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VERKEHR: Verkehrssoziologe: «Platzverbrauch spricht gegen Autos»

Das Gewerbe ist unzufrieden mit der Verkehrssituation in der Stadt. Das verwundert wenig, haben doch grosse Verkehrsprojekte in Luzern einen schweren Stand. Doch nur mit neuer Infrastruktur liessen sich die Probleme nicht lösen, sagt ein Experte.
Interview Yasmin Kunz
Der dichte Verkehr in der Stadt Luzern – hier auf der Seebrücke – sorgt für viel Unzufriedenheit. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 21. August 2017))

Der dichte Verkehr in der Stadt Luzern – hier auf der Seebrücke – sorgt für viel Unzufriedenheit. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 21. August 2017))

Interview Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Obwohl die Politik bemüht ist, den öffentlichen Verkehr zu fördern, ist gemäss einer Umfrage beim Luzerner Gewerbe das Auto nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel (Ausgabe vom 21. August). Wir haben bei Timo Ohnmacht (37), Verkehrssoziologe an der Hochschule Luzern – Wirtschaft, nachfragt, wie sich das Dilemma zwischen Verkehrspolitik und -realität lösen lässt.

Timo Ohnmacht, die Politik versucht seit Jahren, ÖV und Langsamverkehr zu fördern. Für das Luzerner Gewerbe hat das Auto aber nach wie vor eine absolut dominierende Stellung. Waren die politischen Bemühungen wirkungslos?

Das Auto hat immer noch eine wichtige Stellung. Die Entwicklung der Verkehrszählung zeigt jedoch, dass die Autofahrten auf dem Stadtgebiet nicht zunehmen, sondern in der Tendenz sogar abnehmen. Ausserdem besitzen fast die Hälfte der Haushalte in der Stadt kein Auto. Die politischen Bemühungen wirken zwar, zugegebenermassen jedoch nicht im erwarteten Ausmass.

Was bräuchte es denn, damit der ÖV attraktiver wird?

Damit der ÖV attraktiver wird, müsste der Autoverkehr weniger attraktiv gemacht werden. Denn so wie es aussieht, ist der Autoverkehr in der Stadt nach wie vor attraktiv genug, wenn sich die Mehrheit der Befragten damit fortbewegen. Angesichts des geringen Erfolges der bisherigen Massnahmen müsste der ÖV und besonders der Langsamverkehr zu Lasten des Autoverkehrs gefördert werden, wie es andere Städte, etwa Paris, erfolgreich vormachen.

Lassen wir politisch-ideologische Aspekte einmal ausser Acht. Welche Stellung hat das Auto in der modernen Verkehrsplanung für die Städte?

Der Platzverbrauch und auch die Umweltbeeinträchtigungen sprechen gegen das Auto, das während über 20 Stunden täglich auf einem Parkplatz steht. Durch die Entwicklung der Fahrzeugtechnologie und der Sharing-Modelle können die Vorteile des Autos – insbesondere als Nutz- und Transportfahrzeuge – aber besser genutzt werden.

Welches Potenzial sehen Sie in der Digitalisierung der Verkehrssteuerung? Was müsste Luzern jetzt tun, um den Zug nicht zu verpassen?

Mit der Digitalisierung lässt sich allenfalls der Verkehr besser steuern, aber das sehe ich nicht als Lösung der Verkehrsprobleme in den Städten. Vielmehr gilt es, die Mobilität auf engem Raum sinnvoll zu gestalten.

Was heisst sinnvoll gestalten?

Die Infrastruktur für den Langsamverkehr muss besser gestaltet werden.

Luzern ist in Verkehrsfragen seit Jahren blockiert. Es fehlt zwar nicht an Ideen für grosse Würfe wie etwa Tiefbahnhof, Bypass oder die Parkhaus-Projekte. Doch ob eine dieser Ideen jemals realisiert wird, steht in den Sternen. Woran hapert es?

Das ist schwierig zu beurteilen. Grundsätzlich haben es grosse Infrastrukturausbauten heute sehr schwer, insbesondere angesichts der gegenwärtigen finanziellen Lage des Kanton Luzern.

Welches der genannten Luzerner Grossprojekte ist in Ihren Augen besonders dringend für die Lösung der Verkehrsprobleme?

Keines. Erfahrungsgemäss schaffen diese weitere Probleme. Der Verkehr wird durch neue realisierte Projekte weiter zunehmen.

In der Umfrage sagen die Gewerbler, dass nicht die Politik die Federführung bei Verkehrskonzepten haben soll, sondern Fachleute. Sie sind Verkehrsexperte – was also würden Sie konkret tun?

Ich würde den Fokus auf die ­Agglomeration legen und Ansätze fördern, die den Bewohnern vermehrt einen Lebensstil der kurzen Wege ermöglicht.

Wie steht Luzern im Vergleich zu anderen Städten da? Werden dort Verkehrsprojekte schneller realisiert?

Nicht unbedingt. Es kommt stark auf die politische Zusammensetzung und auf einzelne Köpfe an. Die Veloentwicklung in Bern ist eines der wenigen Erfolgsbeispiele auf lokaler Ebene.

Korrekt

Die Grafik zur Verkehrsumfrage enthielt eine falsche Quelle («Stadt Luzern»). Die Resultate wurden wie im Artikel ausgeführt durch Herbert Widmer und Peter Bucher erhoben.

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