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VERKEHR: Fahrerflucht? Kommt heute täglich vor

Im Kanton Luzern kam es jüngst auffällig oft zu Unfällen mit Fahrerflucht – nicht nur bei Blechschäden. Laut Experten ist die Angst vor den Folgen ein Grund für dieses illegale Verhalten.
Sarah Weissmann
Ein Auto ist beim Überholen in ein entgegenkommendes Motorrad gekracht - Vom Unfallverursacher fehlt jede Spur. Leider kein seltenes Bild. (Symbolbild vom Unfall im August 2010 in Lungern) (Bild: Kapo Obwalden (Archiv))

Ein Auto ist beim Überholen in ein entgegenkommendes Motorrad gekracht - Vom Unfallverursacher fehlt jede Spur. Leider kein seltenes Bild. (Symbolbild vom Unfall im August 2010 in Lungern) (Bild: Kapo Obwalden (Archiv))

Sarah Weissmann

Ein Fussgänger wird in Wikon von einem fahrenden Auto erfasst und auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Ein entgegenkommendes Auto erfasst den Fussgänger erneut und schleift ihn mit. Der 41-jährige Fussgänger wird beim Unfall am 12. Februar tödlich verletzt. Der Lenker (37) des zweiten Autos begeht Fahrerflucht, er wird tags darauf von der Polizei gefasst.

Fahrerflucht – ein weiteres Beispiel vom 31. Januar: Ein 12-jähriges Mädchen wird in Emmenbrücke beim Überqueren der Strasse angefahren. Der Fahrer des Kleinwagens, mutmasslich mit Nidwaldner Kontrollschild, macht sich aus dem Staub, ohne sich um das verletzte Mädchen zu kümmern.

Die Liste solcher und ähnlicher Fälle lässt sich beliebig fortsetzen. Gemäss Luzerner Polizeimeldungen der letzten Wochen kommt es regelmässig zur Fahrerflucht, zum Glück meist nur in Fällen mit Blechschäden.

Verletzte: Bis zehn Fälle pro Jahr

Franz Xaver Zemp, Chef Fachbereich Verkehr der Luzerner Polizei, sagt auf Anfrage: «Nach meiner Erfahrung sind es fünf bis zehn Fälle pro Jahr.» Beim Bund gibt es Zahlen, wie oft Fahrerflucht bei Unfällen mit Verletzten begangen wird. Demnach begingen 2013 in der ganzen Zentralschweiz 99 Lenker Fahrerflucht (siehe Tabelle). Gesamthaft ist die Zahl der Unfälle mit Toten und Verletzten in unserer Region gesunken: Waren es 2011 noch 2019, zählten die Statistiker 2013 nur noch 1776. Unfälle mit Sachschaden wurden 2013 insgesamt 3149 verzeichnet, bei mehr als einem Drittel (1114) machten sich Beteiligte aus dem Staub.

Gemäss Strassenverkehrsgesetz unterscheidet man zwei Formen: Flucht nach Verursachung eines Unfalls mit Sachschaden und mit Personenschaden.

Bis zu 60 Meldungen pro Monat

Die Ermittlungen im Nachgang seien oft aufwendig, aber meistens erfolgreich, sagt Franz Xaver Zemp. Meldungen wegen pflichtwidrigen Verhaltens mit reinem Sachschaden würden bei der Luzerner Polizei zwischen 50 und 60 pro Monat eingehen – umgerechnet also tagtäglich. «Bei diesen Unfällen gibt es nicht selten eine Anzeige gegen unbekannte Täter. Vielfach melden sich die Schadenverursacher im Nachhinein, und die Betroffenen können bei Bagatellfällen die Sache untereinander klären», erklärt Zemp.

Panik, Alkohol, Angst

Doch was treibt Menschen zur Fahrerflucht? Uwe Ewert, Verkehrspsychologe bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), sagt: «Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Panik, Alkohol, Angst vor den Folgen wie etwa Verlust des Fahrausweises.» Daten zu den Gründen für Fahrerflucht gebe es für die Schweiz nicht. «Die internationale Forschung zeigt aber, dass es sich häufiger um Männer und eher um jüngere Personen handelt.»

Laut Ewert wird vermutet, dass ein solches Verhalten mit dem Reifungsprozess zu tun hat und im jungen Alter die moralischen Normen noch nicht so gefestigt sind. Dass man einen Schaden beispielsweise wegen lauter Musik nicht bemerkt, könne auch vorkommen.

Als «eher untypisch» bezeichnet Ewert den tödlichen Unfall mit Fahrerflucht in Wikon. «Bei schweren Unfällen gibt es weniger Fahrerflucht als bei Bagatellschäden. Es ist ziemlich unwahrscheinlich – aber nicht unmöglich –, dass der Lenker über mehrere hundert Meter nicht bemerkt hat, dass er jemanden mitschleift. Und da es morgens um sechs Uhr war, ist auch Alkohol eigentlich eher unwahrscheinlich. Ausser, jemand fuhr von der Fasnacht nach Hause. Hier lässt sich nur spekulieren», sagt Uwe Ewert.

Sofort anhalten

Die nach einem Unfall zu beachtenden Pflichten sind unterschiedlich. Als Grundsatz gilt aber: Wenn sich ein Unfall ereignet, müssen alle Beteiligten sofort anhalten. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort ist strafbar. Strafrechtsprofessor Andreas Eicker von der Universität Luzern, erklärt das Strafmass bei einem Verstoss gegen die Paragrafen:

  • Pflichten:«Für pflichtwidriges Verhalten bei einem Unfall wird mit Busse bestraft, wer die Pflichten verletzt, die ihm das Strassenverkehrsgesetz auferlegt. Neben der Pflicht, anzuhalten, besteht unter anderem die Pflicht, die Polizei zu benachrichtigen.»
  • Strafmass: «Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer bei einem Verkehrsunfall einen Menschen getötet oder verletzt hat und die Flucht ergreift. Das gleiche Strafmass droht ausserdem denjenigen Fahrern,die sich vorsätzlich einer angeordneten Blut- oder Atemalkoholprobe widersetzt oder entzogen haben oder den Zweck dieser Massnahmen vereitelt haben.»
  • Bussenhöhe: «Der Höchstbetrag einer Busse beträgt 10 000 Franken und derjenige einer Geldstrafe 1,08 Millionen Franken. Entscheidend sind letztlich das Verschulden sowie die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters. Unter bestimmten Voraussetzungen kommt als Sanktion auch gemeinnützige Arbeit in Betracht.»
  • Ausweisentzug:«Im Falle einer schweren Widerhandlung, beispielsweise Fahrerflucht bei einem Unfall mit Personenschaden oder Widersetzen einer Blut- oder Atemalkoholprobe, wird der Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen.»

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