VERKEHR: Parteien uneins über Prioritäten

Der Hochdorfer Gemeinderat will das Dorfzentrum entlasten. Unschlüssig ist man allerdings darüber, wann der Startschuss erfolgen soll.

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Das sind die grössten baulichen Strategien aus dem vom Gemeinderat Hochdorf in Auftrag gegebenen Verkehrsbericht. (Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ)

Das sind die grössten baulichen Strategien aus dem vom Gemeinderat Hochdorf in Auftrag gegebenen Verkehrsbericht. (Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ)

Ernesto Piazza

Der Hochdorfer Gemeinderat will die zunehmende Verkehrsbelastung im Zentrum aktiv angehen. Das von ihm in Auftrag gegebene Schriftstück (Ausgabe vom 14. Januar) sieht zur Bekämpfung der Verkehrsüberlastung fünf Strategiepunkte vor. Sie sollen zu einer Reduktion von 35 Prozent führen.

Für CVP-Ortsparteipräsident Marco Uhlmann sind die aufgezeigten Massnahmen «ein erster Schritt in die richtige Richtung». Wenn man die Situation zu den Rushhour-Zeiten betrachte, seien die Staus im Seetal – speziell in Eschenbach und Hochdorf – eine «Katastrophe». Der Bericht zeige aber auch auf, dass nicht eine Massnahme dieVerkehrsprobleme löse. Vielmehr müsse ein ganzer Strauss – wie sie der Bericht jetzt aufzeigt – zur Lösung beitragen.

Seetal: Entwicklung geht weiter

Das Thema Verkehr steht in Hochdorf schon seit längerer Zeit auf der politischen Agenda. So schickte beispielsweise der Kantonsrat im November 2014 die Variante Talstrasse bachab.

Uhlmann sagt: «Man kann noch so viel von der Y-Achse reden. Die Entwicklung des Seetals wird weitergehen.» Und parallel mit ihr nimmt auch der Verkehr zu. Nur: Die im Bericht aufgeführten Strategiepunkte sind nicht von heute auf morgen zu realisieren. Der CVP-Ortsparteipräsident sagt: «Es dürften wohl 15 Jahre vergehen, bis man mit den ersten Bauarbeiten beginnen kann.»

Von den Prioritäten her siedelt Uhlmann die Südumfahrung (siehe Grafik) zuoberst an. Finanziell betrachtet geht es dabei um den grössten Brocken. Was Uhlmann bei der Analyse des Verkehrsberichts jedoch fehlt, ist eine Anbindung Richtung Rothenburg. «Diese müsste ab der Industriestrasse erfolgen.»

FDP-Ortsparteipräsident Franz Arnold spricht von einem «guten und sehr ausführlichen Verkehrsbericht». Positiv wertet er auch die angedachte Etappierung und die parallele Umsetzung von organisatorischen Massnahmen, wie zum Beispiel den Hauslieferdienst. Die Industriestrasse hat für ihn erste Priorität. Der Grund: «Dieses Projekt ist im Vergleich zu den anderen Varianten einfacher und ohne grosse Kosten zu erstellen.» In der Folge sieht er die sogenannte Netzergänzung sowie die Südumfahrung. Dagegen erwachende Opposition und Verhandlungen mit Grundeigentümern – sie müssten wohl Land für die beiden Projekte abtreten – dürften die Zeitschiene jedoch belasten. «Deshalb sollte mit der Realisierung so schnell wie möglich begonnen werden», sagt Arnold. Er vermutet: «Wenn man morgen mit der Planung beginnen kann, sollte der Baustart in 10 Jahren möglich sein.»

Hochdorf ersticke im Verkehr. Deshalb sei es gut, dass man jetzt überhaupt etwas gegen diese Belastung machen wolle, betont SVP-Ortsparteipräsident Hubert Abt. «Der Verkehrsbericht umfasst zwar eine Menge guter Ideen, doch ich zweifle daran, ob sie tatsächlich umgesetzt werden können.» Er führt zwei Gründe dazu an: Einerseits ginge es um Kulturland, welches Landwirte dafür hergeben müssten. Hier war die Opposition bereits bei der politisch gescheiterten Talstrasse massiv. Und andererseits stünden die dafür benötigten finanziellen Mittel von Seiten Kanton und Gemeinde kaum in ausreichendem Mass zur Verfügung, mutmasst Abt. Weiter gibt der SVP-Ortsparteipräsident zu bedenken, dass im Dorfzentrum viele mit blauer Zone markierte Parkplätze einer Aufwertung des Dorfkerns, wie es heisst, zum Opfer fallen könnten. «Daran hätte das Gewerbe sicherlich keine Freude.»

Verändertes Mobilitätsverhalten

Diese Woche traf sich die Interessengemeinschaft «IG QuerfeldNein» mit Gemeindevertretern von Eschenbach, Ballwil und Hitzkirch zu einem Brainstorming. Sie hatte seinerzeit die Talstrasse erfolgreich bekämpft. Es sei eine sehr konstruktive Diskussion gewesen, sagt IG-Mitglied und SP-Ortsparteipräsident Hans Bächler. Für ihn ist jedoch klar: «Einfach mit mehr Strassenbau auf die Verkehrsprobleme zu reagieren, ist nicht die alleinige Lösung und nicht mehr zeitgemäss. Das zeigt auch der Verkehrsbericht.» Eine der dort aufgelisteten Strategien zielt auf verändertes Mobilitätsverhalten wie Fahrgemeinschaften, Hauslieferdienste und Veloförderung in den Dörfern. Das werde in naher Zukunft zum Trend, ist Bächler überzeugt. «Damit aber solches ins Laufen kommt, braucht es eine Initialzündung in Form eines Kick-offs.» Der Ball liege jetzt bei den Gemeinden. Wenn man das Zentrum entlasten wolle, brauche es eine Kombination von Massnahmen und vor allem «kein gegenseitiges Ausspielen der verschiedenen Strategien».