VERKEHR: Neue App führt Cars zum Parkplatz

In die Carparkplätze werden ab Frühling 2017 Sensoren eingebaut. Diese melden den Chauffeuren, welche Plätze frei sind. So will die Stadt das Carproblem lösen. Doch damit sind die digitalen Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft.

Beatrice Vogel
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Die Cars am Schwanenplatz in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 17.06.2014))

Die Cars am Schwanenplatz in Luzern. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 17.06.2014))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Stellen Sie sich vor, Ihr Smartphone würde Ihnen aufzeigen, wo Sie einen freien Parkplatz finden. Sie müssten nie wieder nach Parkplätzen suchen, sondern könnten von Anfang an den schnellsten oder direktesten Weg zum freien Parkplatz wählen. An der Industriestrasse in Luzern ist dies bereits möglich. Dort hat Energie Wasser Luzern (EWL) vor einigen Monaten ihre Besucherparkplätze mit Sensoren ausgerüstet, die messen, wann, wie oft und wie lange ein Parkplatz besetzt ist. Die freien Parkplätze werden in der App angezeigt.

Am Projekt «Smart Parking» arbeitet die EWL-Tochterfirma Arcade (Ausgabe vom 22. Oktober 2016). «Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass diese Parkplätze sehr gut ausgelastet sind», sagt Stephan Marty, CEO von EWL, auf Anfrage.

Zu wenig oder zu viele Parkplätze?

Die Firma will nun auch die Mitarbeiterparkplätze mit Sensoren ausrüsten. «So können wir erheben, ob wir genug, zu wenig oder zu viele Parkplätze haben, und ob wir einige an Nachbarfirmen vermieten können», so Marty, der begeistert ist von der neuen Technologie, die auf verschiedenen Gebieten einsetzbar ist. Und bald sollen nicht nur EWL-Mitarbeiter in deren Genuss kommen: «Für die Carparkplätze wird diese Idee bereits kommenden Frühling realisiert», sagte Stephan Marty an der Mobilitätskonferenz am Mittwoch (Ausgabe von gestern).

Konkret ist Folgendes geplant: In einem Pilotprojekt werden die Carparkplätze respektive -anhalteplätze Landenberg, Löwenplatz und Schwanenplatz mit besagten Sensoren ausgestattet. Die Inbetriebnahme ist gemäss Marty per 1. April geplant, bis Ende Juni sollen erste Ergebnisse vorliegen. «Einerseits können die Carchauffeure per App über freie Parkplätze benachrichtigt werden, sodass sich der Suchverkehr verringert. Andererseits können die erhobenen Daten als Grundlage dienen, um die Carparkierung zu optimieren», so Stephan Marty.

Gemäss Roland Koch, Verkehrsexperte der Stadt Luzern, ist dieses Leitsystem Bestandteil eines Konzepts zur Carparkierung, das der Stadtrat voraussichtlich im Frühling dem Parlament vorlegt. «Das Pilotprojekt dieses Frühjahres soll die nötigen Erkenntnisse für ein komplettes webbasiertes Car-Parkleitsystem liefern, das auf die Tourismussaison 2018 hin funktionstüchtig sein soll», so Koch. «Mit dem Carleitsystem sollen unnötige Fahrten vermieden und die Belegung der Parkplätze erhoben werden.»

«Nutzen überwiegt Kosten wesentlich»

Stephan Marty rechnet mit einem Kostenaufwand von maximal 100 000 Franken für die Pilotphase, finanziert von EWL, Arcade und der Stadt Luzern. «Der Nutzen überwiegt aber die Kosten um eine Wesentliches, wenn man bedenkt, welche Schlüsse man aus diesen Daten ziehen kann.» Er spielt darauf an, dass mit diesem Leitsystem etwa das Verhalten der Chauffeure beeinflusst, die Parkplätze besser ausgelastet oder auch die Auslastung langfristig in einem historischen Vergleich aus­gewertet werden könnte. «Das sind nur die naheliegenden ­Möglichkeiten.» Man denke auch etwa daran, welchen Einfluss die per Sensor erhobenen Daten auf Parkplatzgebühren oder das Langzeitparkieren haben könnten.

«Wir sind überzeugt, dass diese Erhebungen einen Beitrag leisten werden, das Problem mit den Carparkplätzen zu lösen», so Marty. Allerdings stelle EWL nur die Datenbasis zu Verfügung. «Welche Schlüsse daraus gezogen und welche Massnahmen auf deren Grundlage ergriffen werden – das ist Sache der Stadtverwaltung und der Politik», hält er fest. Laut Marty ist es zudem möglich, langfristig normale Parkplätze nachzurüsten – private und öffentliche.