VERKEHR: Reussbühl: Wege werden weiter

Staus und lange Wege zur Bushaltestelle – Reussbühl leidet unter den Bauarbeiten am Seetalplatz. Doch das lohnt sich, sagt der Präsident des Quartiervereins.

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Das Nadelöhr Reussbühl (Bild: Grafik lsi)

Das Nadelöhr Reussbühl (Bild: Grafik lsi)

Stephan Santschi

Reussbühl soll einer der Gewinner der neuen Verkehrsführung am Seetalplatz sein. Doch seit der Öffnung der neuen Umfahrungsstrasse am letzten Samstag haben sich die Probleme akzentuiert. Am Dienstagabend brach der Verkehr sogar in der ganzen Region Luzern zusammen, weil viele Autofahrer weiterhin durch Reussbühl fuhren, statt die neue Strasse zu benützen (Ausgabe vom Mittwoch). In Reussbühl selber ist man darüber alles andere als erfreut. «Die Situation ist sehr unbefriedigend», sagt etwa der Reussbühler Ingo Hoffmann. «Die Leute stossen sich an der neuen Verkehrsführung», sagt auch Hans Ruedi Ramseier, Gesamtprojektleiter des Projekts Seetalplatz. Denn Reussbühl ist nun zum Nadelöhr geworden für all die Autofahrer, welche fälschlicherweise die alte Strecke anstelle der Umfahrung benutzen. Die alte Hauptstrasse wird umgebaut und soll nur noch den Anwohnern als Zubringer dienen. Doch wegen des weiterhin grossen Durchgangsverkehrs stehen nun auch die Reussbühler Autofahrer im Stau.

Bus blockiert die Autos

Beim alten Kreisel Frohburg wird die Strasse unterhalb der Kirche verbreitert und die Stützmauer erneuert. Der Verkehr Richtung Luzern (Einbahn) und nach Ruopigen (beide Richtungen) wird einspurig geführt und durch Ampeln geregelt. Erschwerend hinzu kommt die provisorische Bushaltestelle Frohburg just vor der Ampel. Wenn Fahrgäste zusteigen, blockiert der Bus trotz Grünphase die hinter ihm stehenden Fahrzeuge. Der Verkehr staut sich, wie letzten Dienstag, bis zum Seetalplatz zurück. Forderungen nach einer Verlegung der Haltestelle entgegnet Ramseier so: «Technisch ist das nicht möglich. Wir wüssten wegen der Bauarbeiten nicht, wo wir sie hinstellen sollten.»

Dieselbe Baustelle sorgt an der Ampel auf der Ruopigenstrasse für einen Rückstau der Fahrzeuge, die aus Ruopigen kommen. Anwohner Hoffmann befürchtet, dass der Verkehr dort bald zum Erliegen kommen könnte. Sein Vorschlag: Die Öffnung der Rothenbad­strasse Richtung Rothenstrasse, um zumindest den Verkehr zwischen Littau und dem Seetalplatz umzuleiten. Demgegenüber ist die Stadt Luzern «eher kritisch und zurückhaltend eingestellt», wie Milena Scherer, Verkehrsingenieurin beim Tiefbauamt, sagt. «Seit 2003 herrscht dort ein Fahrverbot. Wohnquartiere sollten möglichst wenig mit Durchgangsverkehr belastet werden. Über die Rothenbadstrasse gelangen normalerweise Schüler von Emmenbrücke zur Kantonsschule.»

Bushaltestelle ausser Betrieb

Von der alten Hauptstrasse kann man zwar in die Umfahrungsstrasse einbiegen. Vor der Ampel hat aber nur ein Fahrzeug Platz. Weitere Abbieger stehen auf der Hauptstrasse und blockieren jene Autolenker, die Richtung Luzern wollen. Ramseier weiss, dass «wir hier einen sehr kurzen Stauraum haben.» Er gibt aber Entwarnung, wenn er sagt: «In zirka einem Monat wird diese Kreuzung mit zwei Spuren neu gestaltet sein.» Möglicherweise wird dann stadteinwärts auch die Bushaltestelle Schiff wieder in Betrieb genommen werden können. Diese ist nämlich wegen der Bauarbeiten vorübergehend aufgehoben. Nicht mehr bedient ist auch die bisherige Haltestelle Frohburg in Fahrtrichtung Emmenbrücke. Da der Bus jetzt über die Umfahrungstrasse fährt, wurde dort eine provisorische Haltestelle eingerichtet (siehe Grafik). Doch diese ist wesentlich weiter von den Wohngebieten entfernt als die bisherige.

Aufgehoben wurde auch die Haltestelle Zollhaus in Fahrtrichtung Emmenbrücke. Das ist insbesondere für die ÖV-Benutzer, die im oberen Reussbühl wohnen, eine beschwerliche Sache. Wenn sie mit dem 2er-Bus von der Stadt kommen, müssen sie entweder bei der weit entfernten Haltestelle Frohburg aussteigen. Oder sie fahren bis zur Endstation und dann wieder zurück Richtung Stadt und steigen im Zollhaus aus. «Wir haben von Beginn an gesagt, dass es für Reussbühl ein schwieriges Jahr geben wird. Jetzt ist es so weit», sagt Ramseier und betont: «Ohne Umbau sind nun mal keine Verbesserungen möglich.» Nach Abschluss der Bauarbeiten in einem Jahr soll der Bus dann wieder in beiden Richtungen auf der alten Strecke durch Reussbühl fahren. Auch die bisherigen Haltestellen werden dann wieder in Betrieb sein.

Auch Fabrizio Laneve, Präsident des Quartiervereins Reussbühl, sagt: «Es ist aktuell sicher nicht schön, die Situation hat sich für uns verschlechtert. Wenn wir aber schauen, was uns die Neugestaltung des Seetalplatzes letztlich bringen wird, lohnt es sich, Geduld zu haben.» Laneve betont, dass die Umfahrungsstrasse das Verkehrsaufkommen in Reussbühl auf lange Frist massiv reduzieren werde.

Polizei kann Autofahrer nicht büssen

Für eine sofortige Entspannung könnten die Autofahrer sorgen, indem sie die Hauptstrasse nicht mehr als Durchfahrtstrecke nach Luzern nutzen. Verbieten kann man es ihnen allerdings nicht, durch Reussbühl zu fahren, weil vom Seetalplatz in die Hauptstrasse kein Fahrverbot besteht. Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, glaubt, dass sich der Durchgangsverkehr bald von alleine reduzieren werde. Dann, wenn der Autofahrer merke, dass es über die neue Reussbühlstrasse schneller gehe.