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VERKEHR: Tiefbahnhof Luzern: Bund erhöht Preis um 1 Milliarde Franken

Gemäss Bund soll der Luzerner Durchgangsbahnhof 3,34 Milliarden Franken kosten. Der Kanton rechnete bloss mit 2,4 Milliarden. Zentralschweizer kritisieren den Bund für seine «Zahlenspielerei».
Martina Odermatt
Das Nadelöhr bei der Bahnhofzufahrt. Ein Tiefbahnhof soll Abhilfe schaffen. (Bild: Reportair)

Das Nadelöhr bei der Bahnhofzufahrt. Ein Tiefbahnhof soll Abhilfe schaffen. (Bild: Reportair)

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

Die Berechnungen des Bundesamts für Verkehr (BAV) bergen Zündstoff. Das Bundesamt veranschlagt nämlich die Kosten für einen Luzerner Durchgangsbahnhof auf 3,34 Milliarden Franken. Die bisherigen Schätzungen des Kantons Luzern gingen immer von 2,4 Milliarden aus. Doch der Bund zählt auch Zufahrtsstrecken und weitere Ausbauprojekte zum Bau des Tiefbahnhofs dazu.

Der Fahrgastverband Pro Bahn Zentralschweiz kritisiert die vom Bund genannten Kosten. «Offenbar enthalten die Modulkosten beim Durchgangsbahnhof und beim Zimmerbergtunnel Elemente, die nicht zum eigentlichen Vorhaben gehören», heisst es in einer Mitteilung. Pro Bahn wittert darin eine bewusste Taktik, um die Chancen für den Tiefbahnhof zu schmälern. Denn: Bei anderen Ausbauprojekten, etwa in Zürich-Stadelhofen, seien allein die Kosten für das Kernprojekt angegeben – womit der Preis logischerweise tiefer ist.

Hoffnung auf Mehrheit schwindet

Das BAV hat einen Kostenrahmen von insgesamt 5 Milliarden Franken für den Ausbau des Bahnnetzes zwischen 2030 und 2035. Neben Luzerner Tiefbahnhof und Zimmerbergtunnel buhlen noch andere Ausbauprojekte, etwa am Lötschberg oder Neuenburg-La Chaux-de-Fonds, um Unterstützung. Dabei ist klar: ­ Je teurer ein Projekt, desto kleiner die Chancen, dass es in den 5-Miliarden-Topf aufgenommen wird. Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Zentralschweiz, ­ärgert sich: «Wir finden es nicht fair, dass der Bahnhof immer teurer wird. Das Projekt wird so verunmöglicht.» Sie erwarte von einer Behörde, dass diese sauber, seriös und fair vergleiche und Module erarbeite, die mehrheitsfähig seien. Dass der Tiefbahnhof noch andere Ausbauprojekte nach sich zieht, versteht Blättler. «Aber dann soll man dies auch klar so deklarieren und zwei Kostenpunkte daraus machen.»

Blättler befürchtet, dass das Projekt mit solch hohen Kosten im Parlament nicht mehrheits­fähig ist. Ähnlich klingt es bei Walter von Andrian, Chefredaktor der «Eisenbahn-Revue». «Alle paar Monate wird das Projekt teurer. Mir scheint es, als ob das BAV nur einen Grund sucht, den Tiefbahnhof abzusägen.» Der Luzerner FDP-Ständerat ­Damian Müller wiegelt derweil ab. «Wir lassen uns nicht von der Zahlenspielerei des BAV irritieren. Die Parlamentarier werden das Projekt genau studieren und merken, welche Teilprojekte ­ mit den Kosten gedeckt werden sollen.» Beim BAV heisst es, ­ dass der Bahnausbauschritt 2030/2035 einen möglichst hohen Nutzen für das ganze Land bieten soll. «Die Projekte müssen so ausgestaltet sein, dass die Verbesserung ihre ganze Auswirkung entfalten kann», sagt Sprecherin Florence Pictet. Daher müsse man auch auf die Zufahrtsstrecken achten und, wenn nötig, diese entsprechend ausbauen. Den Vorwurf, dass bei Konkurrenzprojekten wie dem Bahnhof Stadelhofen nur das «Kernprojekt» in den Kosten aufgeführt sei, weist das BAV ­zurück. «In den Kosten für den Durchgangsbahnhof, den Zimmerbergtunnel und den Bahnhof Stadelhofen sind das Kernprojekt und weitere Massnahmen inbegriffen», so Florence Pictet.

Mehr Züge nach Zürich – ohne Tiefbahnhof?

Für Irritationen sorgen auch die neusten Pläne der SBB, einen Viertelstundentakt Luzern–Zürich einzuführen – und das ohne Tiefbahnhof (Ausgabe vom 26. Mai). Wie sie das bewerkstelligen wollen, ohne bestehende Verbindungen zu reduzieren, das bleibt offen. Für eine entsprechende Anfrage war bei den Bundesbahnen gestern niemand erreichbar.

Walter von Andrian kann sich nicht vorstellen, wie die SBB dieses Konzept umsetzen wollen. «Ich habe grösste Zweifel, ob ein Viertelstundentakt nach Zürich ohne Tiefbahnhof stabil machbar ist», so der Luzerner Bahnexperte. Das Verkehrsaufkommen von Ebikon und vom Gütsch her sei «gigantisch», ausserdem brauche man zusätzliche Perrongleise. «Der Tiefbahnhof würde bei allen drei Punkten Abhilfe schaffen.» Versuche man eine Lösung ohne Tiefbahnhof umzusetzen, so sei dies ein «Flickwerk ohne Ende».

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