VERKEHR: Fussgänger­zone auf der Luzerner Bahnhofstrasse rückt näher

Die Neugestaltung wird weiter vorangetrieben. Doch was bedeutet das fürs Theatergebäude?

Robert Knobel
Drucken
Teilen
Das Siegerprojekt des Wettbewerbs: Mit zwei Baumreihen ähnelt die umgestaltete Bahnhofstrasse dem Schweizerhofquai. (Bild: pd/Visualisierung)

Das Siegerprojekt des Wettbewerbs: Mit zwei Baumreihen ähnelt die umgestaltete Bahnhofstrasse dem Schweizerhofquai. (Bild: pd/Visualisierung)

Spazieren auf der Sonnenseite («Walk on the Bright Side») – so heisst das Siegerprojekt für die Umgestaltung der Luzerner Bahnhofstrasse. Es ist eine ironische Anspielung auf all jene Unkenrufer, die finden, eine Flaniermeile im «Schattenloch» Bahnhofstrasse sei unpassend. Das Stadtparlament hat sich am Donnerstag aber auf die Sonnenseite geschlagen und einen Planungskredit von 480'000 Franken bewilligt.

Damit nimmt die Neugestaltung der Bahnhofstrasse Luzern weiter Formen an. Der Stadtrat hatte nach dem Volks-Ja zu einer autofreien Bahnhofstrasse 2013 beschlossen, dass die Strasse nicht nur vom Verkehr befreit, sondern auch verschönert werden soll. In der Folge wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Im vergangenen Sommer wurde dann das Siegerprojekt «The Walk on the Bright Side» vorgestellt. Es sieht unter anderem eine neue Baumallee auf der Bahnhofstrasse und weitere Bäume auf dem Theaterplatz vor.

SVP möchte lieber noch warten

Genau dieser Theaterplatz gab am Donnerstag auch am meisten zu reden. Denn die Zukunft des historischen Theatergebäudes ist weiterhin unklar. Macht es Sinn, den Theaterplatz jetzt für viel Geld neu zu gestalten, wenn er in einigen Jahren einem Neu- oder Erweiterungsbau des Theaters weichen muss? Für die SVP war klar, dass mit der Umgestaltung gewartet werden muss, bis klar ist, welche Pläne das Theater hat. Die SVP beantragte deshalb, gleich das ganze Bahnhofstrasse-Projekt bis auf weiteres aufzuschieben. Damit hatte die SVP allerdings keine Chance.

Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) versicherte, dass das vorliegende Projekt auch eine nachträgliche Erweiterung des Theaters zulasse. Das sei denn auch ein wichtiges Kriterium bei der Ausschreibung gewesen. Rieska Dommann (FDP) mahnte zudem, dass ein allfälliges Theater-Bauprojekt noch in weiter Ferne liege: «Deshalb ist es sinnvoll, die Planungen für die Bahnhofstrasse jetzt in die Hand zu nehmen.»

Warum nicht sofort autofrei?

Der Zeitpunkt dafür sei keineswegs zu früh, fand auch die GLP: Andràs Özvegyi zeigte sich irritiert, dass vom Volksentscheid 2013 bis zur Eröffnung der autofreien Bahnhofstrasse 2020 sieben Jahre verstrichen sein werden: «Das ist eine wahnsinnig lange Zeit.» Özvegyi fragte sich, weshalb man die Strasse nicht sofort autofrei machen könne, ohne auf die Umgestaltung zu warten. «Faktisch ist die Bahnhofstrasse ja heute schon zweimal pro Woche autofrei. Das funktioniert seit Jahren problemlos», so Özvegyi mit Hinweis auf den Wochenmarkt, für den die Bahnhofstrasse jeweils gesperrt wird.

Für Joseph Schärli (SVP) ist der Nachweis hingegen noch nicht erbracht, dass die umliegenden Strassen den Verkehr von der Bahnhofstrasse schlucken können. «Die Pilatusstrasse wird massiv mehr belastet», warnte Schärli. Für Adrian Borgula kein Problem: Man habe dies vertieft abgeklärt – die Pilatusstrasse habe genügend Kapazität, um den Mehrverkehr aufzunehmen. Borgula zeigte sich zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Planungen. Insbesondere der Mitwirkungsprozess mit den Direktbetroffenen (Anwohner, Geschäfte etc.) habe sich bewährt: «Die ersten Treffen waren etwas ruppig, aber dann entwickelten sich konstruktive Diskussionen.»

Der Baubeginn für die erste Etappe des Bahnhofstrasse-Projekts ist für 2019 geplant. Wann die zweite Etappe erfolgt, ist noch immer offen. Diese betrifft den vorderen Teil zwischen Seidenhofstrasse und Seebrücke, der vorerst nicht autofrei wird. Der Stadtrat will aber spätestens bei Vorliegen des Bauprojekts einen verbindlichen Terminplan für die Umsetzung der zweiten Etappe vorlegen.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch