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VERKEHR STADT LUZERN: Mehr Mut zu Visionen gewünscht

Am Montagabend diskutierten Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik über die Verkehrssituation in Luzern. Diese sei gar nicht so schlecht, hiess es zu Beginn. Kritik an der städtischen Verkehrspolitik gab es dennoch.
Stau in der Stadt Luzern. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Stau in der Stadt Luzern. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Gabriela Jordan

Bremst die Politik unsere Wirtschaft aus? Dieses Thema stand gestern Abend im Mittelpunkt der Verkehrskonferenz im Messezentrum Allmend, zu welcher der TCS eingeladen hat. Das Hauptreferat hielt Thomas Rühl, Leiter Swiss Regional Research bei der Credit Suisse. Am anschliessenden Podium diskutierten vor über hundert Zuhörern vier Vertreter aus Politik und Wirtschaft: Adrian Borgula (Luzerner Stadtrat und Verkehrsdirektor, Grüne), Markus Lötscher (CEO Pistor AG), Peter Schilliger (FDP-Nationalrat und Präsident der TCS-Sektion Waldstätte) sowie der Redner Thomas Rühl.

Alex Mathis, Geschäftsführer der TCS-Sektion Waldstätte, wies zu Beginn darauf hin, dass Strassen in Luzern chronisch überbelastet, Unternehmen jedoch auf Erreichbarkeit angewiesen seien. Dem Wirtschaftsverkehr müsse deshalb eine grössere Bedeutung zugesprochen werden. Im interkantonalen Vergleich schneide Luzern allerdings gar nicht so schlecht ab, erklärte Thomas Rühl in seinem Referat. Gemessen an einem Standortqualitätsindikator belege Luzern den fünften Platz. Um Verkehrsüberlastungen abzubauen, investierten die Stadt und der Kanton derzeit zudem viel, wie der Bypass Luzern, die Spange Nord oder Pläne zum Durchgangsbahnhof zeigten. In langer Sicht bremse die Politik die Wirtschaft deshalb nicht aus, kommentierte Rühl die provokativ formulierte Frage zur Konferenz.

«Nicht so schlecht» oder «eine Katastrophe»?

Und dennoch. Rühl erklärte, welchen Schaden Stau in der Wirtschaft anrichten kann – beispielsweise im verkleinerten Suchradius eines neuen Arbeitgebers. «Für mich als Ökonom liegt das Problem klar beim Markt», sagte er und argumentierte dafür, die Nachfrage stärker zu lenken und zum Beispiel eine bedarfsabhängige Gebühr einzuführen.

Das anschliessende Podiumsgespräch wurde von Jérôme Martinu, Chefredaktor unserer Zeitung, geleitet. Stadtrat Adrian Borgula sagte zu Beginn, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Luzern in den letzten Jahren stärker gestiegen sei als das Bevölkerungswachstum. «Ich gehe deshalb davon aus, dass die Erreichbarkeit nicht so schlecht ist.» Markus Lötscher kritisierte jedoch die fehlenden Parkplätze in der Stadt: «Wenn Parkplätze wegfallen, kann das für eine Bäckerei die ganze Kundenstruktur verändern.» Nationalrat Peter Schilliger fand noch klarere Worte: «An manchen Tagen bricht der ganze Verkehr in der Stadt zusammen. Wenn etwa Handwerker trotzdem unterwegs sein müssen, ist das eine Katastrophe.» Schilliger kritisierte, dass alle verkehrspolitischen Massnahmen zu Lasten der Autofahrer gingen. «Der Stadtrat kämpft nicht genug für Grossprojekte wie den Bypass oder die Spange Nord», sagte er. Borgula erwiderte, dass der Stadtrat bei diesen Grossprojekten durchaus auf Kurs sei. Und: «Im 21. Jahrhundert ist es nicht so einfach, eine vierspurige Strasse durch ein Quartier zu ziehen.» Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei ebenfalls notwendig.
Markus Lötscher wünschte sich von der Politik mehr Mut für Visionen: «Die Spange Nord und der Bypass sind Projekte, die einfach möglich sein und von der Bevölkerung getragen werden müssen.» Adrian Borgula plädierte zum Schluss dafür, dass man in diesem Thema aus den Gräben herauskommt und mit mehr Ruhe diskutiert.

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