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VERKEHR: Norbert Schmassmann: «Der Trolleybus ist nicht veraltet»

Batteriebetriebene oder selbstfahrende Busse und Tickets via App statt auf Papier: Im öffentlichen Verkehr steht uns laut VBL-Direktor Norbert Schmassmann ein massiver Wandel bevor – es soll aber auch neue Jobs geben.
Roman Hodel
VBL-Direktor Norbert Schmassmann vor dem batteriebetriebenen Testbus am Bahnhof Luzern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (1. Februar 2018))

VBL-Direktor Norbert Schmassmann vor dem batteriebetriebenen Testbus am Bahnhof Luzern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (1. Februar 2018))

Roman Hodel

roman.hodel@luzernerzeitung.ch

Herr Schmassmann, die VBL testen seit einer Woche den Solaris-Bus – werden wir bald nur noch Elektrobusse auf Luzerns Strassen sehen?

Irgendwann schon, denn Elektrofahrzeugen gehört die Zukunft. Allerdings sind die heutigen Batterien noch zu wenig leistungsfähig, daher sind Elektrobusse wie auch derjenige von Solaris eher klein und nur für frequenzschwache Linien geeignet.

Aber man kann heute schon grössere Busse an Haltestellen mit Strom versorgen, wie es die Genfer machen.

Nur bedingt dies Stopps, die bis zu einer Minute dauern können, obwohl niemand ein- oder aussteigt – das strapaziert den Fahrplan und die Nerven der Kunden.

Mit dem Trolleybus verfügt Luzern über ein Elektrofahrzeug, nur gilt die Technologie als veraltet. Trotzdem bauen die VBL das Netz mit der Linie 1 nach Ebikon aus, wofür der Kantonsrat Anfang Woche grünes Licht gegeben hat. Warum macht dies Sinn?

Die Technologie ist nicht veraltet – im Gegenteil. Es gibt sogar Städte, die jetzt noch Trolleybusse einführen. Wir haben zu diesem Zweck Fahrzeuge beispielsweise nach Salzburg oder Lyon ausgeliehen. Entscheidend ist, dass sich diese Technologie bewährt hat, und genau das brauchen wir auf Hauptachsen. Die Linie 1 zählt 50 Prozent mehr Fahrgäste als die am meisten frequentierte S-Bahn im Kanton ­Luzern, da können wir nicht experimentieren.

Der Elektroantrieb ist das eine – künftig werden wir auch vermehrt in selbstfahrenden Bussen sitzen. Was bedeutet dies fürs Personal?

Wir werden dereinst weniger Chauffeure brauchen, dafür mehr Personal für die Sicherheit oder Kontrolle. Neue Jobs dürfte es auch im Backoffice und in der Informatik geben. Der öffentliche Verkehr wird nie völlig menschenfrei sein. Aber wir mutieren vom «Gasgeber» zum Gastgeber.

Vielen Leuten ist mulmig zu Mute beim Gedanken an selbstfahrende Busse.

Dabei weiss man heute: Wären alle Fahrzeuge selbstfahrend, gäbe es kaum noch Verkehrstote. Ein Mensch am Steuer bedeutet nicht unbedingt mehr Sicherheit. Aber ich habe Verständnis für die Skepsis gegenüber Neuem. Es wird sich auch nicht alles auf ­einen Schlag ändern.

Sondern?

Ein sukzessiver Prozess. Man muss von einer langen Übergangszeit ausgehen, in der es sowohl selbstfahrende als auch von Menschen gesteuerte Fahrzeuge geben wird. Gleiches gilt übrigens auch für das Beziehen von Tickets. Zwar bieten wir heute schon zwei Apps an, trotzdem dürften die Automaten mit ihren Papiertickets und die bedienten Verkaufsstellen bestimmt noch einige Jahre Bestand haben.

Bei der ÖV-App benötige ich minimale Kenntnisse der Tarifzonen, bei der Fairtiq-App muss ich beim Betreten des Busses einchecken und beim Aussteigen quittieren. Wann kommt die App, die alles selber registriert und abrechnet?

Die Fairtiq-App registriert schon heute automatisch und rechnet den für den Kunden günstigsten Preis ab. Nur das Auschecken muss quittiert werden. Viele sind froh, dass sie bei der Fairtiq-App danach gefragt werden und so die Kontrolle haben. In der nächsten Zeit erwarten wir ohnehin eine gesamtschweizerische App-Lösung, bei welcher die Fairtiq-Technologie mit dem Best-Preis-Prinzip integriert sein wird.

Wie funktioniert dieses Prinzip?

Wenn jemand beispielsweise hintereinander in einer Zone Einzelfahrten löst, wird ihm irgendwann nur noch ein Monatsabo verrechnet, womit zusätzliche Fahrten dann «gratis» sind. Das Gleiche wäre beim GA denkbar. Kurz gesagt: Der ÖV-Kunde braucht sich nicht mehr um Tarife zu kümmern und erhält automatisch den für ihn günstigsten Preis.

Apps, Schalter, Automaten – ist das Betreiben mehrerer Systeme gleichzeitig nicht teuer?

In der Übergangszeit wird es Parallelwelten geben, was kurzfristig zu Mehrkosten führt. Doch nur so können wir sowohl den jungen digitalaffinen wie auch den älteren, Smartphone-losen Kunden gerecht werden.

Bei allen Vor- und Nachteilen der Digitalisierung – wenn die Bevölkerung weiter derart wächst, stossen die VBL selbst mit den Doppelgelenkbussen an Grenzen. Was dann, braucht es doch noch ein Tramnetz?

Wir haben in Luzern bereits das Tram – auf Pneus, unsere R-Busse. Für ein schienengebundenes Tramsystem hingegen fehlen der Platz und das Geld. Unsere Mobilität wird sich ohnehin noch massiv verändern – in Richtung «nutzen statt besitzen»: Man wird vermehrt in selbstfahrenden Sharing-Fahrzeugen unterwegs sein, ohne dass man diese besitzen muss. Wir stehen erst am Anfang eines gewaltigen Veränderungsprozesses in der Gesamtmobilität.

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