VERKEHR: «Pilatusstrasse kommt an die Grenzen»

Die Bahnhofstrasse wird ab 2019 teilweise autofrei. Dafür müssen andere Strassen noch mehr Verkehr schlucken. Kritisch wirds vor allem auf der Pilatusstrasse.

Christian Glaus
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Auf der Pilatusstrasse wird der Verkehr um einen Viertel zunehmen - sobald die Bahnhofstrasse autofrei wird. (Bild: Archiv Neue LZ)

Auf der Pilatusstrasse wird der Verkehr um einen Viertel zunehmen - sobald die Bahnhofstrasse autofrei wird. (Bild: Archiv Neue LZ)

Christian Glaus

Die Bahnhofstrasse soll autofrei werden. Das hat das Stadtluzerner Stimmvolk im September 2013 mit 56 Prozent Ja-Stimmen entschieden. Im kommenden Herbst soll der Wettbewerb für die Umgestaltung zu einer Flaniermeile beginnen. Geplant ist zusätzlicher Platz für Boulevardcafés und eventuell auch ein neuer Zugang zur Reuss.

Doch die Umsetzung der autofreien Bahnhofstrasse ist komplex – vor allem weil die Autos aus dem Parkhaus Flora nur via Bahnhofstrasse wegfahren können. Deshalb soll die autofreie Bahnhofstrasse in zwei Etappen umgesetzt werden: Die erste ist für 2019 geplant. Dann wird die Bahnhofstrasse für den Durchgangsverkehr gesperrt, umgestaltet und die oberirdischen Parkplätze aufgehoben. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus Flora führt allerdings weiterhin über die Bahnhof­strasse. Das macht bis zu 20 Fahrten pro Stunde aus. Erst in einem zweiten Schritt soll die Bahnhofstrasse auf ihrer ganzen Länge vollständig autofrei werden. Wann dies realisiert wird, ist allerdings noch offen.

300 Fahrzeuge in der Spitzenstunde

Auf Anfrage unserer Zeitung hat die Stadt Luzern nun offengelegt, wie sich die Verkehrsströme mit der Umsetzung der ersten Etappe verändern werden. Die Berechnungen beziehen sich auf die Spitzenstunde (werktags zwischen 17 und 18 Uhr und samstags zwischen 15 und 16 Uhr). In den Spitzenstunden fahren heute rund 300 Fahrzeuge über die Bahnhofstrasse, wie eine Verkehrszählung mittels Nummernerhebung ergeben hat. Ein Drittel bis die Hälfte davon (100 bis 150 Fahrzeuge) ist Durchgangsverkehr. Autofahrer also, die vom Norden oder von der Hirschmattstrasse her kommen und via Hirschengraben und Bahnhofstrasse zum Bahnhof oder über die Seebrücke fahren. Den Rest machen Fahrzeuge aus, die aus dem Parkhaus Flora kommen, Waren anliefern oder auf der Bahnhofstrasse parkieren. Da die 42 Parkplätze auf der Bahnhofstrasse aufgehoben werden, entfällt künftig dieser Teil des Verkehrs.

Ein Viertel mehr Verkehr

Der Verkehr von der Bahnhofstrasse wird sich gemäss Berechnungen der Stadt folgendermassen verlagern: Via Bundesplatz zum Bahnhof (zirka 50 Fahrzeuge, siehe Grafik). Oder via Pilatusstrasse Richtung Seebrücke (zirka 100 Fahrzeuge). Etwa 40 davon stammen aus dem Parkhaus Kantonalbank – diese fahren neu über die Pilatus­strasse Richtung Seebrücke. Das bedeutet: Die Pilatusstrasse muss in Spitzenstunden etwa 100 zusätzliche Fahrzeuge aufnehmen. Heute sind es zwischen 17 und 18 Uhr 400 bis 450 Fahrzeuge. In anderen Worten: Der Verkehr auf der heute schon teilweise überlasteten Pilatusstrasse wird um einen Viertel zunehmen.

Stau ist Definitionssache

«Zu Spitzenstunden wird die Pilatus­strasse an die Kapazitätsgrenze kommen», sagt Roland Koch, Verkehrsexperte der Stadt Luzern. «Sie mag den Verkehr aber noch schlucken.» Was das bedeutet, ist Definitionssache. Wer mit dem Auto nur noch stockend durch die Stadt fahren kann, wird wohl von Verkehrsüberlastung oder Stau reden. Bei der Stadt legt man «den Verkehr noch schlucken» etwas anders aus. Koch: «Ein noch fliessender aber stockender Verkehr gilt als bewältigbar. Problematisch wäre ein Stau, der andere Knoten blockiert.» Beispielsweise den Pilatusplatz. Dass es so weit kommen wird, damit rechnet Verkehrsexperte Roland Koch aber nicht. Zudem hofft die Stadt, mit dem kürzlich vorgestellten Gesamtverkehrskonzept den Verkehr in den Spitzenstunden im Stadtzentrum allgemein reduzieren zu können.

Künftig mehr Schleichverkehr?

Allerdings könnte es auch sein, dass die Autofahrer ganz anders auf die Bahnhofstrasse-Sperrung reagieren und andere Schleichwege wählen – etwa durchs Hirschmattquartier. Roland Koch sagt dazu: «Damit rechnen wir nicht. Der Schleichverkehr durch das Hirschmattquartier ist zeitaufwendig und deshalb nicht attraktiv. Zudem führt er letztlich doch über die Pilatus- oder die Zentralstrasse.»

Mehr Verkehr schlucken muss künftig auch der Bundesplatz. In der Spitzenstunde sind es heute bis zu 2000 Fahrzeuge, die dort durchfahren. Gemäss den Berechnungen der Stadt kämen künftig 50 hinzu, was gemäss Koch verkraftbar ist. Dies erst recht vor dem Hintergrund der geplanten Umgestaltung des Bundesplatzes, welche die Kapazität des Kreisels weiter erhöhen soll. Dagegen ist aber noch eine Einsprache von Pro Velo hängig (Ausgabe vom 17. August).

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Auswirkungen auf eine autofreie Bahnhofstrasse ab 2019. (Bild: Grafik: Neue LZ)

Auswirkungen auf eine autofreie Bahnhofstrasse ab 2019. (Bild: Grafik: Neue LZ)