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VERKEHR: Immer mehr Städter pendeln weg

Die Zahl der Luzerner, die an ihrem Wohnort arbeiten, hat in den letzten Jahren laufend abgenommen. Dabei sollte die Entwicklung eigentlich in die andere Richtung gehen. Die Stadt will nun Gegensteuer geben.
Stefan Dähler
Bild: Grafik: LZ

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Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Eine «Stadt der kurzen Wege» soll Luzern sein. Dieses Ziel hat der Stadtrat in der Gesamtplanung 2017–2021 festgehalten. Doch die Realität sieht etwas anders aus. In den letzten Jahren hat der Anteil der Personen, die in Luzern wohnen sowie arbeiten, abgenommen. 2000 hatten noch 67 Prozent aller erwerbstätigen Städter auch in Luzern ihre Arbeitsstelle, 2010 waren es noch 51 Prozent, bis 2015 sank der Anteil der sogenannten Binnenpendler auf 47 Prozent.

Daran, dass es zu wenig Arbeitsplätze gibt, kann es nicht liegen. Deren Zahl ist in der Stadt Luzern zwischen 2008 und 2013 von 63 000 auf 79 000 gestiegen (aktuelle Daten werden erst wieder nächstes Jahr erhoben). Also pendeln nicht nur mehr Leute von, sondern auch nach Luzern – was natürlich Verkehr generiert. Wobei der sogenannte Wanderungssaldo der Stadt Luzern klar positiv ist: 41 800 Zupendlern stehen 19 500 Wegpendler gegenüber.

In grösseren Städten gibt es mehr Binnenpendler

Die Zahlen zur Abnahme der Binnenpendler stammen aus dem kürzlich veröffentlichten Monitoring Gesamtverkehr. Sie seien allerdings mit Vorsicht zu geniessen, wie Experten sagen. Khanh Hung Duong von der kantonalen Statistik-Stelle Lustat weist darauf hin, dass bei der Befragung im Jahr 2000 – anders als bei späteren Erhebungen – die Personen mit unbestimmtem Arbeitsort den Binnenpendlern zugeteilt worden seien. Realistisch sei daher eher ein Anteil von 57 statt 67 Prozent. Zudem müsse man bedenken, dass Luzern mit den Agglomerationsgemeinden stark verwachsen sei, fügt Verkehrssoziologe Timo Ohnmacht von der Hochschule Luzern – Wirtschaft an. Betrachte man die ganze Agglomeration, sei die Zahl der Binnenpendler nur etwa halb so stark gesunken.

Nichtsdestotrotz geht der Trend – wenn auch etwas langsamer, als das Monitoring vermuten lässt – in die Richtung, dass die Zahl der Binnenpendler abnimmt. Diese Entwicklung ist übrigens auch in St. Gallen zu beobachten. Dagegen ist in grösseren Städten wie Basel, Bern und Zürich sowie in Winterthur die Zahl der Binnenpendler zwischen 2010 und 2015 gestiegen, wie der gestern veröffentlichte Städtevergleich Mobilität zeigt (siehe Grafik). Das hänge wohl mit dem grösseren Wohnungs- und Arbeitsplatzangebot zusammen, so Timo Ohnmacht.

Mischzonen für Wohnen und Arbeiten als Mittel

Bei der Entwicklung in Luzern spielen verschiedenen Faktoren eine Rolle – etwa der Wohnraum. «Erwerbstätige mit Familie finden grössere und zahlbare Wohnungen vermehrt ausserhalb der Stadt und ziehen weg, dahingegen ziehen ältere Personen verstärkt in die Stadt», sagt Ohnmacht. Weiter seien sogenannte Zentrumspendler ein Faktor. «Diese haben eine gute Stelle in einer Stadt und wohnen in einer anderen Stadt mit guten Bahnverbindungen.»

Wie kann Luzern das Ziel, die Wege kurz zu halten, dennoch erreichen? Derzeit erarbeitet die Stadt ein Raumentwicklungskonzept, das im Januar öffentlich aufgelegt werden soll. «Wichtig ist, dass es eine Branchenvielfalt mit attraktiven Arbeitsplätzen für unterschiedliche Qualifikationen gibt», sagt Sarah Grossenbacher, stellvertretende Leiterin Stadtentwicklung.

«Reine Arbeitszonen für das Gewerbe sollen erhalten bleiben, aber auch Mischgebiete für Dienstleistungsbetriebe an zentralen Lagen ermöglicht werden.» Beispielsweise sind auf den Arealen Steghof, Rösslimatt, Industriestrasse oder in Luzern Nord Bebauungen geplant, in denen es Wohnnutzungen und Arbeitsflächen geben soll. «Wichtig ist, dass diese Gebiete mit dem ÖV sowie für den Velo- und Fussverkehr gut erschlossen sind.»

Ob jemand wegpendelt, sei jedoch letztendlich eine persönliche Entscheidung, so Grossenbacher. «Das können wir nicht beeinflussen, da sonst in die Freiheit Einzelner eingegriffen werden müsste.» In einer Partnerschaft mit Familie beispielsweise müssten vermehrt Kompromisse getroffen werden, da «es ein glücklicher Zufall ist, wenn beide in derselben Stadt einen interessanten Job finden».

Dadurch, dass heute sowohl Frauen wie auch Männer arbeiten, die Verkehrsinfrastrukturen laufend ausgebaut und die Arbeitsplätze spezialisierter würden, nähmen die Pendlerströme generell zu. Die Reisezeiten zu verschlechtern, wäre eine Möglichkeit, so Timo Ohnmacht. Damit würde sich aber wohl kein Politiker beliebt machen.

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