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VERKEHR: Gefahr von Senioren überschätzt

Vorschnell werden ältere Autolenker zu Kontrollfahrten aufgeboten. Einige fühlen sich diskriminiert. Die Regierung bestätigt den Missstand.
FDP-Kantonsrat Jim Wolanin geht davon aus, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Diskriminierung der Senioren am Steuer gibt. (Bild: Archiv / Neue LZ)

FDP-Kantonsrat Jim Wolanin geht davon aus, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Diskriminierung der Senioren am Steuer gibt. (Bild: Archiv / Neue LZ)

Senioren am Steuer. Immer wieder erscheint dieses Thema auf der politischen Agenda. So auch jetzt: Der Luzerner FDP-Kantonsrat Jim Wolanin hat bei der Regierung eine Anfrage eingereicht, weil er vermutet, dass Senioren zum Teil zu Unrecht für eine Kontrollfahrt aufgeboten werden.

Kantonsrat Jim Wolanin (FDP, Neuenkirch) höre immer häufiger Klagen von Senioren, die ohne medizinische Einschränkung oder Widerhandlung im Strassenverkehr zur Kontrollfahrt aufgeboten werden. Die Senioren würden nur aufgrund ihres Alters aufgeboten. «Eine solche Praxis würde eine Diskriminierung darstellen», schreibt Wolanin in seiner Anfrage vom 29. Juni.

Klagen der Senioren häufen sich

Und mit seiner Annahme liegt Wolanin nicht ganz falsch, wie der Antwort der Regierung zu entnehmen ist. Wegen einer leichten Widerhandlung im Strassenverkehr mussten im Kanton Luzern 2013 acht Senioren, die über 70 Jahre alt waren, zur Kontrollfahrt antreten, schreibt das Justiz- und Sicherheitsdepartement. Dies, obwohl das Bundesgericht festhält, dass Kontrollfahrten nur bei auffälligem Fahrverhalten gerechtfertigt sind. Auffällig heisst: Die Senioren machen einen gravierenden Fahrfehler, der eine strafrechtliche Konsequenz zur Folge hat.

Bei der kantonalen Pro Senectute hingegen gingen bisher keine Beschwerden betreffend Kontrollfahrten ein, sagt Kommunikationsleiter Jürg Lauber auf Anfrage. Die Pro Senectute sei keine Ombudsstelle, vermutet Lauber als Grund dafür. «Wir erhalten eher von Angehörigen Anfragen, die finden, dass ihr Vater oder ihre Mutter nicht mehr hinter das Steuer sollte.» In einem solchen Fall rate man den Angehörigen, sich an den Hausarzt zu wenden, sagt Lauber.

«Es gibt Diskriminierung»

Jim Wolanin hat die Anfrage eingereicht, «weil ich den Senioren Gehör verschaffen und der Sache auf den Grund gehen wollte». Immer wieder seien solche Vorwürfe im Raum gestanden. Ihm sei es darum gegangen, die Faktenlage zu klären. «Und nun ist klar: Es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Diskriminierung, diese ist aber sehr selten.»

Auch Peter Riedwyl, ehemaliger Direktor des TCS, ist oft mit Fällen, in denen Senioren zu Unrecht für eine Kontrollfahrt aufgeboten werden, konfrontiert. Riedwyl, der im Vorstand der Liberalen Senioren von Luzern sitzt, beschreibt ein kürzlich geschehenes Szenario: «Ein Senior hat die Wartelinie ‹Kein Vortritt› leicht überfahren. Mit einem vortrittsberechtigten Fahrzeug kam es zu einer seitlichen, frontalen Kollision.» Wegen Nichtgewähren des Vortritts mit Unfallfolge musste er 300 Franken Busse bezahlen, zu Recht.

Doch damit nicht genug: «Weil der Senior über 70 Jahre alt war und beim Unfall theoretisch auch Schwerverletzte oder Tote möglich gewesen wären, wurde er für eine Kontrollfahrt aufgeboten. Gemäss Gerichtspraxis sei dies aber nicht gerechtfertigt, sagt Riedwyl. Die Testfahrt sei erfolgreich absolviert worden. Trotzdem habe der Senior seinen Ausweis einen Monat abgeben müssen. «Das ist Willkür.»

Testfahrten: Nur wenige Senioren

2013 mussten gemäss Regierung 127 Personen eine Fahrkontrolle absolvieren. Davon waren 20 Personen über 70 Jahre alt. 35 Personen hatten die Kontrollfahrt nicht bestanden. Wie viele davon über 70 Jahre alt waren, ist nicht bekannt. Ein Jahr später mussten 151 Automobilisten den Fahrtest machen. 38 davon waren über 70 Jahre alt. Insgesamt gaben letztes Jahr 44 Automobilisten – rund ein Sechstel aller Geprüften – nach nicht bestandener Kontrollfahrt den Ausweis ab.

Wer aufgrund des Alters keine Kontrollfahrten absolvieren will, hat die Möglichkeit, den Führerausweis freiwillig abzugeben. Im vergangenen Jahr haben im Kanton Luzern 818 Personen den Ausweis eingereicht. Im Jahr 2013 waren es 918 Senioren, die freiwillig auf den Führerschein verzichteten.

Junge verursachen mehr Unfälle

Ein Blick in die aktuellste Statistik des Bundesamts für Strassen (Astra) vom letzten Jahr zeigt, dass Pensionäre deutlich weniger Unfälle verursachen als jüngere Lenker. So zählte das Astra im vergangenen Jahr 1760 Unfälle mit Personenschaden, die von 25- bis 29-Jährigen verursacht worden sind. Das sind schweizweit rund zwei Drittel Unfälle mehr als in der Alterskategorie der 70- bis 74-Jährigen. Letztes Jahr waren die Personen dieser Altersklasse in 579 Fällen die Unfallhauptverursacher. Ferner zeigt die Statistik des Astra, dass mit zunehmendem Alter über 74 Jahre die Zahl der Unfallverursacher abnimmt.
Die Anfrage von Jim Wolanin wird voraussichtlich nächste Woche im Kantonsrat behandelt.

Yasmin Kunz

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