VERKEHR: Busse überholen Stau: Zug machts vor

In Zug gibt es neu eine elektronische Busspur. Damit kann der Bus am Stau vorbeifahren. Auch in der Stadt Luzern könnte das bald Realität werden.

Raphael Gutzwiller Mitarbeit Samantha Taylor
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Der Bus kann hier vielleicht bald am Stau vorbeifahren: Auf der Spitalstrasse wird eine elektronische Busspur geprüft. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Der Bus kann hier vielleicht bald am Stau vorbeifahren: Auf der Spitalstrasse wird eine elektronische Busspur geprüft. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

In der Luzerner Innenstadt brauchen Buspassagiere viel Geduld. Der Bus bleibt oft im Stau stecken – vor allem dort, wo eine Busspur aus Platzgründen nicht gebaut werden kann. Die Stadt Zug hat für dieses Problem nun eine Lösung: Am 27. März wird eine elektronische Busspur auf der Artherstrasse zwischen Fridbach und Casino in Betrieb genommen. Bei der elektronischen Busspur dient die Gegenfahrbahn als vorübergehende Busspur. «Die Ampeln werden von den stadteinwärts fahrenden Bussen mittels Detektoren automatisch auf Rot geschaltet, wenn Stau besteht», erklärt der Zuger Baudirektor Heinz Tännler. Sobald der stadtauswärts fahrende Verkehr auf dem rund 300 Meter langen Abschnitt abgeflossen ist, wird die Gegenfahrbahn für den Bus freigegeben, sodass er den Stau überholen kann. Anschliessend lenkt der Bus wieder auf die normale Spur ein (siehe Grafik). Die Einrichtung dieser Busspur hat rund 1 Million Franken gekostet.

Spital- und Baselstrasse geeignet

So etwas sei auch in der Stadt Luzern denkbar, sagt Daniel Rudin, Bereichsleiter Mobilität des Stadtluzerner Tiefbauamtes. «Für einzelne Strassenabschnitte wird die Möglichkeit einer elektronischen Busspur geprüft.» Konkret kommt dies auf der Spitalstrasse und der Baselstrasse in Frage. «Dort sind die Möglichkeiten einer zusätzlichen Busspur beschränkt, hingegen könnte eine elektronische Busspur die Lösung sein», erklärt Rudin. Auf der Baselstrasse würde die elektronische Busspur zwischen der Gütsch-Bahn und dem Kreisel Kreuzstutz eingerichtet. Denn beim Kreisel kommt es gemäss Rudin immer wieder zu Engpässen. Auch bei der anderen Einfahrt in den Kreisel, auf der Spitalstrasse, wäre eine solche Busspur möglich. Diese würde zwischen dem Kantonsspital und dem St.-Karli-Schulhaus in Richtung Kreuzstutz installiert. Dort ist eine Realisierung einer solchen Spur bereits in den nächsten zwei Jahren möglich, so Rudin. Denn die Staus auf der Spitalstrasse sind ein Dauerthema. Deshalb sind im Budget 2015 der Stadt bereits 3,9 Millionen Franken zur Verbesserung der Situation auf der Spitalstrasse geplant. Ursprünglich wurde dort eine herkömmliche Busspur ins Auge gefasst. Wegen der engen Platzverhältnisse müsste dann aber das Trottoir auf der Nordseite weichen. Gegen diese Pläne gab es im Luzerner Stadtparlament Widerstand, da das Trottoir als Schulweg dient. Daniel Rudin lobt denn auch das Zuger Modell: «Es ist ein einfaches Mittel, damit Busse nicht im Stau stehen bleiben.» Und er fügt hinzu: «Es ist keine sehr kostenintensive Massnahme.»

Um eine elektronische Busspur umzusetzen, müssten allerdings die Gegebenheiten stimmen, so Rudin: «Die Gegenspur muss frei gehalten werden, sodass der Bus die stehenden Autos überholen kann.» Das gehe deshalb am besten in einer Strasse, in der der Hauptverkehr hauptsächlich aus einer Richtung kommt und damit die Gegenfahrbahn frei gehalten werden kann. So wie eben auf der Spitalstrasse. Dort fliesst der Hauptverkehr morgens vom Kreuzstutz Richtung Spital und am Abend in die umgekehrte Richtung. Im Luzerner Stadtzentrum sei eine solche Busspur hingegen unmöglich, sagt Rudin. «Denn da fliesst der Verkehr in beide Richtungen stark.» Markus Mächler (CVP), Präsident der Verkehrskommission des Grossen Stadtrates, ist aus denselben Gründen auch skeptisch, was eine elektronische Busspur auf der Baselstrasse betrifft, denn dort herrscht relativ viel Gegenverkehr. «Man kann eine elektronische Busspur nicht erzwingen, wenn sie aufgrund der Gegebenheiten keinen Sinn macht», erklärt Mächler. Grundsätzlich findet Mächler die Idee von elektronischen Busspuren aber sehr interessant.

«Unser Ziel ist die Zuverlässigkeit»

Roman Steffen, Projektleiter Verkehrsplanung des Verkehrsverbunds Luzern, sagt zu einer möglichen Busspur: «Es ist eine Variante, um den ÖV zu Spitzenzeiten zu bevorzugen. Dadurch kann die Effizienz gesteigert werden.» Die Busse kämen mit einer elektronischen Busspur schneller voran. «Unser Ziel ist die Zuverlässigkeit. Mit welchen Massnahmen das erreicht werden kann, ist für uns zweitrangig», sagt Steffen. Wichtig sei hingegen auch, dass auf der ganzen Strecke die Busse gut vorwärtskommen. «Wenn wir Massnahmen wie eine Busspur oder eine elektronische Busspur einrichten, nützt es wenig, wenn die Busse an einer anderen Stelle wieder im Stau stecken bleiben», erklärt Steffen.

Gute Erfahrungen in Rapperswil

Schon seit 1999 kennt die Stadt Rapperswil eine elektronische Busspur in Richtung Stadtzentrum. Martin Manhart vom St. Galler kantonalen Strassenkreisinspektorat sagt: «Wir haben am Stadtrand auf der St. Gallerstrasse eine solche Busspur.» Dort werden die Busse analog zum Zuger System bevorzugt. Auch die Verkehrslage ist mit Zug vergleichbar: «Der Verkehr verläuft am Abend Richtung Stadtzentrum, für den Bus gibt es daher die Möglichkeit, einige Autos so zu überholen und damit den Zeitplan besser einzuhalten», sagt Manhart.

Mit der elektronischen Busspur habe man in Rapperswil sehr gute Erfahrungen gemacht, sagt Manhart. «Es gab noch nie einen Verkehrsunfall wegen der elektronischen Busspur.» Während der Bus überholt, sind jeweils Radarkameras aktiv. Sollte ein Autofahrer trotz Rotlicht die elektronische Busspur benützen, wird er automatisch geblitzt. «Dadurch wird die Sicherheit erhöht», sagt Manhart. Der Bus gewinne zudem wertvolle Zeit. Nachteile gäbe es einzig für die Benutzer des Individualverkehrs. «Der Bus schaltet alles auf Rot, wodurch die Autofahrer an Zeit verlieren», so Martin Manhart.