Verkehr bei Sursee kommt Investoren in die Quere

An der Grenze zwischen Sursee und Schenkon wollen sich Firmen niederlassen. Die Gemeinden drücken aufs Gas, der Kanton bremst.

Ernesto Piazza
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Ein Bild, das täuscht: Beim Schwyzermattkreisel in Schenkon staut sich zur Rush-Hour der Verkehr.

Ein Bild, das täuscht: Beim Schwyzermattkreisel in Schenkon staut sich zur Rush-Hour der Verkehr.

Manuela Jans-Koch (Schenkon, 17. Januar 2020)

In Schenkon will die Businesspark Schwyzermatt AG ein Grundstück von ungefähr 4000 Quadratmetern überbauen. Die Gut AG Gebäudetechnik will ihren Hauptsitz nach Schenkon verlegen und die Endoskopie-Firma Treier will sich dort ebenfalls ansiedeln. Das Areal liegt an der Grenze zur Gemeinde Sursee, unweit entfernt vom kantonalen Entwicklungsschwerpunkt «Arbeiten Sursee Nord». In der Nähe befinden sich auch der Schwyzermatt- sowie der Zollhaus-Kreisel. Diese sind Bestandteile der als Kantonsstrasse deklarierten Surentalstrasse. Diese ist eine pulsierende Verkehrsader und vermag vor allem morgens und abends den Verkehr nicht mehr zu schlucken.

Die skizzierte Situation hat das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) veranlasst, das bei der Gemeindeverwaltung Schenkon seit Mitte letzten Jahres von den zwei KMU eingereichte Baugesuch pendent zu halten. Es ist davon auszugehen, dass erst ein Gesamtverkehrskonzept gemacht werden soll. Zu deren Erstellung sowie Inhalt will man sich beim Kanton aktuell nicht äussern. Vielmehr wird auf einen Austausch mit den zuständigen kantonalen Stellen verwiesen. Dieser findet am 27. Januar statt. Daran nehmen auch Vertretungen der Stadt Sursee und der Gemeinde Schenkon teil.

Auch Spital könnte dort gebaut werden

Mit dem Bauvorhaben befürchtet das BUWD offenbar zusätzlichen Verkehr. Und das nicht zuletzt auch deshalb, weil sich das besagte Grundstück in unmittelbarer Nähe zur Schwyzermatte befindet. Diese steht als möglicher Standort für das neue Spital Sursee zur Diskussion. Dazu erklärt das BUWD auf Anfrage:

«Mit Blick auf solche Grossprojekte ist es wichtig, die zukünftige Siedlungs- und Mobilitätsentwicklung im Raum Sursee/Schenkon aufeinander abzustimmen.»

Kurz vor Weihnachten trafen sich in erwähnter Angelegenheit auch Mitglieder der Räte von Sursee und Schenkon zu einer Sitzung. Bereits Ende November hatte Schenkon an den Regierungsrat und an die Dienststelle Raum und Wirtschaft – mit Kopie an die kantonale Wirtschaftsförderung – einen entsprechenden Brief geschickt. «Wir möchten die Entwicklung in der Gemeinde weiter vorantreiben», erklärt der Schenkoner Gemeindepräsident Patrick Ineichen (CVP).

«Mit dieser Verzögerung wird die Ansiedlung von Arbeitsplätzen aber gefährdet. Zudem würde sie dem Wirken der kantonalen Wirtschaftsförderung nicht Rechnung tragen.»

Weiter vermutet er, «dass einzelne Verkehrskonzepte zwar vorhanden sind, diese bisher aber nicht zusammengeführt wurden». Es brauche, gerade auch vor dem Hintergrund eines möglichen Spitalstandorts Schwyzermatt, dringend ein Gesamtwerk. «Gefragt sind Verantwortlichkeiten», betont Ineichen.

Während der Kanton einen möglichen Spitalstandort Schwyzermatte mit ins Feld führt, dürften im Industriegebiet Sursee Nord zwei weitere mögliche Bauvorhaben – und zwar auf Surseer Gemeindegebiet – beim Thema Verkehr eine Rolle spielen. Dazu bestätigt Stadtrat Bruno Bucher (FDP): «Bei uns sind Voranfragen von Firmen eingegangen, welche die Bewilligungsfähigkeit prüfen möchten.» Einerseits handelt es sich um die Firma Otto’s AG. Dort bestehen Ideen, die zirka 350 bestehenden Aussenparkplätze und Büroflächen aufzuheben um so Raum für eine geplante Erweiterung der Lagerkapazitäten zu schaffen. Unweit von ihrem jetzigen Surseer Standort entfernt sollen deshalb ein Verwaltungsgebäude und ein Parkhaus mit 400 bis 500 Plätzen entstehen.

Dieses Grundstück befindet sich im Gebiet Wassergrabe und gehört der Korporationsgemeinde Sursee. Dieselbe Eigentümerin besitzt bei der Hammerwaldstrasse im Entwicklungsschwerpunkt Sursee Nord eine Fläche auf der die Hoch- und Tiefbau AG, Sursee, bauen möchte. Zwar hätten diese beiden Investitionen nicht den gleichen Planungsstand wie das Projekt in Schenkon, erklärt Bucher. «Doch nicht zuletzt wegen der ganzen Verkehrssituation haben wir die Anfragen dem Kanton zur Prüfung unterbreitet», erklärt der Bauvorsteher.

«Gesamtverkehrskonzept macht Sinn»

Für Bucher ist klar: «Ein Gesamtverkehrskonzept macht Sinn. Der Kanton muss jedoch konkret sagen, was er geliefert haben will.» So oder so dürfte man verkehrstechnisch nicht an baulichen Veränderungen vorbeikommen. Weil sie Kantonsstrassengebiet betreffen – und in dem Zusammenhang speziell das Nadelör Schwyzermatt-Kreisel – müssten diese im kantonalen Bauprogramm Platz finden.

Das Papier, welches für die Periode 2020 bis 2023 vom Kantonsrat genehmigt ist, sieht jedoch keine diesbezüglichen Anpassungen vor. «Wir können nicht einfach zuwarten. Denn wir haben Anfragen von Unternehmen, denen wir die Möglichkeit geben wollen, sich zu entwickeln», sagen sowohl Ineichen wie auch Bucher.