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VERKEHR: VBL-Chef kämpft für Fahrbahnhaltestelle

Norbert Schmassmann, Chef der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL), verteidigt die geplante Aufhebung von Busbuchten. Auch Autofahrer würden davon profitieren.
Interview Luca Wolf
«Wenn man zu wenig unternimmt, verschlechtert sich die Situation für den Busverkehr.» Norbert Schmassmann, VBL-Direktor. (Bild: Chris Iseli / Neue LZ)

«Wenn man zu wenig unternimmt, verschlechtert sich die Situation für den Busverkehr.» Norbert Schmassmann, VBL-Direktor. (Bild: Chris Iseli / Neue LZ)

Norbert Schmassmann, die im ÖV-Bericht auf der Linie 1 geplante Aufhebung von Busbuchten polarisieren. Von einer «Riesen-Schnapsidee», von «gewerbe- und autofeindlichen Massnahmen» ist die Rede. Können Sie die Aufregung verstehen?

Norbert Schmassmann: Nein. Denn eine rein sachliche Frage wurde in den letzten Tagen in der Diskussion emotional stark aufgeheizt und emotionalisiert. Die politischen Polparteien überhäufen sich mit Behauptungen und Gegenbehauptungen. Die Frage ist, wie der Verkehr insgesamt, also nicht nur der öffentliche Busverkehr, verflüssigt werden kann.

Aus Autofahrersicht ist ein Bus, der ständig vor einem hält und hinter dem man jedes Mal warten muss, ein Ärgernis. Braucht es für einen flüssigeren ÖV zwingend solche Massnahmen?

Schmassmann: Die geeignetsten Massnahmen, um den öffentlichen Verkehr zu verflüssigen und damit auch eine höhere Fahrplanstabilität, sprich Pünktlichkeit zu erreichen, wären durchgehende Busspuren. Diese sind aber häufig wegen der gegebenen engen Verhältnisse nicht realisierbar. Daher sind Alternativen nötig. Fahrbahnhaltestellen in Kombination mit einer Anpassung der Lichtsignalanlagen sind gute Möglichkeiten zur Förderung des ÖV. Wir wollen den ÖV nicht gegen den motorisierten Individualverkehr ausspielen. Dennoch muss man schon sehen, dass ohne den ÖV in Luzern der Verkehr gar nicht mehr fliessen würde.

Und ohne aufgehobene Busbuchten geht das nicht?

Schmassmann: Ich bin kein Verkehrsfachmann, sondern Ökonom. Deshalb bin ich auf Fachleute angewiesen. Diese haben in Simulationen die Auswirkungen unter anderem von aufgehobenen Busbuchten getestet. Demnach würde diese Massnahme zu einem flüssigeren Busverkehr beitragen. Wir liefern den Ämtern und dem Verkehrsverbund Zahlengrundlagen aufgrund unseres Betriebsleitsystems. Detaillierte Auswertungen befinden sich beim Verkehrsverbund.

Auf der Linie 1 stehen in Stosszeiten häufig alle Verkehrsteilnehmer zusammen im Stau. Welche Massnahmen sind aus Ihrer Sicht am geeignetsten, das Problem zu entschärfen?

Schmassmann: Seit die Bauarbeiten am Seetalplatz begonnen haben, ist die Situa­tion auf der Linie 1 Richtung Kriens noch schwieriger geworden, weil viele Autofahrer, die Richtung Entlebuch fahren, die Ausweichroute über Kriens wählen. Der ÖV-Bericht zeigt zur Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs im Kanton viele gute Stossrichtungen auf. Wird der ÖV attraktiver, steigen mehr Pendler um, was die Strassen für den wirtschaftlich notwendigen Individualverkehr frei macht.

Häufig ist der Protest der Autofahrer gross, wenn neue ÖV-Förderungsmassnahmen umgesetzt werden sollen. Die Autofahrer befürchten, deswegen noch länger im Verkehrschaos hängen zu bleiben. Zu Unrecht?

Schmassmann: Unser Ziel muss es gemeinsam sein, den öffentlichen Verkehr so zu attraktivieren, dass sich für viele das Umsteigen lohnt. Dann bleiben jene Autofahrer, die auf ihr Fahrzeug angewiesen sind, auch weniger im Stau stecken.

Weil immer mehr Menschen in unserer Region wohnen, nimmt auch der Verkehr zu. Aber mehr Strassen können kaum gebaut werden. Also sollen wir uns damit abfinden, dass der ÖV als Massentransportmittel immer mehr an Bedeutung gewinnt?

Schmassmann: Der Kanton hat im Richtplan 2009 festgehalten, dass in der ­Agglomeration Luzern der öffentliche Verkehr zur Erhöhung der Gesamtverkehrskapazität, zur Steigerung der Energieeffizienz sowie zu Gunsten der Umwelt zu bevorzugen ist. Gleichzeitig wird aber auch festgehalten, dass dem motorisierten Individualverkehr der für die notwendige Mobilität erforderliche Strassenraum zur Verfügung gestellt wird.

Bald wird der ÖV-Bericht im Kantonsrat diskutiert. FDP und SVP wollen die Busbuchten streichen. Mit Hilfe von ein paar Ihrer CVP-Parteikollegen könnte das gelingen.

Schmassmann: Im ÖV-Bericht werden konstruktive, ganzheitliche Lösungsansätze aufgezeigt. Es wäre schade, wenn dieser Bericht nur wegen der Streitfrage, ob Fahrbahnhaltestellen besser oder schlechter seien als Busbuchten, abgelehnt oder verwässert würde. Auf diese Weise würde man das Kind mit dem Bad ausschütten. Wie gesagt, wie schlimm ein Verzicht auf die Fahrbahnhaltestellen im Detail wären, weiss ich nicht. Ich weiss aber: Wenn man nichts oder zu wenig unternimmt, verschlechtert sich die Situation für den Busverkehr. Das wäre sehr schade, zumal die Einführung des geplanten RBus darauf ausgerichtet ist, dass dieser auf der Linie 1 schneller vorankommt, was ihn natürlich attraktiver machen würde.

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