VERKEHR: Gisiker wollen Fussgängerstreifen zurück

Wird eine neue Tempo-30-Zone eingeführt, werden die Fussgängerstreifen entfernt – wegen der Sicherheit. Darüber ärgern sich viele. In Gisikon werden nun Unterschriften gesammelt.

Dominik Weingartner
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Gelbe Fussabdrücke signalisieren den Fussgängern in Gisikon, wo sie die Strasse überqueren sollen. (Bild Nadia Schärli)

Gelbe Fussabdrücke signalisieren den Fussgängern in Gisikon, wo sie die Strasse überqueren sollen. (Bild Nadia Schärli)

«Es ist wesentlich sicherer, einem Fahrzeug den Vortritt zu gewähren.» Dieser Satz in der «Gisiker Dorfpost» zur Entfernung des Fussgängerstreifens in der Tempo-30-Zone auf der Wissehrlistrasse hat Martin Tiziani nachdenklich gemacht. Der Lehrer und Vater von fünf Kindern wohnt im benachbarten Honau. Seine Kinder gehen aber in Gisikon zur Schule. Unmittelbar in der Nähe des Schulhauses wurde ein Fussgängerstreifen entfernt. Stattdessen zeigen den Schulkindern nun gelbe Fussabdrücke auf dem Trottoir an, wo sie die Strasse überqueren sollen. Doch Vortritt haben Fussgänger nicht mehr. Martin Tiziani findet es bedenklich, dass die Fussgängerstreifen in den 30er-Zonen grundsätzlich entfernt werden. «Ein Fussgängerstreifen ist nach wie vor sicherer, denn so behält der Fussgänger den Vortritt», meint er.

Besorgte Eltern sammeln zurzeit Unterschriften, um eine Wiedererrichtung des Fussgängerstreifens zu erreichen. Eine der Initiantinnen ist Beatrice Barnikol. Sie wohnt in Honau, ihre Kinder gehen ebenfalls in Gisikon zur Schule. Sie betont: «Die Mehrheit der Unterschriften kommt von Gisikern.» Bisher habe man rund 75 Unterschriften gesammelt, sagt Beatrice Barnikol. Bis am 12. November will man weitersammeln und die unterschriebenen Bögen dann bei der Gemeinde Gisikon deponieren. An der Gemeindeversammlung vom 26. November soll dann über das Anliegen der Unterschriftensammler diskutiert werden.

Adligenswil: Markierung entfernt

Auch in Adligenswil wurde ein Fussgängerstreifen in einer 30er-Zone entfernt – obwohl die Zone auf der Dorfstrasse vorerst nur im Rahmen einer Versuchsphase bis im September 2015 in Betrieb ist. Der zuständige Gemeinderat Markus Sigrist (CVP) erklärt: «Im Bereich der Tempo-30-Zone wurde eine Oberflächensanierung durchgeführt. Sämtliche Strassenmarkierungen mussten im Zuge dieser Arbeiten entfernt werden. Da nun versuchsweise Tempo 30 herrscht, haben wir auf die Neumarkierung des Fussgängerstreifens verzichtet.» Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien gespalten, so Markus Sigrist. «Negative Reaktionen kommen nur von Autofahrern», sagt er.

Noch bis Ende März läuft auch in Rothenburg eine Testphase mit Tempo 30 im Dorfzentrum. Dort handelt es sich – im Gegensatz zu Adligenswil – nicht um eine Gemeinde-, sondern um eine Kantonsstrasse. In Rothenburg wurden die Fussgängerstreifen belassen. Man könne sich durchaus eine dauerhafte Tempo-30-Zone im Zentrum vorstellen, erklärte Gemeinderat Arthur Sigg (CVP) kürzlich gegenüber unserer Zeitung. Aber: «Wenn die Fussgängerstreifen entfernt würden, käme es sicher zu Diskussionen.»

Martin Tiziani ist auch schon bei der Gemeinde Gisikon wegen der Entfernung des Fussgängerstreifens beim Schulhaus vorstellig geworden. Dort habe man ihm mitgeteilt, dass Fussgängerstreifen in Tempo-30-Zonen nur in Ausnahmefällen zugelassen seien. Das ist korrekt, wie ein Blick in die Verordnung des Bundes über Tempo-30-Zonen zeigt. Dort heisst es: «Die Anordnung von Fussgängerstreifen ist unzulässig. In Tempo-30-Zonen dürfen jedoch Fussgängerstreifen angebracht werden, wenn besondere Vortrittsbedürfnisse für Fussgänger dies erfordern, namentlich bei Schulen und Heimen.»

«Schüler geben viel besser Acht»

Da sich im Fall Gisikon in unmittelbarer Nähe ein Schulhaus befindet, wäre eine Bedingung für einen Fussgängerstreifen gegeben. «Der Gemeinderat war zunächst für die Beibehaltung des Fussgängerstreifens», erklärt Josef Lötscher. Der CVP-Gemeinderat ist zuständig für die Gisiker Infrastruktur. Doch von Seiten des Kantons habe es Vorbehalte gegeben. Um dennoch zu überprüfen, ob die Sicherheit nach der Entfernung des Fussgängerstreifens gewährleistet ist, liess der Kanton an dieser Stelle das Verhalten der Fussgänger per Video überwachen. «Die Videoaufnahmen haben gezeigt, dass die Schüler ohne Fussgängerstreifen viel besser Acht geben und den Blickkontakt zum Fahrzeugführer suchen. Dadurch wird das Queren sicherer», erklärt Patrick Wicki, Projektleiter bei der kantonalen Dienststelle Verkehr und Infrastruktur.

Es komme hinzu, dass «die Fussgänger- als auch die Fahrzeugfrequenzen an der Wissehrlistrasse viel zu gering sind, als dass sie einen Fussgängerstreifen rechtfertigen würden», so Wicki. Dem widerspricht Beatrice Barnikol: «Gerade zu den Stosszeiten wird die Strasse stark befahren.»