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VERKEHR: Das E-Bike fährt den Planern davon

Strassenplaner machen alles richtig, wenn sie sich an geltende Normen halten. Doch diese stammen mehrheitlich aus der Zeit vor dem E-Bike-Boom. Darum ist selbst eine Luzerner Neubaustrecke bereits veraltet.
Christian Volken
Auf dem neuen Weg für Fussgänger und Velofahrer zwischen Luzern und Kriens kommen sich die unterschiedlichen Nutzer gelegentlich in die Quere. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 30. April 2017))

Auf dem neuen Weg für Fussgänger und Velofahrer zwischen Luzern und Kriens kommen sich die unterschiedlichen Nutzer gelegentlich in die Quere. (Bild: Roger Grütter (Luzern, 30. April 2017))

Christian Volken

christian.volken@luzernerzeitung.ch

Die Zukunft gehört den E-Bikes: Die Anbieter der elektromotorgestützten Zweiräder haben in Sachen Verkaufszahlen die grossen Gänge eingelegt. Im vergangenen Jahr hatte fast jedes vierte verkaufte Velo einen Elektromotor. Gemäss Velosuisse, dem Verband der Fahrradlieferanten, sind auf Schweizer Strassen über 400000 E-Bikes im Einsatz, und aus den Verkaufszahlen lässt sich unschwer herauslesen, dass ein Ende des Booms noch nicht absehbar ist (siehe Tabelle).

Legt man auf dem neuen Weg für Fussgänger und Velos auf dem ehemaligen Bahntrassee der Zentralbahn in Luzern den Doppelmeter aus, stellt man eine Breite von 5,5 Metern fest. Ähnlich breit ist heute noch manche Erschliessungsstrasse für den Autoverkehr. In diesen Dimensionen entstehen heute die Wege, die für die gemeinsame Nutzung zu Fuss oder mit dem Rad angelegt werden. Dass sich die beiden Nutzergruppen nicht in die Quere kommen, dafür sorgt in der Regel ein dicker gelber Strich.

Neu, breit – und unzeitgemäss

Die breit angelegten gemischten Verkehrsflächen dürfen sicher als Auswirkung bewusster Förderung insbesondere des Veloverkehrs interpretiert werden. Das Bild des friedlichen und beschaulichen Nebeneinanders von Fussgängern und Velofahrern ist allerdings schöngefärbt. Gestört wird es in der Realität einerseits durch flanierende Sippschaften mit Kinderwagen, Joggern, die zu ihrem Lieblingssound unterwegs sind und keine Veloklingel hören, Kindern, die sich auf ihrem Like-a-Bikes austoben, und Hunden, die die Leine quer spannen.

Andererseits möchten Velofahrer und zunehmend Lenker von E-Bikes ungestört ihre Bahn ziehen, wenn es schon eine hat. Ab und zu brettert ein elektrisch unterstütztes Zweirad der schnellen Kategorie mit 45 Stundenkilometern schwungvoll durch die Szenerie. Völlig legal übrigens, denn gemäss Strassenverkehrsgesetz gehören Velos, E-Bikes und Motorfahrräder – die Töfflis – in denselben Topf, respektive auf dieselbe Fahrbahn.

Das Problem wurde erkannt

Gehört gemütliches Spazieren und sportliches Vorwärtspfeilen verkehrstechnisch tatsächlich zusammen, oder kann es sein, dass hier unzeitgemäss gebaut wurde? «Diese Vermutung ist nicht falsch», äussert sich Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (Astra). Heute realisierte Projekte für den Langsamverkehr könnten durchaus auf Planungsgrundlagen beruhen, die aus Zeiten vor dem ­E-Bike-Boom stammen.

Dem stimmt auch ein Praktiker in Sachen Verkehrsplanung zu, Aschi E. Schmid, Verkehrsexperte und Geschäftsführer des Verkehrsplanungsunternehmens Viaplan AG in Sursee: «Wir Verkehrsplaner haben das Problem erkannt.» Der E-Bike-Boom sei unter Fachleuten seit vier, fünf Jahren ein Thema. Aber: «Die Gesetzgebung und die Normengebung hinken hinterher. Da sind die E-Bikes noch nicht berücksichtigt.»

«Mischzonen sind Problemzonen», hält Schmid fest, «denn es treffen unterschiedliche Interessen und Geschwindigkeiten aufeinander.» Die Tendenz geht dahin, dass man in Zukunft die Verkehrsflächen für Velofahrer und Fussgänger trennen wird. «Das Minimum ist dabei ein gelber Trennstrich» sagt der Experte.

Doch auch der gute alte Randstein könnte in Zukunft wieder eine Rolle spielen: Fussgänger sollten auch bei gemischten Wegen ein eigenes Trottoir zur Verfügung haben. In diese Richtung ziele übrigens auch das Gleichstellungsgesetz für Behinderte.

Während so auf längeren Strecken Fussgänger- und Velowege entflochten werden sollten, setzen Verkehrsplaner gemäss Schmid innerorts, in kleinräu­migen Verhältnissen, auf den gegenteiligen Ansatz. Wo es keine einfache Verkehrsführung von A nach B gebe und sich viele Wege kreuzten, seien Begegnungszonen sinnvoll. Dort komme der Fussgänger zuerst, auf ihn müssten alle andern Rücksicht nehmen.

Unfälle lauern bei den Strasseneinfahrten

Wenn es direkt um die Verringerung von Unfallrisiken geht, sind Verkehrsplaner allerdings anderswo gefordert. Bei der Gestaltung von Strasseneinfahrten muss gewährleistet sein, dass schnell herannahende E-Bikes rechtzeitig gesehen werden können.

Bei allen Richtlinien und Planungswerkzeugen, die es gibt und die noch kommen werden, könne das Verkehrsgeschehen nur funktionieren mit genügend Eigenverantwortung und gegenseitiger Rücksichtnahme, sagt der Verkehrsplaner. «Alle Risiken lassen sich mit guter Planung allein nicht aus der Welt schaffen.»

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