VERKEHR: Parkhaus Musegg: Thun machts vor

Ein unterirdisches Parkhaus soll die Luzerner Innenstadt vom Verkehr entlasten. In Thun ist ein ähnliches Projekt geplant. Von den dortigen Erfahrungen wollen auch die Luzerner Initianten lernen.

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So soll das Parking im Schlossberg Thun aussehen: Das Projekt der Marti Tunnelbau AG sieht eine Konstruktion ohne Stützpfeiler vor. Eine Fräsmaschine hölt eine Kaverne aus, anschliessend werden vier Parkdecks eingebaut. (Bild: Visualisierung Marti Tunnelbau AG)

So soll das Parking im Schlossberg Thun aussehen: Das Projekt der Marti Tunnelbau AG sieht eine Konstruktion ohne Stützpfeiler vor. Eine Fräsmaschine hölt eine Kaverne aus, anschliessend werden vier Parkdecks eingebaut. (Bild: Visualisierung Marti Tunnelbau AG)

Hugo Bischof

Ein neues unterirdisches Parkhaus im Musegghügel soll die Luzerner Innenstadt vom Verkehr entlasten. Das plant eine private Trägerschaft, unterstützt vom Luzerner Stadtrat. In der Stadt Thun mit rund 43 000 Einwohnern etwa halb so gross wie Luzern – ist man in der Frage der innerstädtischen Verkehrsberuhigung schon einen Schritt weiter. Und die Strategie ist eine ganz ähnliche wie beim Parkhaus Musegg: Im Thuner Schlossberg soll ein unterirdisches Parkhaus gebaut werden.

Es ist noch eine Beschwerde hängig

Das Projekt ist zur Ausführung bereit, noch fehlt aber wegen einer hängigen Beschwerde die offizielle Baubewilligung der Stadt. «Doch wir erwarten diese in den nächsten Wochen», liess die Parkhaus Thun AG, Bauherrin des neuen Schlossberg-Parkings, vor kurzem verlauten.

Der Grundgedanke hinter dem Thuner Schlossberg-Parking ist ähnlich wie in Luzern: Die Innenstadt soll vom Verkehr entlastet werden, und es sollen ober­irdische Parkplätze abgebaut werden. In Thun betrifft es rund 240 Parkplätze, in Luzern sollen nach Eröffnung eines Musegg-Parkings bis zu 600 Parkplätze in der Innenstadt aufgehoben werden. Wie in Luzern gibt es auch in Thun kritische Stimmen. Insbesondere linke Parteien warnen, dass mit dem Parkhaus die Thuner Verkehrsprobleme nicht gelöst werden könnten. Auch gibt es Bedenken bezüglich Geologie und Erschütterungen des historischen Stadtkerns. In Absprache mit den Einsprechern gab die Parkhaus Thun AG ein zusätzliches Gutachten in Auftrag. Dieses soll noch einmal kritisch hinterfragen, ob die bisherigen Untersuchungen und Annahmen zur Geologie und zur vorgesehenen Bauweise stimmen. Die Investoren hoffen, dass der Spatenstich in der zweiten Jahreshälfte 2015 erfolgen kann. Eröffnen möchten sie das neue Parkhaus 2018.

Es gibt aber auch Unterschiede zwischen den beiden Städten. In Thun stand von Anfang an nur ein Projekt zur Auswahl eben das Parkhaus im Schlossberg mitten in der Altstadt. Eine Alternative wie das Projekt Metro in Luzern mit zwei Parkhäusern am Rand der Stadt und einer Schnellbahn ins Zentrum stand in Thun nie zur Diskussion. Ein weiterer Unterschied: In Thun war von Carparkplätzen nie die Rede. Hier soll das neue Parkhaus 300 bis 350 Autoparkplätze umfassen. In Luzern hingegen ist die Carparkierung ein zentraler Punkt. Auf der untersten Etage des fünfstöckigen Musegg-Parkings sind 36 Carparkplätze geplant – ein späterer Ausbau ist möglich. Auf den vier Etagen darüber soll es 700 Autoparkplätze geben.

Stadt Thun beteiligt sich

Ein weiter Unterschied sind die Kosten: In Luzern rechnet die Musegg Parking AG für ihr Projekt mit Investitionskosten von 150 Millionen Franken beim viel grösser dimensionierten Projekt Metro (2500 Auto-, 170 Carparkplätze) ist gar von 400 Millionen Franken die Rede. Da nehmen sich die Kosten für das Schlossberg-Parking in Thun bescheiden aus. Die Parkhaus Thun AG rechnet dafür mit Gesamtkosten von 40 bis 50 Millionen Franken.

Die Stadt Thun, die mit 57 Prozent an der Parkhaus Thun AG beteiligt ist, übernimmt einen Teil der Investitionskosten. 6 Millionen Franken beträgt der städtische Investitionsbeitrag. Im November 2012 sagten 52,55 Prozent der Thunerinnen und Thuner dazu bei einer Abstimmung Ja. Der städtische Investitionsbeitrag wurde inzwischen in ein zinsloses langfristiges Darlehen umgewandelt. Die Finanzierung erfolgt ansonsten hauptsächlich über Parking­gebühren und Fremdkapital.

Fels wird weggefräst

Gebaut werden soll das Schlossberg-Parking in Thun von der Marti Tunnelbau AG aus Moosseedorf. Zum Einsatz kommen wird eine Teilschnittmaschine, die den Fels wegfräst. Dank Verzicht auf einen Sprengvortrieb sollen die Risiken möglicher Gebäudeschäden durch allfällige Erschütterungen minimiert werden. Dass das Verfahren dennoch nicht unumstritten ist, zeigt die hängige Einsprache. Auch in Luzern haben besorgte Anwohner mit einer Volksmotion vor einer «statischen Gefährdung der Museggmauer durch die Aushöhlung des Musegghügels» gewarnt. Fritz Studer, Verwaltungsratspräsident der Parkhaus Musegg AG, erklärte, dass man das Projekt in Thun genau beobachten und die dortigen Erfahrungen aufnehmen wolle.