VERKEHR: Ebikon nimmt neuen Anlauf für Tempo 50

Mit einem neuen Masterplan will Ebikon gegen sein Image als «Amplikon» vorgehen. Ob der Kanton mitspielt, ist ungewiss.

Luca Wolf
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Stau auf vier Spuren und Ampeln, so weit das Auge reicht: Der Gemeinderat möchte das nun ändern. (Bild Dominik Wunderli)

Stau auf vier Spuren und Ampeln, so weit das Auge reicht: Der Gemeinderat möchte das nun ändern. (Bild Dominik Wunderli)

In Ebikon wollen sie es wissen. Um die rege Bautätigkeit zu koordinieren und die Gemeinde aufzuwerten, wird bis Anfang 2015 ein Masterplan erstellt. Die Ergebnisse fliessen in die Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) ein.

«Im Masterplan zeigen wir auf, welche Entwicklungen und Veränderungen wir in Ebikon gerne hätten. Der Kanton muss dann prüfen, ob unsere Anliegen den verkehrstechnischen Vorgaben entsprechen und ob sie umsetzbar sind», erklärt Nathalie Mil. Sie ist Gebietsmanagerin Luzern Ost und bis Ende Jahr interimistische Masterplan-Projektleiterin. Ab 1. Oktober wird Nicole Imfeld, die neue Chefin des Bauamtes, die Mitverantwortung für den Plan übernehmen.

Weniger Ampeln und Lärm

Einer der spannendsten Punkte, mit dem sich der Masterplan befasst, ist das Thema Verkehr. Bekanntlich möchte Ebikon wegkommen von seinem verkehrslastigen «Amplikon»-Image. «Wir erhoffen uns vom Masterplan einen anderen Strassenraum», sagt Gemeinderat Peter Schärli und ergänzt: «Wir möchten die Trennwirkung der vierspurigen Kantonsstrasse aufheben. Das wäre für uns ein Durchbruch.»

Konkret will der Gemeinderat via Masterplan auf den Ebikoner Strassen folgende Ziele erreichen:

  • Tempo 50 statt 60: «Vor und nach Ebikon gilt in der Regel Tempo 50. Es ist nicht einzusehen, warum quer durch Ebikon weiterhin Tempo 60 erlaubt sein soll», sagt Schärli –zumindest im Dorfkern zwischen Schlösslistrasse und ­M-Parc-Kreisel. 2011 versuchte der Gemeinderat, sich Tempo 50 vor Verwaltungsgericht zu erkämpfen, kassierte jedoch eine Niederlage.
  • Zwei- statt vierspurige Strasse: Heute fährt es sich dank der in beide Richtungen zweispurig geführten Kantonsstrasse wie auf einer Autobahn. «Die zweite Spur wird meist nur zum Überholen benutzt, die braucht es nicht zwingend», so Schärli.
  • Bus statt Auto: Durch die Halbierung der Strassenspuren würde Platz frei. Unter anderem könnte dieser mit einer durchgehenden Busspur sowie einem Velostreifen genutzt werden.
  • Kreisel statt Kreuzungen: Diese Massnahme würde viele Lichtsignalanlagen unnötig machen, braucht aber Platz. Beim Knoten Schachenweidstrasse und der Abzweigung Schlösslistrasse ist das schon länger ein Thema.

 

«Das wird ein langer Weg»

Diese Pläne erscheinen zwar sehr ehrgeizig. Doch sind sie auch realistisch? Schliesslich ziert sich der für die Luzernerstrasse zuständige Kanton seit Jahren, dort Tempo 50 oder ähnliche verkehrsberuhigende Massnahmen einzuführen. Schärli sagt zurückhaltend: «Wichtig ist für uns, dass wir den Kanton schon bei der Erarbeitung des Masterplans im Boot haben.» Das sei nun der Fall. Auch Nathalie Mil bleibt vorsichtig: «Für den Kanton ist das Wichtigste, dass der Verkehr auf der Luzernerstrasse fliessen kann.» Deshalb gelte es aufzuzeigen, wie diese Vorgabe auch mit verkehrsberuhigenden Massnahmen eingehalten werden könne. Mil weiss: «Das wird ein langer Weg.»

Immerhin: Der Kanton ist willens, die Luzernerstrasse im Ebikoner Zentrum neu zu gestalten. Er hat sogar das entsprechende Vorhaben im «Bauprogramm 2015 bis 2018» vom Topf B in den Topf A vorverlegt. Damit könnte mit dem 10-Millionen-Franken-Projekt 2018 gestartet werden. Vorausgesetzt, der Kantonsrat bewilligt das Programm an seiner Sitzung diesen November.

Mehr Platz für öffentlichen Verkehr

Was genau geplant ist, steht noch nicht fest. Zuerst will der Kanton auf den Ebikoner Masterplan warten, wie Beat Hofstetter, Abteilungsleiter Verkehr und Infrastruktur (vif), sagt. Der Planperimeter umfasst die Luzernerstrasse zwischen den Einmündungen Schlössli- und Weichlenstrasse. Dort soll der gesamte Strassenraum «überprüft», «angepasst» und «erneuert» werden. Dies umfasse auch die Aufteilung des Strassenraums, die Kreuzungen sowie die Signalisationen und Markierungen. Auch für den ÖV solls mehr Platz geben. Ob und welche Chancen konkrete Massnahmen wie Tempo 50, Kreisel oder weniger Fahrbahnen haben, kommentiert Hofstetter nicht, dazu sei es zu früh.