Verkehr
Bypass: Luzerner Stadtrat spürt beim Bund eine «gewisse Offenheit» für Forderungen der Stadt

Die Einspracheverhandlungen zum Autobahn-Grossprojekt Bypass laufen. Der Luzerner Stadtrat ist vorsichtig optimistisch – doch die SP glaubt nicht, dass der Bund einlenkt.

Robert Knobel, Stefan Dähler
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Der Luzerner Stadtrat soll sich mit allen Mitteln für eine stadtverträgliche Variante der Autobahnumfahrung Bypass einsetzen. Das fordert ein Postulat von SP und Grünen, das am Donnerstag teilweise überwiesen wurde. Dieser Forderung kommt der Stadtrat aber schon längst nach. So hat er bereits 2020 beim Bundesamt für Strassen (Astra) Einsprache gegen das Bypass-Ausführungsprojekt eingereicht. Darin fordert der Stadtrat insbesondere folgende Verbesserungen:

  • Beim Zwischenangriff Dammgärtli (Zugangsstollen unter der Reuss) sowie bei der Lüftungszentrale im Gütschwald sollen die Eingriffe in die Quartiere minimiert werden.
  • Beim Tunnelportal Nord (Ibach) sollen die offen geführten Verkehrsflächen reduziert werden. 
  • Beim Tunnelportal Süd (Kriens) soll die Autobahn durchs Siedlungsgebiet geschlossen geführt werden.
  • Für die alte Autobahn (Reussport-/Sonnenbergtunnel) braucht es ein Konzept, das sicherstellt, dass sie nur noch vom Lokalverkehr benutzt wird.
  • Da der Bypass die Stadt vom Verkehr entlastet, soll die seit Jahren geforderte Busspur zwischen Luzernerhof und Kriens-Kupferhammer endlich realisiert werden.

Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) sagt, dass die Einspracheverhandlungen mit dem Bund laufen – und gibt sich vorsichtig zuversichtlich: «Es ist eine gewisse Offenheit für unsere Anliegen spürbar.» Es sei aber wichtig, dass die Stadt den Druck auf den Bund aufrecht erhalte, um die gewünschten Verbesserungen auch wirklich zu erzielen.

Ein Grundproblem ist gemäss Borgula, dass der Bund den Bypass-Perimeter extrem eng gefasst habe. Das führe dazu, dass flankierende Massnahmen nur im unmittelbaren Umkreis der neuen Tunnels vorgesehen sind. Doch der Stadtrat beharre auf seiner Forderung nach flankierenden Massnahmen auch im Zentrum (neue Busspur) und im Bereich der alten Autobahn (Begrenzung der Kapazität). Borgula: «Es kann nicht sein, dass der Bund sagt, wir kümmern uns nur um den Bypass und der Rest interessiert uns nicht.»

SP: Volk soll gegen Bypass mobil machen

Mario Stübi (SP) zweifelt daran, dass die Stadt mit ihren Forderungen vollständig durchkommen wird. Und dann, so Stübi, müsste der Stadtrat die Konsequenzen ziehen und sich offiziell gegen den Bypass aussprechen – so wie er das schon bei der Spange Nord gemacht habe. Dass Letztere am Widerstand von Stadtrat und Bevölkerung scheiterte, sei ein Lehrstück für den Bypass: «Es braucht eine Bewegung, die von unten kommt. Die Politik allein kann den Bypass nicht verhindern.»

A2 mitten durch die Stadt: «Nachts hören wir jeden Lastwagen»

Auch Martin Abele (Grüne) glaubt «nie und nimmer» daran, dass der Bypass für Luzern Verbesserungen bringt. Dem widersprachen die Bürgerlichen vehement: So sagte Damian Hunkeler (FDP): «Die Transitachse führt heute mitten durch die Stadt. Deshalb ist es richtig, dass man mit einer Umfahrung die Stadt entlastet.» Und Jules Gut (GLP), der im Bramberg oberhalb der Portale von Sonnenberg- und Reussporttunnel wohnt, weiss aus eigener Erfahrung: «Wir hören jeden Lastwagen, der in der Nacht durch den Tunnel fährt. Es stimmt also sicher nicht, dass der Bypass für die Stadt nutzlos ist.»

Luftaufnahme der A2, welche in Kriens zwischen dem Sonnenbergtunnel und Schlundtunnel bisher offen geführt wird.

Luftaufnahme der A2, welche in Kriens zwischen dem Sonnenbergtunnel und Schlundtunnel bisher offen geführt wird.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Januar 2020)

Kriens: Gespräch mit dem Astra steht an

Nicht nur die Stadt Luzern kämpft für eine siedlungsverträglichere Umsetzung des Bypass, sondern auch Kriens. Der Krienser Stadtrat bekräftigte am Donnerstag in einer Medienmitteilung denn auch seine Absicht, sich weiterhin mit aller Kraft für eine vollständige Überdachung der Autobahn auf Krienser Boden einzusetzen. Eine entsprechende Beschwerde ist ebenfalls beim Astra in Arbeit. «Wir arbeiten im Hintergrund intensiv am weiteren Vorgehen. Auch finden Gespräche mit dem Kanton statt», sagt Stadtpräsidentin Christine Kaufmann (CVP). Ein Gespräch mit dem Astra stehe bevor.

Notfalls ist Kriens bereit, vor Gericht für seine Forderungen zu kämpfen, einen entsprechenden Kredit hat der Einwohnerrat vorsorglich bereits bewilligt. Kaufmann: «Der Rechtsweg ist das letzte Mittel. Das Ziel ist, gemeinsam eine gute Lösung zu erreichen, die eine enorme städtebauliche Chance für die ganze Region darstellt.»