschaftliche Harley-Davidson-Fahrer erfüllte sich seinen Traum vom Motorrad, als seine Kinder 10 und 12 Jahre alt waren. «Mit 35 Jahren haben sich meine Frau und ich eine Harley gekauft. Bis heute leben wir diesen Traum gemeinsam», sagt Geiger.

Sehr wenig Neueinsteiger

Damit liegt Geiger voll im Trend. «Wir beobachten, dass vor allem Wiedereinsteiger ein Motorrad kaufen», sagt Peter Schwegler, Präsident des Motorradverbands 2rad Luzern. Das seien vorwiegend Väter über 40, deren Kinder schon etwas älter seien. «Wir haben sehr wenige Neueinsteiger», so Schwegler, der in Buttisholz ein Motorradgeschäft führt. Die jungen Töfffahrer würden eher ausbleiben. Das bestätigten auch Fahrlehrer aus der Region. Die Anmeldungen zur Motorradprüfung seien seit Jahren konstant.

Dass die Töfffahrer immer älter werden, beobachtet auch Peter Manzanares vom Yamaha-Generalimporteur Hostettler AG in Sursee. «Bei den Motorradkäufern gibt es wirklich eine spezifische Altersgruppe. Zurzeit sind es vorwiegend Männer im mittleren Alter – also über 40.» Daniel Schärer, Zentralsekretär des Motorradverbands 2rad Schweiz, erklärt das Phänomen der Wiedereinsteiger. «Häufig wird in jungen Jahren ein Roller für die Fahrt zur Arbeit benutzt. Danach eine grössere Maschine.» Sobald eine Familie da sei, werde häufig vom Motorradfahren abgesehen. «Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, kommt der Wunsch zurück.»

Peter Manzanares ist zwar überzeugt, dass sich das in Zukunft wieder ändern wird. «Es kommen neue und preisgünstige Modelle auf den Markt. Somit wird das Motorradfahren für die Jüngeren wieder attraktiver.» Dennoch scheint das Töfffahren gerade im mittleren Alter ein bevorzugter Trend zu sein. Allgemein ist die Schweiz gemäss Manzanares nach wie vor ein beliebtes Land für Motorradfahrer. «Im Vergleich zum Ausland hat die Schweiz den höchsten Pro-Kopf-Anteil. Das liegt sicher auch an der schönen Landschaft mit ihren Passstrassen.»

«Endlich wieder Zeit für sich alleine»

Psychotherapeut Reinhard Felix vom Verband Psychotherapeuten Zentralschweiz erklärt, dass das Motorradfahren während der Familienphase aus Zeitgründen schwierig sei. «Wenn die Kinder grösser sind, ist das Töfffahren für die Väter ein Ausdruck von Freiheit. Man hat dadurch endlich wieder Zeit nur für sich alleine», erklärt Felix.

Der Töff stellt keine Fragen

Allerdings spiele auch die Midlife Crisis in einigen Fällen eine Rolle. «Durch das Motorradfahren spüren gerade Männer die eigene Potenz, die eigene Kraft wieder. Ein schönes Motorrad hat etwas sinnliches und macht immer das, was man will – ohne zu fragen warum», sagt Felix.

Der Familienvater Daniel Geiger bestätigt zwar, dass oft das Gefühl nach Freiheit hinter dem Kauf eines Motorrads stehe. «Mir ist es jedoch weniger darum gegangen, ein neues Lebensgefühl im Alter zu bekommen. Eine Harley-Davidson war für mich ein Kindheitstraum.» Diesen konnte er sich aus finanziellen Gründen jedoch nicht verwirklichen. «Wir mussten für die Familie sparen. Aber es kam der Zeitpunkt, an dem meiner Frau und mir klar wurde – wir leben nur einmal.»

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