VERKEHR: Keine Angst vor dem Billig-Bus

Ab April will der Fernbus-Riese Flixbus auch Luzern in sein Streckennetz aufnehmen. Hiesige Car-Unternehmen nehmens gelassen.

Martina Odermatt
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Flixbus bedient bereits heute Zürich. (Bild: Walter Bieri / Keystone (Zürich, 8. Dezember 2016))

Flixbus bedient bereits heute Zürich. (Bild: Walter Bieri / Keystone (Zürich, 8. Dezember 2016))

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Flixbus ist bereits in diversen Schweizer Städten anzutreffen. Erst kürzlich kündigte das Fernbus-Unternehmen an, auch Luzern ins Streckennetz aufnehmen zu wollen (Ausgabe vom 20. Januar). «Wir würden Luzern gerne ab April regelmässig anfahren», sagt Marika Vetter von Flixbus auf Anfrage. Geplant seien vor allem Strecken nach Italien oder Deutschland, «zum Beispiel Hamburg». Spruchreif sei dies jedoch noch nicht, da die Genehmigungsphase noch im Gang sei.

Der europaweit tätige Fernbus-Riese mischt also auch den Luzerner Markt auf. Für hiesige Car-Unternehmen ist das Vorpreschen von Flixbus nicht beunruhigend. «Für uns ist Flixbus keine Konkurrenz», sagt Marco Gössi, Geschäftsführer des Horwer Unternehmens Gössi Carreisen. «Wir sehen das eher als eine Bereicherung. Wenn, dann ist Flixbus eine Konkurrenz zu den SBB.» Gössi organisiere für seinen Kunden ein umfangreiches Gesamtpaket, statt ihn nur von A nach B zu transportieren. Marco Gössi ist zudem skeptisch, ob Flixbus auch in der Schweiz so erfolgreich sein wird wie in Deutschland. «Der Schweizer Konsument ist bereit, für Qualität zu zahlen», sagt er.

Zusammenarbeit mit Flixbus möglich

Auch für das Krienser Car-Unternehmen Heggli ändert sich mit der zusätzlichen Konkurrenz wenig. «Das Car-Geschäft ist bereits jetzt hart umkämpft. Flixbus stellt für uns keine grössere Konkurrenz dar als andere Car-Unternehmen», sagt Brigitte Heggli, Mitglied der Geschäftsleitung. Das Unternehmen arbeite zudem bereits mit Flixbus zusammen. «Wir führen für sie Charter-Aufträge in der Schweiz aus, beispielsweise für Vereine oder Gruppen.»

Auch Heggli baut vorläufig auf Bewährtes: «Mit unserem Angebot sind wir bislang erfolgreich. Die Kunden schätzen unsere Qualität, die modernen Fahrzeuge und die gut ausgebildeten, deutschsprachigen Chauffeure.» Trotzdem: Heggli habe sich auch schon überlegt, Konzessionen beim Bundesamt für Verkehr zu beantragen. Konkret gehe es dabei um Strecken, die heute auf der Schiene bereits stark ausgelastet sind, beispielsweise Zürich–Bern. «Doch da auch die Busse vor Staus nicht gefeit sind und Kunden wohl pünktlich bei der Arbeit sein müssen, wird diese Umsetzung schwierig.»

Heggli bleibt skeptisch, ob das Gewinn bringend umsetzbar ist. Die Diskussion um Fernbusse sei für sie trotzdem noch nicht vom Tisch, sagt sie, doch man habe sich noch zu keiner Entscheidung durchgerungen.

Auch Marco Gössi hatte sich bereits überlegt, ins Fernbus-Business einzusteigen. «Wir haben die Rechnung natürlich gemacht», sagt Gössi, doch es sei «absolut chancenlos», solche Fernreisen zu Flixbus-Preisen anzubieten. «Die Löhne und Auslagen hier sind weitaus höher als in Deutschland. Diese Rechnung geht für uns nicht auf, obwohl so ein Angebot natürlich sehr interessant wäre.» Deshalb bleibe Gössi Carreisen bei seinem Kerngeschäft und wolle seinen Kunden ein qualitativ hohes Gesamtpaket anbieten.

70 Fernbus-Linien machen in Luzern bereits Halt

Flixbus ist übrigens nicht das erste Fernbus-Unternehmen, das in Luzern tätig ist. Rund 70 Linien erschliessen Luzern ab dem Inseli oder der Autobahnraststätte Neuenkirch mit insgesamt 15 Ländern Europas, sagt Christoph Zurflüh vom Verkehrsverbund Luzern (VVL). Neu sei jedoch das europaweite flächendeckende Liniennetz von Flixbus.

Im Gegensatz zu Touristencars brauchen internationale Fernbuslinien, die nach einem festen Fahrplan verkehren, eine Bewilligung. Ausserdem dürfen sie grundsätzlich nicht in Luzern auf dem Inseli parkieren, wenn Luzern nicht Start- oder Endstation ist. Das ist eine Vorgabe der Stadt. Ist Luzern nur ein Zwischenstopp und verkehrt der Bus nachher beispielsweise noch nach Genf oder Nizza, muss der Fernbus bei der Autobahnraststätte Neuenkirch halten.

Neuer Busterminal geplant

Die A-2-Raststätte in Neuenkirch fungiert im Moment also auch als Fernbus-Bahnhof. Das soll sich in Zukunft jedoch ändern (wir berichteten). «Die ­öffentliche Hand möchte die internationalen Fernbusse vermehrt koordinieren. Zu diesem Zweck soll ein Fernbusterminal mit gutem Anschluss an den ­öffentlichen Verkehr geschaffen werden», sagt Christoph Zurflüh vom VVL. Die Planungsarbeiten sollen dieses Jahr aufgenommen werden. Welche Orte für das neue Terminal in Frage kommen und welche Kriterien der Standort erfüllen muss, sei noch nicht definiert.