VERKEHR: Salzsole - die neue Wunderwaffe des Winterdienstes

Um Eisglätte und schneebedeckte Fahrbahnen zu verhindern, setzt der Kanton Basel-Stadt auf Salzsole. Die wässrige Lösung kommt auch in Luzern zum Zug – allerdings nur unter gewissen Bedingungen.

Evelyne Fischer
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Salzsole ist eine wässrige Lösung. Auf dem Bild zu sehen ist Streusalz. (Symbolbild: Werner Schelbert (Zug, 16. Dezember 2010))

Salzsole ist eine wässrige Lösung. Auf dem Bild zu sehen ist Streusalz. (Symbolbild: Werner Schelbert (Zug, 16. Dezember 2010))

Die Kombination von Nebel oder Niederschlägen und tiefen Temperaturen ist Fahrzeuglenkern ein Graus: Eisglätte droht. Wie ein Bericht der Rheinsalinen zeigt, kommt ein Auto auf glatter Strasse bei einer Vollbremsung mit Tempo 50 erst nach 100 Metern zum Stillstand, auf Schnee nach rund 37 Metern. Wurde Auftausalz gestreut, verringert sich der Bremsvorgang auf etwa 20 Meter.

Entsprechend wichtig ist der Winterdienst. Der Kanton Basel-Stadt setzt neu auf Salzsole (siehe Kasten): Nach einem Testlauf im letzten Jahr wird die wässrige Lösung heuer im Normalbetrieb eingesetzt. Die Vorteile dafür überwiegen, schreibt die Stadtreinigung: Das Versprühen von Sole «reduziert den Salzverbrauch», das Mittel könne «präventiv» bereits am Vorabend ausgebracht werden und verringere Nachteinsätze. «Damit besteht auch nicht die Gefahr, dass Winterdienstfahrzeuge im Morgenverkehr stecken bleiben.»

In Luzern liegt die Testphase bereits weiter zurück: «Im Winter 2014/15 haben wir auf der Autobahn A 14 zwischen Rotsee und Rütihof Salzsole ausprobiert und gute Erfahrungen gemacht», sagt Roger Flori von der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur. «Seither setzen wir auf Autobahnen mit trockenen Fahrspuren präventiv Sole ein.» Die Lösung eigne sich besonders gut vor einsetzendem Schneefall, als Puffer zwischen Schnee und Strassenoberfläche. Bei nasser oder feuchter Fahrbahn hingegen tauge Sole weniger. «Durch das vorhandene Wasser wird die konzentrierte Menge Salz in der Sole verdünnt, was die Tauwirkung verringert.»

Salzverbrauch verringert sich

Gegenüber anderen Auftaumitteln hat Sole einen grossen Vorteil: Der Winterdienst braucht weniger Salz. «Davon profitiert die Natur», so Flori. Beim Einsatz von reiner Sole werden 4 Gramm gelöstes Salz pro Quadratmeter aufgesprüht. Bei Feuchtsalz sind es auf der gleichen Fläche zirka 6,6 Gramm. Ob sich Sole finanziell lohnt, kann Flori noch nicht sagen. «Da Sole mit einem Tempo von 75 Stundenkilometern ausgebracht werden kann, sparen wir auf Autobahnen ein Fahrzeug.» Salzstreuer sind maximal mit 55 Stundenkilometern unterwegs, daher brauchte es jeweils zwei Fahrzeuge. Um Sole auszubringen, ist zusätzlich ein Sprühgerät nötig, und das Fahrzeug muss über ein Wechselsystem verfügen. «Dies erfordert zusätzliche Investitionen in die Winterdienstinfrastruktur.»

Wie eine Umfrage in fünf Gemeinden zeigt, scheint dies der Knackpunkt zu sein: «Es sind komplett andere Geräte, die für die Ausbringung von reiner Salzsole benötigt werden», sagt etwa Matthias Senn, Bauvorsteher der Gemeinde Kriens. Hier kommt mehrheitlich Feuchtsalz zum Einsatz. «Bei den heutigen Verkehrsbelastungen ist dies vorteilhaft. Werden Streufahrten erst bei Glatteis oder Schnee gefahren, kommt es sofort zu Unfällen oder Staus.» Der präventive Einsatz sei volkswirtschaftlich sinnvoll: «Wir streuen so viel wie nötig und so wenig wie möglich.»

Auch Willisau braucht keine Salzsole. Zum einen verfüge man nicht über die speziell ausgerüsteten Fahrzeuge. Zum anderen reiche bei Gemeinde- und Quartierstrassen Streusalz aus, sagt Roland Albisser, Leiter des Werkdienstes. «Bei Schnellstrassen macht Salzsole Sinn. Die wässrige Lösung verhindert, dass das Salz verfliegt.» Ruswil vertraut ebenfalls auf Trockensalz. Je nachdem kämen Mengen «zwischen 20 bis 200 Tonnen» zusammen, so Werkdienstleiter Peter Frei. «Auf umweltbelastendes Splitten verzichten wir. Mit dem heutigen Verkehrsaufkommen wäre der Splitt im Nu verweht.»

Ferner setzt auch Rothenburg bislang auf Trockensalz, sagt Daniel Renggli, Leiter des Werkdienstes. Für ihn hätte die Kombivariante Feuchtsalz grosse Vorteile: «Die Lösung kann vorbeugend ausgebracht werden.» Ihre Streuer können erst ausrücken, wenn die Strassen feucht sind. «Wird eine Ersatzbeschaffung eines Fahrzeugs nötig, kommen die Varianten Feuchtsalz und Sole daher sicher aufs Tapet.» Gleich tönt es in Entlebuch: «Sole kommt bei uns nicht zum Einsatz», sagt Josef Stalder, Leiter des Werkdienstes. Mit einem kleinen Streuer befreie man heute Trottoirs und Nebenstrassen von Schnee und Eis. «Müssen wir diesen einst ersetzen, werden wir die Technik neu beurteilen.»

Evelyne Fischer
evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Drei verschiedene Auftaumittel

Im Winterdienst kommen folgende Methoden zum Einsatz: Weit verbreitet ist Trockensalz. Dieses besteht zu einem Grossteil aus Kochsalz. Um die volle Wirkung zu entfalten, braucht Trockensalz die Feuchtigkeit aus der Umgebung. Grösster Nachteil: Trockensalz wird schnell von der Fahrbahn verweht. Feuchtsalz besteht aus Trockensalz, dem eine Salzlösung (Sole) als Haftmittel zugefügt wird. Es bleibt sofort auf der Fahrbahn kleben. Als Sole bezeichnet man die Salzlösung, mit der Strassen besprüht werden. Der Lösungsfilm auf der Fahrbahn verhindert das Festfrieren von Eis. Mit Sole sind präventive Einsätze möglich. Das Auftaumittel eignet sich speziell auf Fahrbahnen mit hoher Verkehrsdichte und Geschwindigkeiten. Sole lässt sich bei Temperaturen von bis zu 6 Grad minus anwenden, reduziert den Salzeinsatz und verringert die Umweltbelastung. (fi)